Förderatlas 2015 - page 118

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4 Fachliche Förderprofile von Forschungseinrichtungen
4.4 Förderprofile in den Geistes-
und Sozialwissenschaften
Die Geistes- und Sozialwissenschaften prägen
die deutschen Hochschulen, nicht zuletzt per-
sonell: Mehr als die Hälfte der in Deutschland
Studierenden ist in diesem Fächerspektrum
eingeschrieben (DESTATIS, 2014a: 33). Von
44.000 Professorinnen und Professoren sowie
225.000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern, die an Hochschulen arbei-
ten, gehören 47 Prozent (30 Prozent) zu die-
sen Fächergruppen (vgl. Tabelle Web-4 unter
Obwohl die Geistes- und Sozialwissenschaf-
ten sowohl absolut wie auch bezogen auf die
pro Kopf eingeworbenen Summen im Ver-
gleich der Wissenschaftsbereiche weniger
drittmittelaktiv erscheinen (vgl. Kapitel 4.1),
gewinnen auch hier Drittmittel zunehmend
an Bedeutung. Im Berichtszeitraum dieses
Förderatlas (2011 bis 2013) hat die DFG 1.130
Millionen Euro (vgl. Tabelle 4-4) und damit
156 Millionen Euro mehr als im Zeitraum
2008 bis 2010 für Forschung in den Geistes-
und Sozialwissenschaften bewilligt (DFG,
2012: 68). Dies ist eine Steigerung um 16 Pro-
zent, ein Wachstum, das weit über dem der
drei anderen DFG-Wissenschaftsbereiche liegt.
Im Jahr 2012 haben die Hochschulen Dritt-
mitteleinnahmen in Höhe von 1.038 Millio-
nen Euro in den Geistes- und Sozialwissen-
schaften verbucht (vgl. Tabelle Web-1 unter
Dem stehen im
3-Jahreszeitraum 2011 bis 2013 DFG-Bewilli-
gungen in Höhe von knapp 1.040 Millionen
Euro gegenüber. Vereinfachend umgerechnet
stammen damit rund 33 Prozent der Drittmit-
teleinnahmen in den Geistes- und Sozialwis-
senschaften von der DFG.
Zum Wachstum beigetragen haben spezi-
ell auf die Bedürfnisse der Geistes- und Sozi-
alwissenschaften ausgerichtete Förderin-
strumente. Dazu gehören zum Beispiel
Kollegforschergruppen, die Villa-Vigoni-
Gespräche sowie bi- und multilaterale
Ausschreibungen mit Partnerorganisationen
speziell in den Geistes- und Sozialwissen-
schaften, beispielsweise mit der französi-
schen L‘Agence nationale de la recherche
(ANR) oder im Rahmen der Ausschreibun-
gen zur Open Research Area in the Social
Sciences (ORA).
Über die Angebote der DFG hinaus gibt es
für die Geistes- und Sozialwissenschaften
vielfältige Angebote weiterer Förderer, insbe-
sondere von Stiftungen. Genannt seien hier
nur stellvertretend die Volkswagenstiftung,
die Gerda-Henkel-Stiftung oder die Fritz-
Thyssen-Stiftung.
4.4.1 Überblick
Die DFG ist im Vergleich zu EU und Bund
der größte Drittmittelgeber der Geistes- und
Sozialwissenschaften (vgl. Tabelle 4-4). Von
den 1.130 Millionen Euro, die für die Jahre
2011 bis 2013 bewilligt wurden, gehen über
90 Prozent an Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, die an Hochschulen for-
schungsaktiv sind. Absolut und prozentual
mehr Mittel als in der vergangenen Berichts-
periode fließen an außeruniversitäre Ein-
richtungen. Besonders hervorzuheben sind
hier die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) sowie
mit einigem Abstand die Weiteren Einrich-
tungen, zu denen viele Museen und Biblio-
theken zählen. Auch die Bundesforschungs-
einrichtungen sind mit knapp 15 Millionen
Euro sehr aktiv.
Unter den im Förderatlas betrachteten
Förderern gewinnt auch der Bund für Geis-
tes- und Sozialwissenschaften zunehmend
an Gewicht. Das BMBF hat im Dezember
2012 das Rahmenprogramm Geistes-, Kultur-
und Sozialwissenschaften veröffentlicht, das
auf die „Förderinitiative Freiraum für die
Geisteswissenschaften“ (2007 bis 2012) auf-
baut. Deutlich umfangreicher als bei der
DFG profitieren von der Förderung des Bun-
des in großer Zahl Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler an außeruniversitären For-
schungseinrichtungen, auch hier vor allem
an Instituten der Leibniz-Gemeinschaft so-
wie in Museen und weiteren kulturellen
Einrichtungen.
Steigerung der EU-Förderung
Von Mitteln der EU profitieren die deut-
schen Geistes- und Sozialwissenschaften in
nur geringem, wenn auch im Zeitverlauf
wachsendem Umfang. Der auf einen 3-Jah-
reszeitraum umgerechnete Betrag in Höhe
von 28 Millionen Euro liegt um fast 44 Pro-
zent über dem im letzten Förderatlas doku-
mentierten 3-Jahreswert (DFG, 2012: 112).
Ähnlich zum Bund partizipieren in großem
Umfang außeruniversitäre Einrichtungen
insbesondere der Leibniz-Gesellschaft so-
wie Weitere Einrichtungen an den Pro-
grammen der EU.
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