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Pressemitteilung Nr. 18 | 23. Mai 2016
DFG fördert 18 neue Graduiertenkollegs

Themen reichen von Global Intellectual History über Technologien für Tropfeninteraktionen bis Kritische Infrastrukturen / 74 Millionen Euro Fördermittel für zunächst viereinhalb Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland 18 neue Graduiertenkollegs (GRK) ein, darunter zwei Internationale Graduiertenkollegs (IGK) mit Partnern in Italien und Süd-Korea. Dies wurde jetzt vom zuständigen Bewilligungsausschuss bei seiner Frühjahrssitzung in Bonn beschlossen. Die Einrichtungen werden zunächst viereinhalb Jahre lang gefördert und erhalten in dieser Zeit insgesamt etwa 74 Millionen Euro. Zusätzlich zu den 18 neuen Kollegs stimmte der Bewilligungsausschuss der Verlängerung von 14 Kollegs für weitere viereinhalb Jahre zu. Die Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Chance, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren.

Insgesamt fördert die DFG zurzeit 194 Graduiertenkollegs, darunter 40 IGK; die 18 neuen Kollegs werden im Laufe des Jahres 2016 ihre Arbeit aufnehmen.

Die neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen (in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen und unter Nennung der antragstellenden Hochschulen):

Das Graduiertenkolleg „Global Intellectual History – Transfers, Ideenzirkulation, Akteure (18.–20. Jahrhundert)“ fragt nach den intellektuellen Reaktionen auf Verflechtungsprozesse, der Entstehung grenzüberschreitender Ansprüche und der Universalisierung von Ideen, aber auch nach Gegenbewegungen. In diesem Zusammenhang findet insbesondere die Rolle nicht westlicher Akteure Beachtung. Nicht zuletzt will das Kolleg zur Methodendiskussion des in der Globalgeschichte noch jüngeren Ansatzes der Global Intellectual History beitragen.
(Sprecherhochschule: Freie Universität Berlin, Sprecher: Professor Dr. Sebastian Conrad; weitere antragstellende Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin)

Kollektive Identität(en) entstehen durch die behauptete Einheit von Staat, Geschichte, Volk, Kultur und Erbe. Das Graduiertenkolleg „Identität und Erbe“ betrachtet unterschiedliche Formen des Kulturerbes – wie Landschaften, Bau- und Kunstwerke – nicht mehr nur mit Blick auf ihre Materialität. Es erforscht sie auch aus soziologischer Sicht, das heißt als Ergebnis sozialer Zuschreibungen. Im Zentrum steht dabei die wechselseitige Beziehung von kulturellem Erbe und der Identität von Kulturen und Völkern.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Berlin, Sprecherin: Professor Dr. Gabi Dolff-Bonekämper; weitere antragstellende Hochschule: Bauhaus-Universität Weimar)

Die Welt ist voller unregelmäßiger Strukturen, beispielsweise bei Krebszellen oder Galaxien. Mit der Suche nach dem Regelmäßigen im Unregelmäßigen befasst sich das Internationale Graduiertenkolleg „Das Reguläre im Irregulären: Analysis von singulären und zufälligen Systemen“. Die Promovierenden in Deutschland und Südkorea erforschen Strukturen, um mit deren Hilfe singuläre und zufällige Systeme besser verstehen zu können. Beteiligte Disziplinen sind die mathematischen Teilgebiete der Analysis und Wahrscheinlichkeitstheorie sowie angrenzende Fachgebiete wie die mathematische Physik und die Geometrie.
(Sprecherhochschule: Universität Bielefeld, Sprecher: Professor Dr. Rolf Moritz Kassmann; Kooperationspartner: Seoul National University, Südkorea)

Im Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“ befassen sich Promovierende aus der Medien- und Filmwissenschaft, der Germanistischen Literaturwissenschaft, Komparatistik und Kunstgeschichte mit den medialen Formen des Dokumentarischen wie auch mit seinen medien-, literatur- und kunstgeschichtlichen Bedingungen. Die leitende These ihrer Arbeiten: Die spezifische Autorität des Dokumentarischen lässt sich beschreiben, indem man die Handlungen untersucht, die bild-, text- und tonmediale Elemente arrangieren, um so die Lesbarkeit, den Aussagewert und die Machtwirkungen des Dokumentierten zu steuern.
(Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum, Sprecher: Professor Dr. Friedrich Balke)

Proteine erfüllen in lebenden Zellen verschiedene Aufgaben. Dafür gehen sie spezifische, oft aber nur vorübergehende Protein-Protein-Interaktionen ein. Bekannt ist, dass sie sich zusammenlagern, um Strukturen höherer Ordnung zu bilden – das Wissen um die zugrunde liegenden molekularen Prinzipien ist jedoch sehr begrenzt. Das Graduiertenkolleg untersucht deshalb unterschiedliche Arten der „Assemblierung von Proteinkomplexen“. Zwei Typen von Modellproteinkomplexen stehen dabei im Mittelpunkt, wobei der eine beispielhaft für das „metabolic channelling“, also die zielgerichtete Weitergabe von Metaboliten, steht. Der andere ist bei der zellulären Energiegewinnung für den Elektronentransfer verantwortlich.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Braunschweig, Sprecher: Professor Dr. Ralf R. Mendel)

