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Pressemitteilung Nr. 15 | 7. Mai 2018
DFG fördert 15 neue Graduiertenkollegs

Themen von Wirkstoffträgersystemen für Krebsmedikamente über Intelligenz bei Menschen und Maschinen bis zum kriegerischen Byzanz / 70 Millionen Euro für zunächst viereinhalb Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses 15 neue Graduiertenkollegs (GRK) ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn. Die neuen GRK werden ab Oktober 2018 zunächst viereinhalb Jahre lang mit insgesamt rund 70 Millionen Euro gefördert. Darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten. Drei der neuen Verbünde sind Internationale Graduiertenkollegs (IGK) mit Partnern in China und in den USA.

Zusätzlich zu den 15 Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von neun GRK für jeweils eine weitere Förderperiode. Die Verbünde decken von ihren Themen und Fragestellungen wie von ihrem Zuschnitt und Finanzierungsbedarf ein breites Spektrum ab.

Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren. Aktuell fördert die DFG insgesamt 216 GRK, darunter 41 IGK.

Die 15 neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen, unter Nennung der Sprecherinnen oder Sprecher sowie von Kooperationspartnern):

Das IGK „Modern Inverse Problems: From Geometry and Data to Models and Applications” erforscht rechnergestützte Techniken und Methoden in den Ingenieurwissenschaften, die erst durch die rasante Entwicklung im Hardware-Bereich möglich geworden sind. Der Fokus der Forscherinnen und Forscher in Aachen und Austin, Texas, liegt dabei auf der Interaktion von vier Themen: Geometrie, Daten, Modellen und Anwendungen. (RWTH Aachen, Sprecher: Prof. Marek Behr, Ph.D.; Kooperationspartner: University of Texas, Austin, USA)

Krebsmedikamente werden mithilfe von Wirkstoffträgersystemen effizienter, indem sie etwa den Abbau der Medikamente im Körper verlangsamen, deren Anreicherung im Tumor erhöhen und gesunde Organe schützen. Ihr volles Potenzial zur Bekämpfung von Tumoren und zur Verlängerung der Lebenszeit von Patientinnen und Patienten ist aber derzeit noch nicht ausgeschöpft. Das GRK „Tumor-Targeted Drug Delivery“ will solche Wirkstoffträgersysteme verbessern und forscht dazu an der Schnittstelle von Klinik, Tumorbiologie und chemischer Technologie. (RWTH Aachen, Sprecher: Prof. Dr. Fabian Kiessling)

Wie und an welcher Stelle fließen im Gehirn die Informationen unserer fünf Sinne zusammen und wie werden sie verarbeitet? Das GRK „MultiSenses-MultiScales: Neue Ansätze zur Aufklärung neuronaler multisensorischer Integration“ will diese Fragen beantworten und so die multisensorische neuronale Verarbeitung besser verstehen helfen. (RWTH Aachen, Sprecher: Prof. Dr. Marc Spehr)

Ziel des IGK „Analyse und Umbau des regulatorischen Genoms“ ist es, die regulatorischen Prozesse und DNA-Sequenzen zu identifizieren und zu charakterisieren, die die Aktivität der Genexpression in Eukaryonten bestimmen. Dabei setzen die Forscherinnen und Forscher in Berlin und Durham, North Carolina, experimentelle Hochdurchsatzmethoden ein, um die gewonnenen großen Datenmengen mit Methoden der Informatik zu analysieren. (HU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Uwe Ohler; Kooperationspartner: Duke University, Durham, USA)

Gesicherte Erkenntnisse für eine Wissenschaft innerer Erfahrungen – der Psychologie – gewinnt man durch Selbstbeobachtung, also Introspektion, oder durch externe Beobachtung, auch Extrospektion genannt. Letztere galt lange als unzulänglich. Das GRK „Extrospektion. Externer Zugang zu höheren kognitiven Prozessen“ widmet sich deshalb an der Schnittstelle von Philosophie, Psychologie, Psychiatrie und Neurowissenschaften der Frage, wie sich ein externer wissenschaftlicher Zugang zu höheren kognitiven Prozessen erreichen lässt. (HU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Michael Pauen)

Die Beschreibung von Vorgängen in Natur und Technik mittels Partieller Differentialgleichungen ist nicht mehr ausreichend, um adäquate mathematische Modelle für komplexe Systeme zu entwickeln. So werden zunehmend Messdaten realer Systeme in die Modellierungsalgorithmen eingebracht. Offen ist dabei die Frage nach der optimalen Balance zwischen datengetriebenen Ansätzen und der traditionellen Modellierung mittels Differentialgleichungen. Das GRK „Differentialgleichungs- und Daten-basierte Modelle in den Lebenswissenschaften und der Fluiddynamik (DAEDALUS)“ will die Wechselwirkung zwischen diesen beiden Vorgehensweisen systematisch untersuchen. (TU Berlin, Sprecherin: Prof. Dr. Gitta Kutyniok)

Im Fokus des GRK „Interaktive Faser-Elastomerverbunde“ steht die Entwicklung neuartiger Werkstoffkombinationen aus Fasern und Elastomeren. Die Forscherinnen und Forscher wollen Werkstoffverbunde schaffen, deren Form und Steifigkeit gezielt veränderbar sind. (TU Dresden, Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Chokri Cherif)

