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Pressemitteilung Nr. 8 | 18. März 2016
Vier neue Forschergruppen eingerichtet

Themenspektrum von Paläoarchäologie bis zu Risikowahrnehmungen / Insgesamt sieben Millionen Euro für erste Förderperiode

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet vier neue Forschergruppen ein. Dies beschloss der Senat der DFG jetzt in Bonn. Die Forschungsverbünde ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Die maximale Förderdauer von Forschergruppen beträgt zweimal drei Jahre. In der ersten Förderperiode erhalten die vier neuen Einrichtungen insgesamt rund sieben Millionen Euro. Im Ganzen fördert die DFG aktuell 197 Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Der Blick auf die Erdgeschichte zeigt: Wenn die Temperatur steigt, sterben zuallererst die größten Vertreter einer Tiergruppe aus, während die kleineren überleben. Dieser sogenannte „Lilliput-Effekt“ ist nur ein Beispiel dafür, wie paläobiologisches Wissen helfen kann, die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs besser vorherzusagen. Die neue Forschergruppe „Temperature-Related Stresses as a Unifying Principle in Ancient Extinctions (TERSANE)” widmet sich den klimaindizierten Aussterbe-Ereignissen an der Perm/Trias-Grenze und im frühen Jura. Durch welche Stressfaktoren kam es zu massiven ökologischen Veränderungen, die zu Massensterben führten? In den interdisziplinär angelegten Projekten werden geochemische Studien mit paläobiologischen Analysen und physiologischen Experimenten kombiniert, um neue Erkenntnisse zu Effekten von Erderwärmung ans Licht zu bringen.
(Sprecher: Prof. Dr. Wolfgang Kießling, Sprecherhochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)

Warum neigen Menschen manchmal zu riskanten Verhaltensweisen, obwohl sie die damit verbundenen Gefahren für die Gesundheit kennen? In der psychologischen Forschergruppe „The Dynamics of Risk – Perception and Behavior in the Context of Mental and Physical Health (RISKDYNAMICS)” soll untersucht werden, welche Rolle die individuelle Wahrnehmung von Risiko für präventives Verhalten spielt. Dies habe eine besondere Bedeutung für jene Gesellschaften, in denen Individuen sich eigenverantwortlich mit gesundheitlichen Risiken auseinanderzusetzen haben, so die Annahme. Die Forschergruppe analysiert die Stabilität und Dynamik solcher Risikowahrnehmungen über die Zeit hinweg, indem Prozesse vor, während und nach einem Risikoereignis untersucht werden. Sie nimmt dabei auch die Risikokommunikation in Gruppen und sozialen Netzwerken in den Blick.
(Sprecherin: Prof. Dr. Britta Renner, Sprecherhochschule: Universität Konstanz)

„The Mountain Exile Hypothesis: How Humans Benefited from and Re-shaped African High Altitude Ecosystems During Quaternary Climate Changes” ist der Titel einer neuen Forschergruppe, die sich mit den Bale Mountains in Äthiopien beschäftigen wird: Wie viel menschlicher Einfluss auf das Ökosystem im afroalpinen Hochgebirge lässt sich ausmachen? Haben sich Menschen schon vor vielen Tausend Jahren – entgegen der allgemeinen Annahme – in die Höhe geflüchtet, und welche Indikatoren gibt es dafür? Mit einem multidisziplinären Ansatz geografischer, geochemischer, archäologischer, ökologischer und biologischer Methoden möchte der Forschungsverbund die natürliche Geschichte des Ökosystems Bale Mountains rekonstruieren und anthropogene Prozesse identifizieren, die die Evolution des Ökosystems mit geformt haben. (Sprecher: Prof. Dr. Georg Miehe, Sprecherhochschule: Philipps-Universität Marburg)

Ob sich das aus der modernen Psychologie stammende Konzept der „Resilienz“, also der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisenmomenten, auch für die Untersuchung vormoderner historischer Konstellationen als brauch- und fruchtbar erweist, möchte die Forschergruppe „Resilienz – Gesellschaftliche Umbruchphasen im Dialog zwischen Mediävistik und Soziologie“ herausfinden. Dazu werden disruptive Ereignisse im Italien des 13. Jahrhunderts, so zum Beispiel Missernten, Pest, Kriege und Verfolgungen, sozialkonstruktivistisch gedeutet und unter der Leitfrage nach ihren Ursachen, ihren soziopolitischen, sozioökonomischen und soziokulturellen Ressourcen sowie nach ihren Folgen betrachtet. Auf diese Weise soll eine historisch-empirische Typologie von Resilienzprozessen und -strategien entstehen.
(Sprecher: Prof. Dr. Lukas Clemens, Sprecherhochschule: Universität Trier)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +49 228 885-2443,
    presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu Forschergruppen siehe:

Zusatzinformationen

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