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Pressemitteilung Nr. 21 | 11. Mai 2015
DFG richtet 17 neue Graduiertenkollegs ein

Strukturierte Doktorandenausbildung zu Themen wie Soziale Medien, Biodiversität oder Detektortechnologie / 74 Millionen Euro für viereinhalb Jahre / Beteiligung von FH-Wissenschaftlern

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland 17 neue Graduiertenkollegs (GRK) ein, darunter ein Internationales Graduiertenkolleg (IGK) mit Partnern in Argentinien. Dies beschloss jetzt der zuständige Bewilligungsausschuss auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn. Die Einrichtungen werden zunächst viereinhalb Jahre lang gefördert und erhalten in dieser Zeit insgesamt etwa 74 Millionen Euro. Zusätzlich zu den 17 neuen Kollegs stimmte der Bewilligungsausschuss der Verlängerung von acht Kollegs für weitere viereinhalb Jahre zu.

Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren. In Internationalen Graduiertenkollegs findet die Doktorandenausbildung in einer Gruppe an einer deutschen Hochschule und einer Partnergruppe im Ausland statt.

Insgesamt fördert die DFG zurzeit 198 GRK, darunter 41 IGK; die 17 neuen Kollegs werden überwiegend zum 1. Oktober 2015 ihre Arbeit aufnehmen.

Neben den Einrichtungen und Verlängerungen für die einzelnen GRK bewilligte der Ausschuss fünf Anträge für „Vorbereitungsmaßnahmen zur Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Fachhochschulen an Graduiertenkollegs“ sowie einen Antrag zur Einbindung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Fachhochschulen in bestehende Graduiertenkollegs. Beide Maßnahmen waren im Sommer vergangenen Jahres vom DFG-Senat als neue Fördermöglichkeiten zur Unterstützung von Fachhochschul-Wissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern bei der Beteiligung am Programm Graduiertenkollegs beschlossen worden.

Die Graduiertenkollegs im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Das Graduiertenkolleg „Phänomene hoher Dimensionen in der Stochastik – Fluktuationen und Diskontinuität“ bringt die stochastische Analysis und mathematische Statistik zusammen, um zufällige Strukturen in hohen Dimensionen zu untersuchen. Dabei liegen die Schwerpunkte einerseits auf „Fluktuationen“, beschrieben durch universelle Grenzwertsätze, sowie andererseits auf „Diskontinuität“, sichtbar als Übergangsphänomene zwischen Phasen. Die zu untersuchenden Objekte und Fragestellungen haben ihren Ursprung oft in der Physik und werden verbunden durch gemeinsame Methoden wie der stochastischen Geometrie oder der Malliavin-Stein-Methode.
(Sprecherhochschule: Ruhr-Universität Bochum, Sprecher: Professor Dr. Peter Eichelsbacher)

Überall auf der Welt stellt Wassermangel eine Gefahr für die Produktivität von Kulturpflanzen dar. Wie Wasser von den Pflanzen effizient genutzt wird und wie Pflanzen mit Trockenheitsstress umgehen, sind entscheidende Fragen, denen das Graduiertenkolleg „Wassernutzungseffizienz und Trockenstressreaktionen: Von Arabidopsis zu Gerste“ nachgeht. Anhand der Modellpflanze Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand) und der Gerste als Kulturart wird untersucht, wie Trockenstress auf die Regulation des Primärstoffwechsels wirkt und welche molekularen Mechanismen zur pflanzlichen Trockenheitstoleranz beitragen. Ziel ist es, genetische und biochemische Schlüsselfaktoren zu finden, die für die Züchtung trockentoleranter Gerste von Bedeutung sind.
Sprecherhochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sprecherin: Professor Dr. Dorothea Bartels)

Im Laufe der Nutzungsdauer verringern sich durch Last- und Umwelteinwirkungen die Qualität von Baustoffen und damit der Zustand von Bauwerken. Dies wirkt sich auf die Trag- und Gebrauchssicherheit der Bauwerke aus und führt langfristig zu kostenintensiven Erneuerungsmaßnahmen. Das Graduiertenkolleg „Modelle für die Beschreibung der Zustandsänderung bei Alterung von Baustoffen und Tragwerken“ untersucht im Bereich des konstruktiven Ingenieurbaus baustoffübergreifend die chemischen und physikalischen Einflussfaktoren auf den Alterungsprozess. Prognosemodelle bilden das Zusammenspiel dieser Prozesse ab und ermöglichen eine integrale Aussage über die langfristige Qualität eines Bauwerks.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Braunschweig, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Dieter Dinkler)

