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Pressemitteilung Nr. 54 | 26. November 2018
Zehn neue Sonderforschungsbereiche

Themen reichen von Mikroplastik bis zur phänomenologischen Elementarteilchenphysik / 120,3 Millionen Euro Fördermittel für zunächst vier Jahre / DFG feiert 50-jähriges Bestehen des Förderprogramms

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung der Spitzenforschung an den Hochschulen zehn neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss auf seiner Herbstsitzung in Bonn. Die neuen SFB werden ab dem 1. Januar 2019 zunächst vier Jahre lang mit insgesamt rund 120,3 Millionen Euro gefördert. Darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten.

Zwei der neuen Verbünde sind SFB/Transregio (TRR), die sich auf mehrere antragstellende Hochschulen verteilen. Zusätzlich zu den zehn Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von 13 SFB für je eine weitere Förderperiode. Sonderforschungsbereiche ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben im Verbund und sollen damit der Schwerpunkt- und Strukturbildung an den antragstellenden Hochschulen dienen. Ab Januar 2019 fördert die DFG insgesamt 277 SFB.

In diesem Jahr wird das Programm der Sonderforschungsbereiche 50 Jahre alt. Es ist eines der auch international anerkanntesten und nachhaltigsten Förderformate für Forschungsverbünde in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Seit seiner Einführung 1968 wurde das SFB-Programm kontinuierlich an aktuelle Entwicklungen angepasst: So können anwendungsnahe SFB-Projekte seit 1996 gemeinsam mit Industriepartnern beantragt werden. Mit der Einführung der Programmvariante „Transregio“ ebnete die DFG 1999 den Weg für die gemeinsame Antragstellung mehrerer Universitäten. Seit 2005 können SFB ein Teilprojekt zur Wissenschaftskommunikation beantragen. Der wissenschaftliche Nachwuchs kann seit 2006 in integrierten Graduiertenkollegs gezielt gefördert werden. 2015 ging schließlich das Ortsprinzip in das Hochschulprinzip über, was eine noch größere Flexibilität bei der Beteiligung weiterer Hochschulen an einem SFB ermöglicht.

Die DFG feierte das 50-jährige Jubiläum bei einer Festveranstaltung im Zuge der Herbstsitzung. Dort hatte der Film „50 Jahre Sonderforschungsbereiche“ Premiere. Ein neuer Animationsfilm stellt den Weg zur Antragstellung eines SFB vor. Zudem widmeten das DFG-Magazin „forschung“ (3/2018) sowie der Förderatlas 2018 der DFG dem SFB-Programm einen Themenschwerpunkt. (Die Links auf die erwähnten Filme und Beiträge am Ende der Pressemitteilung.)

Die zehn neuen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen und unter Nennung der weiteren antragstellenden Hochschulen):

Die durch Mikroplastik verursachten Umweltprobleme werden gegenwärtig viel diskutiert. Es ist jedoch wenig über die physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse bekannt, denen Mikroplastik in der Umwelt unterworfen ist. Deshalb widmet sich der Bayreuther SFB der „MIKROPLASTIK – Gesetzmäßigkeiten der Bildung, des Transports, des physikalisch-chemischen Verhaltens sowie der biologischen Effekte: Von Modell- zu komplexen Systemen als Grundlage neuer Lösungsansätze“. (Universität Bayreuth, Sprecher: Prof. Dr. Christian Laforsch)

Chronische Nierenerkrankungen und akute Nierenschäden sind weit verbreitet und reduzieren die Lebenserwartung der Betroffenen erheblich. Der SFB „Nephroprotektion“ will deshalb spezifische Signalwege der Nierenschädigung entschlüsseln und langfristig neue Therapieansätze entwickeln. (Charité Berlin – FU Berlin und HU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Pontus Börje Persson)

Ziel des SFB „Fluor-Spezifische Wechselwirkungen: Grundlagen und Anwendungen“ ist es, die komplexen Interaktionen zu verstehen und zu steuern, die von fluorierten Baueinheiten in chemischen Systemen ausgehen können. (FU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Sebastian Hasenstab-Riedel)

