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Pressemitteilung Nr. 22 | 4. Juli 2017
DFG bewilligt sieben neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

Themen von der Planetenentstehung über männliche Infertilität bis zur Marktanalyse für landwirtschaftliche Flächen / Insgesamt rund 19 Millionen Euro für erste Förderperiode

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in seiner Sommersitzung im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Halle (Saale) sieben neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe eingerichtet. Die Forschungsverbünde befassen sich mit einem breiten Themenspektrum: Es reicht von der Entstehung neuer Planeten und der Rolle, die protoplanetarische Scheiben dabei einnehmen, über die Untersuchung jener Gene, die männliche Infertilität bedingen, bis hin zur Untersuchung der Funktionsweise landwirtschaftlicher Bodenmärkte. Die Verbünde werden zunächst drei Jahre lang gefördert und erhalten in diesem Zeitraum insgesamt rund 19 Millionen Euro. Damit finanziert die DFG nun 190 Forschergruppen und 16 Klinische Forschergruppen.

Mit Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen unterstützt die DFG Arbeitsbündnisse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich gemeinsam einer Forschungsaufgabe widmen. Auf diese Weise sollen Ergebnisse ermöglicht werden, die sich im Rahmen einer Einzelförderung in der Regel nicht realisieren lassen. Klinische Forschergruppen sind dabei auf die krankheits- oder patientenorientierte klinische Forschung ausgerichtet. Durch die enge Zusammenarbeit von Grundlagenforschern und Ärzten sollen hier wissenschaftliche Arbeitsgruppen dauerhaft in klinischen Einrichtungen implementiert werden. Forschergruppen stellen für eine mittelfristig angelegte, enge Kooperation die notwendige personelle und materielle Ausstattung bereit. Dabei bietet das Förderprogramm flexible Entfaltungsmöglichkeiten etwa für Nachwuchsgruppen, für die Kooperation mit außeruniversitären Partnern oder mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Ausland.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher)

Die Forschergruppe „Recht – Geschlecht – Kollektivität: Prozesse der Normierung, Kategorisierung und Solidarisierung“ lotet unterschiedliche Formen von Kollektivität aus, von eher losen sozialen Bewegungen über manifeste soziale Gruppen wie Hausgemeinschaften und Wohnkollektive bis hin zu Vereinen und (politischen) Organisationen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Soziologie, Rechtswissenschaften, Ethnologie, Kulturwissenschaften und Geschichte untersuchen, wie in verschiedenen Kollektiven alltagsweltliche, institutionelle und rechtliche Praktiken aufeinandertreffen und welche Wechselwirkungen und Ambiguitäten dort entstehen. Sie nehmen dabei insbesondere auch genderspezifische und -politische Dynamiken in den Blick.
(Sprecherin: Prof. Dr. Beate Binder, Humboldt-Universität zu Berlin)

Die Preise für landwirtschaftliche Flächen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – auch, weil nicht landwirtschaftliche Investoren die Flächen aufkaufen. Die gemeinsam mit dem österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) geförderte Forschergruppe „Agricultural Land Markets – Efficiency and Regulation” will den Fragenkomplex rund um diese Problematik beantworten. Sie will dazu die Funktionsweise und die Effizienz landwirtschaftlicher Bodenmärkte verstehen, bewerten und darauf aufbauend den Bedarf an staatlichen Eingriffen in diese Märkte ableiten. Auch bereits existierende Instrumente zur Bodenmarktregulierung sollen analysiert werden. Letztlich soll geklärt werden, ob nicht landwirtschaftliche Investoren tatsächlich einen preistreibenden Einfluss haben.
(Sprecher: Prof. Dr. Martin Odening, Humboldt-Universität zu Berlin)