„Privatheit und Vertrauen für mobile Nutzer“ ist Titel und Forschungsgegenstand eines Graduiertenkollegs, das neue Lösungen für den Privatsphärenschutz bei der mobilen Internetnutzung entwickeln möchte. Ausgehend von der Beobachtung, dass immer mehr sensible Nutzungsdaten erhoben werden und der Schutz der eigenen Privatsphäre für Laien immer schwieriger durchzusetzen ist, arbeiten Informatik, Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Soziologie in interdisziplinären Promotionsthemen an der Vision eines neuartigen persönlichen Mobilgeräts. Dieses soll seine Nutzer in der IT-Welt vertreten, Privatheit und Vertrauensbewertung regeln und zwischen den Interessen von Anwendern und Anbietern vermitteln.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Darmstadt, Sprecher: Professor Dr. Max Mühlhäuser)

Im Graduiertenkolleg „Nutzerzentrierte Soziale Medien“ wollen Forscherinnen und Forscher aus der Informatik und der Psychologie gemeinsam untersuchen, wie soziale Medien genutzt werden – einerseits auf der individuellen und kollektiven Ebene („User“ beziehungsweise „Crowd“), andererseits auf Ebene des benutzerorientierten Softwaredesigns („System“). Dieser Ansatz der methodisch jungen Computational Social Sciences zielt darauf ab, Nutzerinnen und Nutzer Sozialer Medien dabei zu unterstützen, sich die gegebenen Systeme für ihre Zwecke anzueignen, sie zu kontrollieren und ihren Bedürfnissen anzupassen.
(Sprecherhochschule: Universität Duisburg-Essen, Sprecher: Professor Dr. Norbert Fuhr)

Lange ging die biomedizinische Forschung davon aus, dass bestimmte Fettstoffe, sogenannte Sphingolipide, hauptsächlich strukturelle Bestandteile der Zellmembran sind – inzwischen ist klar, dass sie bei einer Vielzahl biologischer Prozesse eine wichtige Rolle spielen. Auf der gezielten Manipulation der Sphingolipide beruhen neue Therapieansätze, die derzeit bei Multipler Sklerose, malignen Tumoren oder neurodegenerativen Erkrankungen erprobt werden. Das Graduiertenkolleg „Biomedizin des saure Sphingomyelinase-/saure Ceramidase-Systems“ analysiert grundlegend ihre Rolle und Funktion bei entzündlichen, kardiovaskulären und Tumor-Erkrankungen. Im zweiten Schritt ist die Umsetzung neuer Erkenntnisse in präklinischen und klinischen Studien geplant.
(Sprecherhochschule: Universität Duisburg-Essen, Sprecher: Professor Dr. Erich Gulbins)

Das Graduiertenkolleg „Verstehen von Sozialbeziehungen“ möchte die Prinzipien der Entwicklung, Erhaltung und Funktion sozialer Beziehungen identifizieren. Verschiedene Facetten des sozialen Gruppenlebens von Menschen lassen sich auch bei unseren nächsten lebenden Verwandten, den nicht menschlichen Primaten, finden und scheinen daher ursprüngliche Merkmale innerhalb der Ordnung der Primaten zu sein. Im Kolleg werden entwicklungs-, kognitions-, persönlichkeits- und sozialpsychologische Perspektiven mit verhaltensbiologischen und evolutionären Ansätzen sowie linguistischen Fragestellungen kombiniert.
(Sprecherhochschule: Georg-August-Universität Göttingen, Sprecherin: Professor Dr. Julia Fischer)