Der SFB „Vaskuläre Kontrolle der Organfunktion“ setzt an einem Paradigmenwechsel in der biomedizinischen Forschung an, da er Blutgefäße nicht lediglich als Transportwege für Nährstoffe und Stoffwechselprodukte begreift. Stattdessen untersucht er die vaskulären Wächter- und Kontrollfunktionen der je nach Organ differenzierten Gefäßwandzellen während der Entwicklung und bei Regenerationsprozessen, bei der Aufrechterhaltung der Homöostase sowie bei Entzündungsprozessen und im Verlauf der Tumorprogression. (Universität Heidelberg, Sprecher: Prof. Dr. Hellmut G. Augustin)

Die Entdeckung des Higgs-Bosons im Jahr 2012 hat das Standardmodell der Teilchenphysik, das die Natur in allen Details beschreibt, vervollständigt. Einige Aspekte des Modells werfen jedoch die Frage auf, ob diese Theorie tatsächlich fundamental ist oder ob es eine noch grundlegendere Theorie zu entdecken gilt. Der SFB/Transregio „Phänomenologische Elementarteilchenphysik nach der Higgs-Entdeckung“ will dieser Frage nachgehen. (Karlsruher Institut für Technologie, Sprecher: Prof. Dr. Kirill Melnikov; ebenfalls antragstellend: RWTH Aachen, Universität Siegen)

Der SFB „Regulation von DNA-Reparatur und Genomstabilität“ untersucht, wie die unterschiedlichen DNA-Reparatursysteme durch ihre Entscheidung über Reparatur oder Mutagenese das Gleichgewicht zwischen Zelltod und Überleben bestimmen und Einfluss auf die Genomstabilität und die Genregulation nehmen. (Universität Mainz, Sprecherin: Prof. Dr. Helle Doerte Ulrich)

Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen der Zusammensetzung des Mikrobioms im Verdauungstrakt und dessen Erkrankungen, wie zum Beispiel chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Darmkrebs? Dieser Frage geht der SFB „Microbiome Signatures – Funktionelle Relevanz des Mikrobioms im Verdauungstrakt“ in grundlagenorientierten wie auch in klinischen Projekten nach. (TU München, Sprecher: Prof. Dr. Dirk Haller)

Wandernde Tiere können über Tausende von Kilometern ihren Weg mit hoher Präzision finden. Viele Sinnessysteme, die bei der Navigation eine wichtige Rolle spielen, sind recht gut erforscht. Der Magnetsinn ist hingegen bislang von den biophysikalischen und zellulären Mechanismen der Wahrnehmung über die zentrale Signalverarbeitung bis hin zu den Verhaltensreaktionen weniger gut verstanden. Der SFB „Magnetrezeption und Navigation in Vertebraten: von der Biophysik zu Gehirn und Verhalten“ will nun ein umfassendes Verständnis dieser Prozesse erlangen. (Universität Oldenburg, Sprecher: Prof. Dr. Henrik Mouritsen)

Bei chronischen Nierenerkrankungen sind – unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache – das Tubulus-(Nierenröhrchen-)System und das Interstitium, das Zwischengewebe, entweder bereits an der Entstehung der Erkrankung oder aber an ihrem Fortschreiten beteiligt. Der SFB „Tubulussystem und Interstitium der Niere: (Patho-)Physiologie und Crosstalk“ untersucht deshalb diese für die Pathogenese von Nierenerkrankungen grundlegenden Zellsysteme. (Universität Regensburg, Sprecher: Prof. Dr. Richard Warth)

Computergestützte Systeme treffen zunehmend Entscheidungen, die Auswirkungen auf den Menschen haben. Darum müssen sie in der Lage sein, dem Menschen zu kommunizieren, wie einzelne Entscheidungen zustande kommen. Der SFB/Transregio „Grundlagen verständlicher Softwaresysteme – Für eine nachvollziehbare cyber-physische Welt“ widmet sich den wissenschaftlichen Grundlagen nachvollziehbarer Software. Die neu gewonnenen Erkenntnisse werden in die Entwicklung softwarebasierter Systeme einfließen, die vorhersagbar und nachvollziehbar agieren. (Universität des Saarlandes, Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Holger Hermanns; ebenfalls antragstellend: TU Dresden)

Die 13 für eine weitere Förderperiode verlängerten SFB
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen, unter Nennung der weiteren antragstellenden Hochschulen und mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung):

Weiterführende Informationen

Film, Beiträge und Statistiken rund um das Thema „50 Jahre Sonderforschungsbereiche“ im DFG-Magazin unter:

Medienkontakt:

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Sonderforschungsbereiche.

Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und zu den geförderten Sonderforschungsbereichen unter: