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Pressemitteilung Nr. 44 | 7. September 2015
von Kaven-Ehrenpreis 2015 an Tobias Oertel-Jäger

Mathematiker für die Untersuchung topologischer, geometrischer und probabilistischer Aspekte in dynamischen Systemen ausgezeichnet

Der von Kaven-Ehrenpreis 2015 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geht an Dr. Tobias Henrik Oertel-Jäger. Der Mathematiker hat im Anschluss an die Leitung einer DFG-geförderte Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Technischen Universität Dresden im Juli die Heisenberg-Professur „Ergodentheorie und dynamische Systeme“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena angetreten. Der mit 10 000 Euro dotierte von Kaven-Preis wird am 21. September 2015 im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung auf der Jahrestagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) in Hamburg zum zehnten Mal verliehen.

Das Forschungsgebiet von Tobias Oertel-Jäger, dynamische Systeme, reicht von theoretischen Arbeiten bis hin zu Anwendungen in der Biologie und Physik. Als dynamisches System bezeichnet die Mathematik eine bestimmte Klasse von Modellen zeitabhängiger Vorgänge, deren gemeinsame Behandlung sehr grundlegende Fragen aufwirft – die aber gleichzeitig zur Beschreibung vieler Prozesse in Natur und Technik von Bedeutung sind. Die Grundlagenarbeiten von Tobias Oertel-Jäger liegen in einer Disziplin, die als Ergodentheorie bezeichnet wird und die international hohe Beachtung findet, wie die Vergabe des „Mathematik-Nobelpreises“, der Fields-Medaille 2014 an Maryam Mirzakhani, für Arbeiten auf diesem Gebiet illustriert. Dieser Umstand und die bisherigen Leistungen von Oertel-Jäger haben nicht nur die Preis-Jury überzeugt, sondern zuvor auch die Gutachterinnen und Gutachter sowie die Universität Jena, dass eine entsprechende Heisenberg-Professur ein Gewinn für die mathematische Forschung dort ist. Eine Heisenberg-Professur setzt über die fachliche Qualifikation des Antragstellenden hinaus ein Strukturkonzept und die feste Zusage seitens der Universität voraus, bei positiver Evaluation nach Ende der Förderdauer die Professur zu verstetigen.

Vor Antritt der Heisenberg-Professur leitete Oertel-Jäger seit 2009 in Dresden die Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Low-dimensional and Non-autonomous Dynamics“. Darin beschäftigte er sich mit topologischen, geometrischen und wahrscheinlichkeitstheoretischen Aspekten dynamischer Prozesse und betrachtete unter anderem die Rotationstheorie von Oberflächen, Attraktoren und deren Eigenschaften, Quasikristalle oder die Anwendung in biologischen und physikalischen Systemen. In diesem Rahmen übernahm er 2012 für ein Quartal die Vertretung einer Professur für Biomathematik an der Universität Erlangen-Nürnberg und war 2014 für einen Monat Fellow am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn.

Oertel-Jäger, dem die Gutachten eine hohe Produktivität und eine gute, auch internationale Vernetzung attestieren, begann seine Karriere jedoch nicht mit einem Studium der Mathematik, sondern entschied sich zunächst für die Biologie. Nach dem Vordiplom wechselte er in die Mathematik, war mehrfach im Ausland und promovierte 2005 an seinem Studienort Erlangen-Nürnberg. Anschließend forschte er zunächst mit einer Förderung im europäischen Marie Curie-Programm drei Monate lang in Surrey, Großbritannien, und während seiner Postdoc-Zeit mit einem DFG-Forschungsstipendium von 2006 bis 2009 am Collège de France in Paris.

Den Rahmen für die Verleihung des von Kaven-Ehrenpreises gibt wie schon 2012 auch in diesem Jahr die Jahrestagung der DMV. Die Tagung bietet Mathematikerinnen und Mathematikern mit vielen Formaten Gelegenheit zum fachlichen Austausch, wendet sich aber auch an die Öffentlichkeit. Nach der Verleihung des von Kaven-Ehrenpreises am 21. September erläutert ein Vortrag am Folgetag unter anderem die Fördermöglichkeiten der DFG in der Mathematik.

Der von Kaven-Ehrenpreis wird in der Regel Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus der Mathematik im Heisenberg-Programm als besondere Auszeichnung zuerkannt. Die Auswahlentscheidung trifft das Fachkollegium Mathematik der DFG. Das Preisgeld stammt aus der gleichnamigen Stiftung, die der Mathematiker Herbert von Kaven 2004 zusammen mit der DFG gründete. Der aus Detmold stammende von Kaven verstarb 2009 mit 101 Jahren. Er interessierte sich bis ins hohe Alter vor allem für die Grundlagen der Mathematik und setzte sich zeitlebens für deren Förderung ein.

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:

Weitere Informationen zum von Kaven-Preis 2015 unter:

Weitere Informationen zum Heisenberg-Programm der DFG im Internet unter:

Weitere Informationen zur Jahrestagung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung unter:

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