Die effiziente Gewinnung wesentlicher Information aus komplexen Daten ist mittlerweile eine der wichtigsten Herausforderungen in den angewandten Wissenschaften. Das Graduiertenkolleg „Strukturerkennung in komplexen Daten: Zusammenspiel von Statistik, Optimierung und inversen Problemen“ konzentriert sich auf neue mathematische Konzepte zur effizienten Rekonstruktion und Klassifikation relevanter Strukturen in Daten, ohne dabei die Informationen in Gänze rekonstruieren zu müssen. Viele der Promotionsprojekte haben einen direkten Anwendungsbezug in der Signal- und Bildverarbeitung in den Lebens- oder den Ingenieurwissenschaften.
(Sprecherhochschule: Georg-August-Universität Göttingen, Sprecherin: Professor Dr. Gerlind Plonka-Hoch)

Wie wertfrei ist eine wissenschaftliche Aussage, kann Forschen objektiv sein und was kennzeichnet eine gute wissenschaftliche Praxis? Fragen wie diese erfordern eine enge Rückkoppelung wissenschaftlichen Arbeitens an das ethische Verständnis von Wissenschaft. Das Graduiertenkolleg „Die Integration von theoretischer und praktischer Wissenschaftsphilosophie“ untersucht neue Verknüpfungen dieser Art und nimmt in den Blick, wie sich die zunächst geistige Dimension der Wissenschaften – ausgedrückt in Modellen, Theorien und Hypothesen – mit der materiellen Dimension – etwa bestimmter Apparaturen und Objekte oder Praktiken – verbindet.
(Sprecherhochschule: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Sprecher: Professor Dr. Torsten Wilholt)

Expertise aus verschiedenen Bereichen der experimentellen Physik bringt das Graduiertenkolleg „Hochauflösende und hochratenfähige Detektoren (HighRR)“ zusammen, um die in der Teilchenphysik so essenzielle Detektortechnologie weiterzuentwickeln. Detektoren sind ultrasensibel und mit ihrer Hilfe sind Forscherinnen und Forscher in der Lage, kleinste Teilchen wie das Higgs-Boson oder künftig solche der Dunklen Materie nachzuweisen. Im Graduiertenkolleg sollen neuartige integrale Konzepte untersucht und entwickelt werden, die beim Bau von Detektoren eine exzellente Auflösung mit hoher Ratenfestigkeit verbinden.
(Sprecherhochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Sprecher: Professor Dr. Hans-Christian Schultz-Coulon)

„Romantik“ bezeichnet nicht nur eine literarisch-künstlerische Epoche, sondern wirkt in Form von romantischen Ideen und Praktiken bis in die Gegenwart hinein. Das Graduiertenkolleg „Modell ‚Romantik‘. Variation – Reichweite – Aktualität“ erforscht Romantik jenseits der Historie als ein Modell, das für moderne Formen der Weltdeutung, der Selbstreflexion, der ästhetischen Gestaltung und der Lebensvollzüge herangezogen werden kann. So werden im Kolleg die Rezeption und Vorbildwirkung der Romantik in verschiedenen fachlichen und zeitlichen Kontexten untersucht.
(Sprecherhochschule: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Sprecher: Professor Dr. Stefan Matuschek)

Theoretische und experimentelle Kern-, Teilchen- und Astroteilchenphysikerinnen und -physiker arbeiten im Graduiertenkolleg „Starke und schwache Wechselwirkung – von Hadronen zu Dunkler Materie“ zusammen. Im Bereich der starken Wechselwirkung geht es um Themen hoher Komplexität wie Präzisionsmessungen und -vorhersagen in notorisch schwierigen Bereichen, zum Beispiel Partonverteilungen in dichter Kernmaterie oder Eigenschaften von Mesonen-Spektren. Kombiniert wird dies mit theoretischen Vorhersagen und experimentellen Untersuchungen von Szenarien jenseits des Standardmodells der Teilchenphysik, die sich insbesondere auf Fragen zur Dunklen Materie beziehen.
(Sprecherhochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Sprecher: Professor Dr. Christian Weinheimer)

