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Pressemitteilung Nr. 35 | 22. Juli 2016
Geförderte im Emmy Noether-Programm sehen Nachwuchspakt und Wissenschaftszeitvertragsgesetz kritisch

Emmy Noether-Treffen 2016 in Potsdam mit gut 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern / Wissenschaftspolitischer Abend mit Politikbeteiligung

„Werden wir jemals Professor und wie soll das gehen?“ Diese Frage einer Geförderten beim wissenschaftspolitischen Abend des 15. Emmy Noether-Treffens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 15. Juli 2016 illustriert die Sorgen der Menschen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Die Adressaten waren die Grünen-Landespolitikerin Katharina Fegebank, Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin der Freien Hansestadt Hamburg, sowie die beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Simone Raatz (SPD, stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (BFT)) und Michael Kretschmer (CDU, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und stellvertretendes Mitglied des BFT). Zusammen mit DFG-Präsident Professor Dr. Peter Strohschneider und der Moderatorin Anna Lehmann von der tageszeitung – taz stellten sie sich in einer Fishbowl-Diskussion den Fragen der Geförderten.

Intensiv diskutierte die Runde in diesem Kontext das novellierte Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das aus Sicht der Geförderten deutlich weniger Flexibilität und Perspektiven ermöglicht als zuvor. Auch den zusammen mit der Exzellenzstrategie beschlossenen Nachwuchspakt, der 1000 neue Professuren mit der Option auf eine Dauerstelle zum Ziel hat, sehen sie skeptisch. DFG-Präsident Strohschneider ermunterte die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, an der Ausgestaltung des Programms mitzuwirken: „Es muss Chancengleichheit zwischen den Tenure-Track-Professuren und allen anderen vergleichbaren Förderprogrammen sichergestellt werden: und zwar sowohl beim Zugang zum Tenure Track als auch beim Zugang zu den anschließenden Dauerstellen. Nur dann kann der Nachwuchspakt ein Erfolg werden.“

Ein weiteres Thema der Diskussion waren der Brexit und seine Folgen für das europäische Wissenschaftssystem. Dabei überwog die Sorge um Europa als Ganzes die um konkrete bilaterale Projekte zwischen Deutschland und Großbritannien. Fegebank sah die „Fundamente des europäischen Hauses erschüttert, weil andere Länder nun auch über ‚privilegierte Partnerschaften‘ nachdenken“. Kretschmer benannte Wissenschaft und Kultur als Türöffner auch in schwierigen politischen Diskussionen und mahnte Offenheit in der Sprache an. Raatz nannte mit Blick auf den europäischen Austausch in der Wissenschaft Zahlen des DAAD: Zwar studierten 20 000 Deutsche in Großbritannien, aber nur rund 2000 Briten seien in Deutschland. Vor allem wünschte sie sich mehr deutsche Studierende, die nach Osteuropa gehen.

Zur Exzellenzstrategie, dem Wettbewerb des Bundes und der Länder um Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten, die der Exzellenzinitiative folgen wird, herrschte Einigkeit: Alle drei Vertreterinnen und Vertreter der Politik stimmten Strohschneider zu, der überzeugt ist, dass „die Exzellenzstrategie einen förderlichen Wettbewerb im Wissenschaftssystem ermöglicht.“

Diese Themen beschäftigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Laufe des Treffens vom 15. bis 17. Juli 2016 weiter. In Potsdam ging es aber auch um fachliche und organisatorische Fragen rund um die Leitung eine Nachwuchsgruppe. Das Emmy Noether-Programm fördert herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in ihrer Postdoc-Phase eine eigene Nachwuchsgruppe fünf Jahre lang leiten und sich damit für das Berufsziel einer Professur qualifizieren. Dass ihnen das in sehr hohem Maße und schnell gelingt, belegt eine aktuelle Studie der DFG, deren erste Ergebnisse im Rahmen des Emmy Noether-Treffens vorgestellt wurden.

Ein Highlight des Treffens war die Emmy Noether Lecture „Biotechnology for Insect Pest and Vector Control – Which Methods Do You Prefer to Protect our Food Chain and Medical Health?” von Professor Dr. Marc F. Schetelig. Der vor zwei Monaten an die Universität Gießen berufene und im Emmy Noether-Programm geförderte Schetelig schilderte, wie Biotechnologie helfen kann, Mücken- und Fliegenplagen zu bekämpfen. Denn diese übertragen Krankheiten wie Malaria, Denguefieber sowie Zika oder vernichten auch ganze Obsternten mit großem wirtschaftlichem Schaden.

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Zum ausführlichen Bericht zum Emmy Noether-Treffen 2016:

Weitere Informationen zum Emmy Noether-Programm:

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