Ziel des Graduiertenkollegs „Quantum Mechanical Materials Modelling – QM³“ ist es, die grundlegenden elektronischen, optischen und chemischen Eigenschaften ausgewählter Materialien zu erklären und gleichzeitig materialrelevante Probleme im Zusammenhang von Informations-, Energie- und Umwelttechnologie zu lösen. Dafür bringt das Kolleg die wichtigsten Richtungen der quantenmechanischen Materialmodellierung aus der Physik, der Chemie und den Materialwissenschaften zusammen.
(Sprecherhochschule: Universität Bremen, Sprecher: Professor Dr. Thomas Frauenheim)

Die Mathematik kann selbst komplexeste Fragestellungen durch ihre Reduktion auf das Wesentliche handhabbar machen. So entwickelt sie zur Lösung von Problemen der Parameteridentifikation, die in allen Bereichen der Natur-, Lebens- und Ingenieurwissenschaften wie auch bei industriellen und wirtschaftlichen Anwendungen auftreten, hochdimensionale und nicht lineare Modelle. Im Graduiertenkolleg „Pi³: Parameter Identification – Analysis, Algorithms, Implementations“ konzentrieren sich Promovierende an der Schnittstelle von Angewandter Mathematik und Wissenschaftlichem Rechnen auf Fragen der Parameteridentifikation, die im Kern durch die Minimierung geeigneter Zielfunktionale modelliert werden.
(Sprecherhochschule: Universität Bremen, Sprecher: Professor Dr. Peter Maaß)

Die wachsende Komplexität der städtischen Infrastrukturen, aber auch externe Bedrohungen durch Naturkatastrophen oder Cyberattacken machen moderne (Stadt-)Gesellschaften verletzlich. Das Graduiertenkolleg „Kritische Infrastrukturen. Konstruktion, Funktionskrisen und Schutz in Städten“ geht davon aus, dass kritische Infrastrukturen in vielfältige räumliche und zeitliche Beziehungen eingebunden sind. Ziel ist es, diese komplexen Systeme in ihren Zusammenhängen zu erklären. Im Gegensatz zur traditionellen Infrastrukturforschung, die entlang einzelner Disziplinen organisiert war, forschen hier Geistes-, Sozial- und Ingenieurwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gemeinsam.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Darmstadt, Sprecher: Professor Dr. Jens Ivo Engels)

Sowohl Tumoren als auch mikrobielle Krankheitserreger können gegen medikamentöse Therapien resistent werden, was die Behandlung mit etablierten Medikamenten erschwert oder teilweise verhindert. Das Graduiertenkolleg „Naturstoffe und Analoga gegen therapieresistente Tumoren und Mikroorganismen: neue Leitstrukturen und Wirkmechanismen“ sucht deshalb nach neuen Wirkstoffen aus natürlichen Quellen, mit denen sich chemoresistente Tumoren und Infektionen wirksam bekämpfen lassen. Außerdem sollen die molekularen Resistenzmechanismen untersucht werden.
(Sprecherhochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Sprecher: Professor Dr. Peter Proksch)

Das Graduiertenkolleg „Doing Transitions: Formen der Gestaltung von Übergängen im Lebenslauf“ fragt nach den Veränderungen, die Menschen erfahren, wenn sie etwa in die Schule kommen, in den Beruf eintreten, eine Familie gründen, eine neue Partnerschaft eingehen oder in ein Seniorenheim ziehen. Im Fokus steht dabei das Wechselspiel zwischen Übergangsdiskursen, institutioneller und pädagogischer Gestaltung von Übergängen sowie individuellen Bewältigungs- und Bildungsprozessen von der Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter.
(Sprecherhochschule: Goethe-Universität Frankfurt/Main, Sprecher: Professor Dr. Andreas Walther; weitere antragstellende Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen)

In lebenden Zellen gibt es eine Vielzahl an Transportprozessen durch biologische Membranen. Im Graduiertenkolleg „Transport über und in Membranen“ untersuchen Promovierende mithilfe einer Vielzahl biochemischer und biophysikalischer Techniken den Transport von Ionen, Metaboliten und Proteinen über und in die Zellmembran. Der Vergleich der unterschiedlichen Transportmechanismen ermöglicht ein tieferes Verständnis der zugrunde liegenden Prinzipien.
(Sprecherhochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Sprecher: Professor Dr. Thorsten Friedrich)

In vielen Bereichen des Lebens bewegen sich autonome Systeme im direkten Umfeld der Menschen oder in direkter Interaktion mit ihnen, was ein großes Gefahrenpotenzial birgt. Diese Gefahr kann durch die Integrität und Kollaboration, also durch die Vernetzung und Kommunikation technischer Systeme untereinander, besser beherrscht werden. Das Graduiertenkolleg „Integrität und Kollaboration in dynamischen Sensornetzen“ entwickelt Konzepte zur Sicherstellung der Integrität gemeinsam agierender Systeme in dynamischen Sensornetzen.
(Sprecherhochschule: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Steffen Schön)