Naturgefahren sind nicht statisch, denn ihre Intensität und Häufigkeit wandeln sich – ebenso wie die Randbedingungen von Gesellschaft und Umwelt. Dabei hängt die gesellschaftliche Verwundbarkeit gegenüber Naturereignissen von einem gezielten Risikomanagement ab. Das Graduiertenkolleg „Naturgefahren und Risiken in einer Welt im Wandel (NatRiskChange)“ arbeitet auf die Entwicklung von Methoden zur verbesserten Analyse und Quantifizierung des Risikos hin. Der Themenkomplex aus Hydrologie, Geophysik, Meteorologie und Mathematik legt einen Schwerpunkt auf die Analyse, Bewertung und Modellierung von Unsicherheiten, um die komplexe Struktur natürlicher Gefahren besser zu verstehen.
(Sprecherhochschule: Universität Potsdam, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Axel Bronstert)

Das Graduiertenkolleg „Verknüpfung von Biodiversitätsforschung und Bewegungsökologie in dynamischen Agrarlandschaften (BioMove)“ bringt zwei bisher getrennt verfolgte Forschungsansätze zusammen, um die Bedeutung der Bewegungsökologie für die Biodiversität von Lebensräumen zu identifizieren. In welcher Weise beeinflussen individuelle Bewegungsmuster Dynamiken der Biodiversität? Eine Reihe von Feldstudien, Experimenten und Modellierungsansätzen soll ein mechanistisches Verständnis von individuellen Bewegungsmustern schaffen, damit bessere Vorhersagen in der Biodiversität höherer Organisationsstufen wie Agrarlandschaften gelingen.
(Sprecherhochschule: Universität Potsdam, Sprecher: Professor Dr. Florian Jeltsch)

Geowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus der Strukturgeologie, Sedimentologie, Mineralogie/Petrologie und Lagerstättenkunde kooperieren im Internationalen Graduiertenkolleg „Erdoberflächenprozesse, Tektonik und Lagerstätten: Das andine Vorlandbecken von Argentinien“ mit argentinischen Partnern, um klimatische, tektonische und sedimentologische Veränderungen im Vorlandbecken der längsten Gebirgskette der Welt zu analysieren. Hierbei geht das Kolleg beispielsweise Fragen der Bildung von Kohlenwasserstoffen und metallischen Rohstoffen auf unterschiedlichen Zeitskalen nach.
(Sprecherhochschule: Universität Potsdam, Sprecher: Professor Dr. Manfred R. Strecker)

Dort, wo Land und Meer ineinander übergehen, findet ein wechselseitiger Austausch von Nährstoffen statt, der auf einem reichen Spektrum physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse beruht. Zu verstehen, wie das System Küste als terrestrisch-mariner Übergangsbereich funktioniert, ist auch für künftige Nutzungsstrategien entscheidend, denn Küstenbereiche sind stark vom Menschen gestaltet. Das Graduiertenkolleg „Die deutsche Ostseeküste als terrestrisch-marine Schnittstelle für Wasser- und Stoffflüsse (Baltic Transcoast)“ untersucht am Modellsystem des Hütelmoors (bei Rostock), wie Wasser und Stoffe im strandnahen Küstenmoor und im angrenzenden Flachwasser der Ostsee umgesetzt werden.
(Sprecherhochschule: Universität Rostock, Sprecher: Professor Dr. Bernd Lennartz)

Biradikale sind besonders reaktionsfreudige Moleküle mit zwei ungepaarten Elektronen. Sie spielen unter anderem in Verbrennungsprozessen, in der Atmosphäre oder in interstellaren Wolken eine wichtige Rolle. Die Dynamik von Biradikalen zu verstehen und zu beschreiben, ist das Ziel des Graduiertenkollegs „Molekulare Biradikale: Struktur, Eigenschaften und Reaktivität“. Durch laserspektroskopische Techniken, Elektronenspinresonanz und Spektroelektrochemie werden die Beziehung zwischen der Molekülstruktur und den Eigenschaften, Zuständen und chemischen Reaktionen von Biradikalen analysiert.
(Sprecherhochschule: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Sprecher: Professor Dr. Ingo Fischer)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +49 228 885-2443,
    presse@dfg.de

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Graduiertenkollegs.

Fachlicher Ansprechpartner in der Geschäftsstelle:

  • Dr. Armin Krawisch,
    Leiter der Gruppe Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen, Nachwuchsförderung,
    Tel. +49 228 885-2424,
    armin.krawisch@dfg.de

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und den geförderten Graduiertenkollegs finden sich unter:

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