Zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite Deutsche Forschungsgemeinschaft

Pressemitteilung Nr. 12 | 23. März 2015
Eine Klinische Forschergruppe und fünf Forschergruppen bewilligt

Neue Verbünde thematisieren Schwangerschaftskomplikationen, Teilchenphysik, Nanopartikel, Implantate und Verkehrsplanung / Rund 13 Millionen Euro für zunächst drei Jahre

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn eine neue Klinische Forschergruppe sowie fünf neue Forschergruppen eingerichtet. Die Forschungsverbünde befassen sich mit einem breiten Themenspektrum, das von Komplikationen in der Schwangerschaft über grundlegende Probleme der Teilchenphysik, komplexe Nanopartikel bis hin zu sogenannten gradierten Implantaten und Fragen der integrierten Verkehrsplanung reicht. Die Verbünde werden zunächst drei Jahre lang gefördert und erhalten in diesem Zeitraum insgesamt rund 13 Millionen Euro. Damit finanziert die DFG nun insgesamt 174 Forschergruppen und 18 Klinische Forschergruppen.

Mit Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen unterstützt die DFG Arbeitsbündnisse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich gemeinsam einer Forschungsaufgabe widmen. Auf diese Weise sollen Ergebnisse ermöglicht werden, die sich im Rahmen einer Einzelförderung in der Regel nicht realisieren lassen.

Klinische Forschergruppen sind dabei auf die krankheits- oder patientenorientierte klinische Forschung ausgerichtet. Durch die enge Zusammenarbeit von Grundlagenforschern und Ärzten sollen hier wissenschaftliche Arbeitsgruppen dauerhaft in klinischen Einrichtungen implementiert werden. Forschergruppen stellen für eine mittelfristig angelegte, enge Kooperation die notwendige personelle und materielle Ausstattung bereit. Dabei bietet das Förderprogramm flexible Entfaltungsmöglichkeiten etwa für Nachwuchsgruppen, für die Kooperation mit außeruniversitären Partnern oder mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Ausland.

Die Einrichtungen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

„Dunkle Materie“ steht für das Unverstandene im Universum. Ein Großteil von dessen Masse kann nicht mit den uns bekannten Teilchen erklärt werden. Allerdings sind andere, noch unbekannte Teilchen in der Theorie vorstellbar. Diese würden zum Verständnis beitragen, doch bisher konnten sie nicht nachgewiesen werden. Die Forschergruppe „New Physics at the Large Hadron Collider (LHC)“ will die neuen, weitreichenden Möglichkeiten des LHC am CERN in Genf nutzen, um Modellvorstellungen zur dunklen Materie anhand der dort gesammelten Messdaten zu überprüfen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten an einer Schnittstelle zwischen neuen Daten und theoretischen Modellen, um nach der Entdeckung des Higgs-Boson-Teilchens die Existenz weiterer Elementarteilchen zu klären und die dunkle Materie weiter auszuleuchten.
(Sprecher: Professor Dr. Michael Krämer, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen)

Neue Eigenschaften für Materialien: Bei der Produktion innovativer Stoffe kommen immer häufiger Nanopartikel zum Einsatz. Die kleinsten Atomverbünde lassen sich zwar synthetisch in Gasphasenreaktoren herstellen, doch geschieht dies mitunter unkontrolliert und ohne dass die gewünschten Ergebnisse erzielt werden. Die Forschergruppe „Modellbasierte skalierbare Gasphasensynthese komplexer Nanopartikel“ möchte nun systematische Designregeln entwickeln, mit denen die hoch spezifische Synthese sicher gelingt. Aus der Kenntnis möglicher Ausgangssubstanzen und unter Kontrolle interagierender Partikel sollen zunächst isolierte Nanopartikel entstehen. Sie können in einem zweiten Schritt zu komplexeren Strukturen zusammengefügt werden, die wichtige Eigenschaften für die jeweiligen Anwendungsgebiete haben – etwa in der Elektrokatalyse, bei Batteriespeichern oder in der medizinischen Diagnostik.
(Sprecher: Professor Dr. Christof Schulz, Universität Duisburg‐Essen)