Wie brechen verschiedene Materialien auseinander? Das GRK „Skalenübergreifende Bruchvorgänge: Integration von Mechanik, Materialwissenschaften, Mathematik, Chemie und Physik“ will Simulationsmethoden entwickeln, mit denen Bruchvorgänge in spröden, granularen und porösen Materialien in verschiedener zeit- und räumlicher Auflösung erfassbar sind. Mit den Erkenntnissen sollen in Bezug auf das Bruchverhalten maßgeschneiderte Materialien entwickelt werden. (Universität Erlangen-Nürnberg, Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Paul Steinmann)

Das Forschungsprogramm des GRK „BEnch – Bewertende Experimente für die numerische Quantenchemie“ sieht vor, Schlüsselexperimente für die quantenmechanische Methodenbeurteilung zu entwickeln und durchzuführen. Das Kolleg will mit dieser Grundlagenarbeit zur Genauigkeit von Messwerten und entsprechenden quantenchemisch berechneten Werten beitragen. Die Themen reichen dabei von der Gasphasenspektrometrie über Molekularstrahltechniken und molekularem Magnetismus bis hin zur Röntgenbeugung. (Universität Göttingen, Sprecher: Prof. Dr. Ricardo Mata)

Weltweit werden in der Landwirtschaft jährlich über 40 Millionen Tonnen Phosphat als mineralische Düngemittel eingesetzt, um die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. Das deutsch-chinesische IGK „Anpassung von Mais-basierten landwirtschaftlichen Produktionssystemen zu Nahrungsmittel-, Futter- und Biomasseerzeugung an begrenzte Phosphatvorräte“ will herausfinden, wie bei verringertem Phosphatangebot die Produktivität vor allem im Maisanbau aufrechterhalten werden kann. (Universität Hohenheim, Sprecher: Prof. Dr. Torsten Müller; Kooperationspartner: China Agricultural University, Beijing, China)

Das GRK „Inflammation und zelluläre Stress-Reaktionen: Veränderungen bei vaskulärer Dysfunktion“ beschäftigt sich mit aktuellen Fragestellungen der Herz-Kreislauf-Forschung und umfasst die Schwerpunkte Entzündung, zellulärer Stress und Dysfunktion der Gefäße. Wurden diese drei Gebiete traditionell weitgehend isoliert voneinander betrachtet, so will das GRK sie nun in einem interdisziplinären Ansatz zusammenhängend untersuchen. (Universität zu Köln, Sprecher: Prof. Dr. Stephan Baldus)

Wie verändert sich unser Gehirn im Alter? Es gibt bislang wenige Erkenntnisse über die Prozesse, die mit der „normalen“, nicht krankheitsbedingten Alterung des Gehirns einhergehen. Das GRK „Die alternde Synapse – molekulare, zelluläre und verhaltensbiologische Mechanismen des kognitiven Leistungsabfalls“ will deshalb die neuronalen Veränderungen im Alter und die mit diesen Veränderungen einhergehenden kognitiven Beeinträchtigungen untersuchen. (Universität Magdeburg, Sprecherin: Prof. Dr. Daniela C. Dieterich)

Ziel des GRK „Maladaptive Prozesse an physiologischen Grenzflächen bei chronischen Erkrankungen“ ist es, molekulare Prozesse zu untersuchen, die in und zwischen Zellen von Grenzflächen von Organen ablaufen und eine zentrale Rolle bei der Entstehung chronischer Krankheiten spielen. Solche dauerhaft fehlgesteuerten, maladaptiven Prozesse sind bisher wenig untersucht. Die Forscherinnen und Forscher nehmen dabei insbesondere in den Blick, wie die intrazelluläre zur interzellulären Maladaption führt – und umgekehrt. (Universität Magdeburg, Sprecher: Prof. Dr. Berend Isermann)

Das Byzantinische Reich stand schon wegen seiner geografischen Lage im ständigen Konflikt mit Nachbarn und Konkurrenten, etwa mit der lateinischen, slawischen und islamischen Welt. Diese Wechselbeziehungen will das GRK „Byzanz und die euromediterranen Kriegskulturen: Austausch, Abgrenzung und Rezeption“ erstmals aus einer transkulturellen Perspektive heraus erforschen. Dabei sollen nicht nur Formen und Praktiken des Krieges untersucht werden, sondern auch sich auf den Krieg beziehende Normen, Deutungen, Sinnzuschreibungen und Reflexionen. (Universität Mainz, Sprecher: Prof. Dr. Johannes Pahlitzsch)

Das GRK „Computational Cognition“ will Intelligenz bei Menschen und Maschinen besser verstehen. Im Zentrum steht das Verständnis der Verbindungen von niedrigen und höheren Kognitionsebenen. Exemplarisch werden solche Probleme bearbeitet, die für den Menschen einfach sind, aber für künstliche Systeme immer noch als schwierig gelten. Dazu gehören Analogien, die Einführung neuer Konzepte und pragmatisches Schlussfolgern. Das GRK führt damit die beiden Forschungsfelder Kognitionswissenschaft und Künstliche Intelligenz wieder zusammen, die sich auseinanderentwickelt haben. (Universität Osnabrück, Sprecher: Prof. Dr. Gordon Pipa)

Die neun für eine weitere Förderperiode verlängerten GRK
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen, unter Nennung der Sprecherinnen oder Sprecher und mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Graduiertenkollegs.

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und zu den geförderten Graduiertenkollegs finden sich unter:

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