Mit dem Graduiertenkolleg „Asymptotische Invarianten und Limiten von Gruppen und Räumen“ entsteht die erste Einrichtung für eine systematische Doktorandenausbildung auf dem Gebiet der asymptotischen Geometrie in ihrer thematischen Breite. Diese erforscht makroskopische Eigenschaften von geometrischen Räumen. Das Forschungsprogramm umfasst drei Kerngebiete: asymptotische Invarianten, Deformationen und Limiten von geometrischen Räumen.
(Sprecherhochschule: Karlsruher Institut für Technologie, Sprecher: Professor Dr. Roman Sauer; weitere antragstellende Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Das Graduiertenkolleg „Membrane Plasticity in Tissue Development and Remodelling” untersucht die molekularen Signale und Mechanismen, die die Struktur und Funktion der Zellmembran während der Entwicklung unter anderem des Gehirns, der Niere und der Muskeln sowie bei der neuronalen Migration beeinflussen. Die Promovierenden erwerben dabei Wissen in den Bereichen der Embryonalentwicklung sowie der Gewebeentwicklung und -reparatur, die auch im Zusammenhang mit komplexen Krankheitsbildern stehen.
(Sprecherhochschule: Philipps-Universität Marburg, Sprecherin: Professor Dr. Annette Borchers)

Wir nehmen die Welt nicht wahr, wie sie ist, sondern gefiltert und verändert entsprechend unserer Erwartungen und Handlungsintentionen. Viele Aspekte der Funktion und Mechanismen dieser Kontextveränderungen sind unverstanden, sowohl auf der Wahrnehmungsebene als auch auf der Ebene neuronaler Aktivitäten. Um die komplexen zugrunde liegenden Prinzipien weiter zu erforschen, arbeiten im Graduiertenkolleg „Kontextabhängige Wahrnehmung und deren neurale Grundlagen“ verschiedene Fachdisziplinen zusammen, von der Neurobiologie über die Psychologie und Medizin bis hin zur Computational Neuroscience.
(Sprecherhochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München, Sprecher: Professor Dr. Christian Leibold)

Psychische Erkrankungen, wie Angsterkrankungen und Depressionen, sind aus neurobiologischer Sicht äußerst komplex. Die Forschung hat sich daher längere Zeit auf begrenzte Teilaspekte konzentrieren müssen. Für die im Projekt arbeitenden (Nachwuchs-)Forscherinnen und Forscher birgt dies das Risiko, dass ihnen ein projektübergreifender und translationaler Blick verloren geht. Im Graduiertenkolleg „Neurobiology of Emotion Dysfunctions“ untersuchen die Doktorandinnen und Doktoranden ausgewählte neurobiologische Aspekte von gesundem und pathologischem Emotionalverhalten auf molekularer, zellulärer, (epi-)genetischer und neuroendokriner Ebene. Zugleich ordnen sie die Ergebnisse systematisch ein, beispielsweise im physiologischen, verhaltensbiologischen und klinischen Kontext.
(Sprecherhochschule: Universität Regensburg, Sprecherin: Professor Dr. Inga D. Neumann)

Ein deutsch-italienisches Internationales Graduiertenkolleg befasst sich mit „Technologien für Tropfeninteraktionen“, die in verschiedenen industriellen Prozessen angewendet werden, unter anderem bei Prozessen mit Sprühkühlung in der Nahrungsmittelindustrie und in der chemischen Industrie. Im Fokus der Forschungsarbeit stehen die Detailprozesse an der Phasengrenze und eine Analyse der Oberflächenmikrostruktur. Dies ist die Voraussetzung, um geeignete Berechnungsansätze zu entwickeln und technologische Neuerungen zu erreichen.
(Sprecherhochschule: Universität Stuttgart, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Bernhard Weigand; Kooperationspartner: Università degli Studi di Bergamo und Università degli Studi di Trento, beide Italien)

Das Graduiertenkolleg „Mikro- und nanoskalige Sensorik für die Lunge“ widmet sich sensorischen Methoden, um die Funktion der Lungenepithelien, also der die Lunge umfassende Zellschicht, unter physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen darzustellen. Hierzu sollen neuartige Messsysteme für Einzelzellen, differenzierte Epithelien sowie für das gesamte Organ entwickelt werden. Ziel ist es, auf medizinischer Seite elementare Erkenntnisse zur Lungenfunktion unter physiologischen und pathophysiologischen Bedingungen zu gewinnen. Auf ingenieur- und naturwissenschaftlicher Seite sollen neue Methoden für integrierte sensorische und analytische Systeme entwickelt werden.
(Sprecherhochschule: Universität Ulm, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Maurits Ortmanns)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Graduiertenkollegs.

Fachlicher Ansprechpartner in der Geschäftsstelle:

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und den geförderten Graduiertenkollegs finden sich unter:

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