Die akute myeloische Leukämie, kurz AML, ist eine bösartige Erkrankung des Blutes. Sie tritt vor allem bei Patientinnen und Patienten über 60 Jahren auf und macht etwa 80 Prozent aller akuten Leukämien bei Erwachsenen aus. Die Forschergruppe „Alters-assozierte epigenetische Veränderungen als therapeutischer Ansatzpunkt in der Behandlung der akuten myeloischen Leukämie“ will die Krankheit aus grundlagenwissenschaftlicher und klinischer Perspektive untersuchen. Dazu wollen die Forscherinnen und Forscher epigenetische Veränderungen bei leukämischen Stammzellen analysieren, die vor allem bei älteren Menschen auftreten und die zu einer Entwicklung der AML führen können. Dabei gilt ihr besonderes Augenmerk der Untersuchung der Interaktionen zwischen den genetischen Veränderungen bei der AML und dem Epigenom der leukämischen Stammzelle. Ihr Ziel ist es, Therapien für ältere AML-Patienten zu entwickeln.
(Sprecher: Prof. Dr. Michael Lübbert, Ph.D., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Ein Lysosom ist ein von einer Membran umschlossenes Zellorganell, das für die intrazelluläre Verdauung verantwortlich ist. Doch Lysosomen haben nicht nur diese Funktion, sondern sie sind zentrale Schaltstelle wichtiger zellulärer Signalwege. Die Forschergruppe „Mechanismen der Lysosomalen Homöostase“ will deshalb die Biogenese, den Abbau und die Funktionen von Lysosomen als Ganzes untersuchen. Zudem will sie herausfinden, wie lysosomale Fehlfunktionen zu Krankheiten führen und wie sie möglicherweise ausgeglichen werden können.
(Sprecher: Prof. Dr. Thomas Braulke, Universität Hamburg)

Die Forschergruppe „Inositolphosphate und Myo-Inositol beim Geflügel: Untersuchungen an den Schnittstellen von Genetik, Physiologie, Mikrobiom und Ernährung“ will die genetischen und physiologischen Einflussfaktoren auf die Phosphorverwertung von Geflügel besser verstehen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen dazu Inositolphosphate und Myo-Inositol. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der Verwertung des im Futter enthaltenen Phosphors. Die Forschergruppe arbeitet dazu mit Legehennen und Wachteln – in den Versuchen wird das Alter der Tiere, ihre genetische Herkunft sowie die Versorgung mit Calcium und Phosphor über das Futter variiert, um im Anschluss die Abbauprodukte im Verdauungstrakt zu untersuchen.
(Sprecher: Prof. Dr. Markus Rodehutscord, Universität Hohenheim)

Ein neuer Planet kann aus dem Staub und Gas einer protoplanetaren Scheibe, die einen jungen Stern umgibt, entstehen. Solche „Übergangsscheiben” sind deshalb besonders wichtige Zeugen des Entstehungsprozesses von Planeten und können für die Analyse der entscheidenden Mechanismen in dieser Phase genutzt werden. Die Forschergruppe „Übergangsscheiben: Zeugen der Planetenentstehung“ will die Planetenentstehung und die Rolle, die die Übergangsscheiben darin einnehmen, besser verstehen. Deshalb sollen Scheiben- und Planetenentwicklung simultan untersucht werden, um so einer Antwort auf die komplexe Frage nach der Entstehung von Planeten sowie auf die Frage nach dort möglichem Leben näherzukommen.
(Sprecherin: Prof. Dr. Barbara Ercolano, Ludwig-Maximilians-Universität München)

Die Forschergruppe „Kooperation und Konkurrenz in der Wissenschaft“ greift eine zentrale Fragestellung der Wissenschaftsgeschichte auf: In welchem Spannungsverhältnis stehen Konkurrenz und Kooperation in der Wissenschaft im Zeitraum der 1970er- bis 1990er-Jahre? Die Forschergruppe analysiert dazu die Interaktionsdynamiken, die entstehen, wenn wissenschaftliche Kooperationspartner von heute die potenziellen Konkurrenten von morgen sind. Auch die Rollenbilder und das Selbstverständnis wissenschaftlicher und wissenschaftspolitischer Akteure sollen in die Analyse einfließen.
(Sprecherin: Prof. Dr. Kärin Nickelsen, Ludwig-Maximilians-Universität München)

10 bis 15 Prozent aller Paare weltweit sind von Unfruchtbarkeit betroffen. Gleichzeitig ist bei 30 Prozent der infertilen Männer die Ursache hierfür unbekannt. Deshalb ist auch eine evidenzbasierte Therapie oft nicht möglich. Diesen Umstand will die Forschergruppe „Male Germ Cells: from Genes to Function“ verbessern und jene Gene, die männliche Infertilität bedingen, identifizieren und analysieren. Durch ein Zusammenspiel von grundlagenwissenschaftlichen Ansätzen und klinischen Studien wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Störungen der Spermienbildung und -funktion aufklären.
(Sprecher: Prof. Dr. Jörg Gromoll, Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +49 228 885-2109,
    presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Verbünde.

Zu den Forschergruppen und den Klinischen Forschergruppen der DFG:

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