Förderatlas 2015 - page 109

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4.3 Fachliche und fördergebietsspezifische Profile von Hochschulen in der Gesamtbetrachtung
schule der Architektur und des Bauwesens
gerecht wird. Die
TU Ilmenau,
links im Bild,
lässt klar einen Schwerpunkt auf dem Gebiet
Elektrotechnik, Informatik und Systemtech-
nik erkennen. Die
U Augsburg
hat schließ-
lich einen auffallend hohen Anteil an Physik-
Projekten eingeworben. Der Physik-Schwer-
punkt findet seinen Ausdruck nicht zuletzt in
der erfolgreichen Zusammenarbeit mit den
beiden Münchner Universitäten am Exzel-
lenzcluster
„Nanosystems Initiative Munich
(NIM)“
.
4.3.2 Fachliche DFG-Profile in der
zeitlichen Entwicklung
In diesem Band der Reihe Förderatlas wird
erstmalig der Frage nachgegangen, welche
Veränderungen die DFG-Förderprofile von
Hochschulen über die Zeit durchlaufen. Mit
Betrachtung eines 11-Jahreszeitraums (2003
bis 2013) wird dabei untersucht, ob sich
an den einzelnen Hochschulen fachliche
Konzentrationen oder Diversifizierungen ab-
zeichnen.
Die aktuellen fachlichen Profile von Hoch-
schulen (2011 bis 2013), wie sie sich aus den
Beteiligungen an den Förderprogrammen der
DFG ableiten, werden in den folgenden Kapi-
teln detailliert betrachtet. In Entsprechung zu
den Abbildungen 4-2 und 4-3 wird dort dar-
gestellt, welche fachlichen Schwerpunkte
diese in den einzelnen Wissenschaftsberei-
chen jeweils charakterisieren. In diesem Ka-
pitel steht die Frage im Vordergrund, welche
Entwicklungen diesen aktuellen Profilen vor-
angegangen sind.
Tatsächlich kommt der Frage nach der
Ent-
wicklung
fachlicher Profile in der forschungs-
politischen Diskussion ein hoher Stellenwert
zu. Schon früh widmete etwa die Hochschul-
rektorenkonferenz (HRK) dem Thema 2004
eine Tagung „Profilbildung von Hochschulen
– Grundlage für Qualität und Exzellenz“
7
. Klar
mit dem Auftrag versehen, einen weithin
sichtbaren Beitrag zur Profilbildung von Spit-
zenuniversitäten zu leisten, wurde 2005
schließlich die Exzellenzinitiative des Bundes
und der Länder auf den Weg gebracht (o. V.,
7
Der aktuelle Webauftritt der HRK stellt über die
dort zugängliche Forschungslandkarte ebenfalls die
Forschungsprofile der Hochschulen dar. Er weist
profilbildende Forschung an Universitäten sowie an
Fachhochschulen aus. Angezeigt werden dabei pro
Hochschule bis zu acht Forschungsschwerpunkte
(vgl.
2005: 6). Auch der Wissenschaftsrat hat das
Thema 2010 in seiner Schrift „Empfehlungen
zur Differenzierung der Hochschulen“ be-
leuchtet. Eine der zentralen dort festgehalte-
nen Empfehlungen lautet, die Hochschulen
sollen „die innere Ausdifferenzierung einzel-
ner Leistungsbereiche gezielt vorantreiben
und entsprechend unterschiedliche Struktur-
bedingungen (zumBeispiel bei der Personal-
struktur) etablieren; dabei sollen sie berück-
sichtigen, dass Fächer und Disziplinen weiter-
hin eine wichtige Differenzierungsgrenze
darstellen“ (WR, 2010: 9).
Gerade die letzte Quelle leitet mit ihrem
Verweis auf Fächer und Disziplinen über zu
einem Punkt, der in der Diskussion um Pro-
filbildung vereinzelt als mögliche Schatten-
seite betont wird. Im Tagungsband der Kon-
ferenz „Profilbildung jenseits der Exzellenz“,
die die Friedrich-Ebert-Stiftung 2012 veran-
staltete, wird etwa mit direktem Bezug auf
die Exzellenzinitiative die „Gefahr der Redu-
zierung von Vielfalt“ betont, die mit Profil-
bildung einhergehe und vor allem kleine
oder auch „exotische“ Fächer treffe, die „im-
mer mehr ausgedünnt“ würden (Borgwardt,
2013: 42).
Diese Diskussion aufgreifend stellt sich also
zunächst die Frage, inwieweit sich empirische
Evidenzen für die so angenommene Entwick-
lung feststellen lassen. Gibt es einen Trend zu
einer Fokussierung auf immer weniger „starke“
Drittmittelfächer? Zeigen sich gar direkte Be-
züge zur Exzellenzinitiative, sind also Univer-
sitäten, die an diesem Programm partizipieren,
in besonderer Weise durch entsprechende
Konzentrationsentwicklungen geprägt?
In der öffentlichen Diskussion findet sich
neben der Konzentrationsdebatte ein weiteres
Motiv, das allerdings einen gegenläufigen
Trend adressiert. Weil die Einwerbung von
Drittmitteln vor allem an den Hochschulen
immer wichtiger wird, partizipieren nun auch
Angehörige solcher Fächer an Drittmittelpro-
grammen, die ihre Forschungsvorhaben zuvor
ohne diese Mittel oder mit deutlich geringe-
ren Beträgen Dritter finanzierten. Gibt es also
auf der anderen Seite einen Trend der zuneh-
menden Breite fachlicher Beteiligung an den
Förderprogrammen der DFG? Sind an den
verschiedenen Standorten heute mehr Fächer
und diese im größeren Umfang an DFG-För-
dermitteln interessiert (oder auch: auf diese
angewiesen) als in den Jahren zuvor?
Wenn im Folgenden am Beispiel DFG-ge-
förderter Forschung der Frage nachgegangen
wird, wie sich die fachlichen Beteiligungen
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