Förderatlas 2015 - page 115

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4.3 Fachliche und fördergebietsspezifische Profile von Hochschulen in der Gesamtbetrachtung
4.3.3 Förderprofile von Hochschulen
bei Bund und EU
Die Förderprofile der bei Bund und EU akti-
ven Hochschulen werden in Abbildung 4-6
und Abbildung 4-7 nach derselben Methode
wie für die DFG-Bewilligungen in Kapitel
4.3.1 illustriert. Aus Tabelle 4-2 in Kapitel 4.2
ist bekannt, dass beide Förderer im Vergleich
zur DFG eine deutlich stärkere Ausrichtung
auf anwendungsorientierte und dabei vor al-
lem ingenieurwissenschaftliche Forschung
aufweisen. Zu der anwendungsnahen For-
schung gehört auch der medizinische Bereich,
der bei der EU ganz überwiegend dem finan-
ziell gut ausgestatteten Fördergebiet Gesund-
heit und beim Bund dem ebenfalls großen
Fördergebiet Gesundheitsforschung und Ge-
sundheitswirtschaft zugeordnet ist.
Die Tabellen, die den beiden Abbildungen
zugrunde liegen, können unter
(Tabelle Web-23 und Web-26)
abgerufen werden.
Diese Unterschiede in der fachlichen Aus-
richtung erklären, warum manche Hochschu-
le, die bei der DFG mit einem breiten Fächer-
spektrum und großen Bewilligungssummen
in Erscheinung tritt, hier nur in den entspre-
chenden Teilgebieten aktiv ist. Dabei kristalli-
siert sich in beiden Fällen eine ähnliche Ord-
nung entlang der spezifischen Schwerpunkt-
setzungen der Hochschulen heraus.
Sowohl bei den Förderprofilen der EU als
auch beim Bund rechts beziehungsweise
rechts unten im Bild finden sich in größerer
Zahl Hochschulen mit starker Beteiligung an
den Förderprogrammen der Gesundheitsfor-
schung. Mit Blick auf die Förderprogramme
des Bundes sind das
KIT Karlsruhe,
die
U Hannover
sowie die
U Stuttgart
Standor-
te, die vor allem die Energieforschung und
Energietechnologien akzentuieren. Bei der
EU ist dieses Fördergebiet mit Ausnahme der
TU Hamburg-Harburg
dagegen für kaum
einen Standort wirklich prägend.
Die bei Bund wie EU als „Informations-
und Kommunikationstechnologien (IuK)“
überschriebenen und vor allem bei der EU in
großem Umfang von deutschen Hochschulen
genutzten Förderprogramme ordnen die dar-
an partizipierenden Einrichtungen links (EU)
beziehungsweise links oben (Bund) im Bild
an. Wie schon bei der DFG mit Bezug auf das
Fachgebiet Elektrotechnik, Informatik und
Systemtechnik sind die
TU Berlin,
das
KIT
Karlsruhe,
die
U Stuttgart,
die
TH Aachen
sowie die
TU Darmstadt
stark an den ent-
sprechenden Programmen beteiligt. Bei der
EU ist der Kreis der Hochschulen mit starken
IuK-Anteilen dabei allerdings deutlich größer
als beim Bund: Mehr als 23 Hochschulen
werben über ein Viertel ihrer EU-Drittmittel
für IuK-Projekte ein, bei sieben Hochschulen
ist es sogar mehr als die Hälfte. Darunter fin-
det sich beispielsweise die
U Bielefeld
(IuK-
Anteil 60 Prozent), die auch bei der DFG ei-
nen hohen Anteil entsprechender Projekte
aufweist, dort aber sonst vor allem durch ihr
Engagement in den Geistes- und Sozialwis-
senschaften bekannt ist. Beim Bund spielt
dieser Bereich eine eher untergeordnete Rol-
le. Ins Auge fällt hier vor allem die
U Bam-
berg,
die ihre Bundesförderung zu fast 100
Prozent aus dem Fördergebiet „Innovationen
in der Bildung (BIL)“ schöpft. Signifikante
Anteile an der Bundesförderung aus diesem
Fördergebiet sowie aus den Geisteswissen-
schaften und den Wirtschafts- und Sozialwis-
senschaften (GWS) finden sich darüber hin-
aus an der
U Bochum,
der
U Bonn,
der
U Köln
sowie der
LMU München,
der
U Ulm
und der
U Frankfurt/Main.
In der Gesamtschau vermitteln die Abbil-
dungen einen sehr detaillierten und in gro-
ßen Teilen kongruenten Eindruck von den
fachlichen sowie auf spezifische Förderfelder
ausgerichteten Schwerpunktsetzungen der
berücksichtigten Hochschulen. Bezogen auf
Bund und EU geraten dabei insbesondere die
dort favorisiert geförderten anwendungsna-
hen Förderfelder in den Blick, bei der EU ist
dies etwa der IuK- sowie der Gesundheitsbe-
reich, beim Bund der etwas weiter gefasste
Ingenieurbereich sowie ebenfalls die Gesund-
heitsforschung. Die DFG ist fachlich grund-
sätzlich breiter aufgestellt.
Was der Vergleich damit auch verdeutlicht:
Auf Drittmitteldaten gestützte Aussagen zu
den fachlichen Profilen von Hochschulen sind
ganz entscheidend beeinflusst von den Quel-
len, die für solche Aussagen herangezogen
werden. Der DFG-Förderatlas verfügt über
eine hinreichend breite Datenbasis, die auch
Vergleiche zulässt. In Abbildung 2-5 konnte
mithilfe von Daten des Statistischen Bundes-
amts gezeigt werden, dass rund 67 Prozent al-
ler Drittmittel von Hochschulen bei DFG, Bund
und EU eingeworben werden. Zumindest für
die drittmittelfinanzierte Forschung ist das hier
dargestellte und nach diesen Förderern diffe-
renzierende Bild der Förderprofile von Hoch-
schulen daher als weitgehend repräsentativ für
die dort drittmittelfinanzierte Forschung anzu-
nehmen.
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