Ob im öffentlichen Verkehr alles „nach Plan“ läuft? In der Planungspraxis der Verkehrsbetriebe werden verschiedene Pläne aufeinander abgestimmt: der Liniennetzplan, der Fahrplan, der Fahrzeugumlaufplan und der Dienstplan der Fahrerinnen und Fahrer. Die Forschergruppe „Integrierte Planung im öffentlichen Verkehr“ sieht hierbei erheblichen Optimierungsbedarf. So entstehen die Einzelpläne bisher sequenziell und werden durch sehr unterschiedliche Modelle repräsentiert. Gibt es etwa einen Fahrerausfall, kann ein Fahrplan darauf nicht flexibel reagieren. Mit mathematischen Verfahren sollen die Pläne nun gemeinsam optimiert werden. Dies erfordert ein interdisziplinäres Verständnis der Funktionsweisen von Verkehrssystemen, der Modellierung von Verkehrsangebot und -nachfrage und der Konstruktion effizienter Optimierungsalgorithmen. Die erarbeitete Lösung soll dann gegenüber tagesaktuellen Störungen deutlich robuster sein.
(Sprecherin: Professorin Dr. Anita Schöbel, Georg-August-Universität Göttingen)

Damit ein Fötus im Mutterleib nicht abgestoßen wird, muss er mit dem Immunsystem der Schwangeren kommunizieren. Nur so kann die werdende Mutter ihr Immunsystem den Antigenen des Fötus anpassen. Die Klinische Forschergruppe „Feto-maternal Immune Cross Talk: Consequences for Maternal and Offspring’s Health” beschäftigt sich mit dieser Adaptionsleistung. Klinisch tätige Ärztinnen und Ärzte arbeiten mit Grundlagenforscherinnen und -forschern der Frauenheilkunde, Pränatalmedizin, Neonatologie, Immunologie und Virologie zusammen, um ein besseres Verständnis für entstehende Komplikationen zu schaffen – denn die Anpassung des mütterlichen Immunsystems kann während und nach der Schwangerschaft bei Mutter und Kind gesundheitliche Probleme nach sich ziehen.
(Sprecherin: Professorin Dr. Petra Clara Arck, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Der Einsatz von Knochenimplantaten ist medizinische Praxis. Eine große Herausforderung hingegen stellen Implantate dar, die unterschiedliche Gewebestrukturen verbinden und helfen sollen, ihre Übergänge zu regenerieren. In der Forschergruppe „Gradierte Implantate für Sehnen-Knochen-Verbindungen“ werden Struktur und Funktion künftiger Implantate für Defekte bei solchen Übergängen im menschlichen Körper untersucht. Die Implantate sollen aus porösen Fasermatten gebaut und geeignet beschichtet werden, um die Selbstheilung gezielt anzuregen. Haben sich neue Zellen zu Knochen und Sehnen beziehungsweise zum Übergangsbereich ausgebildet, sollen sich die Fasermatten wieder abbauen. Dabei arbeitet die Forschergruppe nicht nur an den wissenschaftlichen Grundlagen, sondern möchte auch einen Implantatprototypen für den medizinischen Einsatz erstellen.
(Sprecherin: Professorin Dr. Andrea Hoffmann, Medizinische Hochschule Hannover)

Was wiegt ein Neutrino? Über lange Zeit hielt man dieses neutrale Elementarteilchen für masselos, was sich als falsch herausgestellt hat. Seitdem wird weltweit in der Teilchenphysik der fundamentalen Aufgabe nachgegangen, die äußerst kleine Masse eines Neutrinos zu bestimmen. Die neu eingerichtete Forschergruppe „Neutrino Mass Determination by Electron Capture in Holmium-163 – ECHo“ will hierzu eine Technologie aus kryogenen Bolometern und magnetischen Mikrokalorimetern entwickeln und einsetzen, um einer Antwort näherzukommen. Dieser Ansatz könnte die empfindlichste direkte Neutrinomassen-Methode werden und zu neuem Grundlagenwissen über die Elementarteilchen führen. Die Detektortechnologie hält zudem ein hohes Potenzial auch für weitere Experimente in der Teilchenphysik bereit.
(Sprecher: Professor Dr. Christian Enss, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen siehe auch:

© 2010-2017 by DFG
Ausdruck aus dem Angebot der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)