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Pressemitteilung Nr. 50 | 11. Dezember 2014
Fünf neue Forschergruppen, vier neue Kolleg-Forschergruppen

Themen vom Völkerrecht im globalen Wandel bis zu Karbonaten im Erdmantel / Rund 23,5 Millionen Euro für erste Förderperiode

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet fünf neue Forschergruppen und vier neue Kolleg-Forschergruppen ein. Dies beschloss der Senat der DFG jetzt in Bonn. Die Forschungsverbünde ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten.

Die Kolleg-Forschergruppen sind ein speziell auf geisteswissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnittenes Förderangebot. Sie werden für einen Zeitraum von vier Jahren gefördert – und nicht für drei Jahre wie die übrigen Forschergruppen.

In der ersten Förderperiode erhalten die neun neuen Einrichtungen über einen Zeitraum von drei bzw. vier Jahren insgesamt rund 23,5 Millionen Euro. Im Ganzen fördert die DFG damit 186 Forschergruppen und 11 Kolleg-Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Kolleg-Forschergruppe „Filme denken – Poetologien audiovisueller Bilder" vertreten die These, dass Medien nicht nur allein Mittel der Kommunikation gegebener Sachverhalte sind, sondern auch technische Erweiterungen unserer Wahrnehmung. Diese Erweiterungen beeinflussen unser Verstehen und Urteilen. Wenn Filme als Medien historischer, kultureller oder politischer Diskurse analysiert werden, sind in aller Regel die repräsentierten Sachverhalte gemeint – und eben nicht die Form der Repräsentation, also die Bilder. Wie aber lassen sich filmische Bilder als Diskurs analysieren, bewerten und in Diskurse einordnen, wenn wir sie nicht als Repräsentationen, sondern als technische Modellierung begreifen? Die Kolleg-Forschergruppe will diese Fragen beantworten und dazu eine Methodologie der Analyse filmischer Diskurse entwickeln.
(Sprecher: Professor Dr. Hermann Kappelhoff, Freie Universität Berlin)

Die Idee der wertorientierten Verrechtlichung internationaler Beziehungen bis hin zu einer „Weltbürgergesellschaft" besitzt große Anziehungskraft. Sie zielt ab auf einen weltweiten Frieden und die Verwirklichung globaler Gerechtigkeitsvorstellungen. Die Entwicklung könnte derzeit jedoch durch Reformalisierungs- oder gar Entrechtlichungsprozesse in eine gegensätzliche Richtung gehen. Die Kolleg-Forschergruppe „Zur Rolle des Völkerrechts im globalen Wandel" geht der Frage nach, welche Rolle das Völkerrecht unter den gegenwärtigen Bedingungen der Globalisierung spielt. In interdisziplinärer Zusammenarbeit von Rechts- und Politikwissenschaft sollen grundlegende Veränderungen des Völkerrechts erforscht werden, jenseits einzelner Krisensymptome und monokausaler Erklärungsmodelle.
(Sprecher: Professor Dr. Georg Nolte, Humboldt-Universität zu Berlin)

Die Forschergruppe „Nanoporous Gold – A Prototype for a Rational Design of Catalysts" widmet sich dem Einsatz von nanoporösem Gold als Katalysatormaterial. Bereits frühere Forschungsarbeiten haben das Potenzial von nanoporösem Gold als Katalysator für Oxidationsreaktionen gezeigt. In einem konzertierten Ansatz von experimentell und theoretisch arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen nun grundlegende Erkenntnisse für diesen wichtigen Bereich der Katalyseforschung gewonnen werden. Konkret wird die Forschergruppe sowohl die Phänomene in der Gasphase als auch in der flüssigen Phase, auf der Oberfläche und im Bereich der Elektrokatalyse beleuchten. Dabei werden die gewonnenen Erkenntnisse in den hier untersuchten Prototypsystemen von weitreichender Bedeutung für das breite Feld der Katalyseforschung bis hin zur industriellen Anwendung sein.
(Sprecher: Professor Dr. Marcus Bäumer, Universität Bremen)

Wie sieht die Erde von innen aus? Die Zusammensetzung und physikalischen Eigenschaften des Erdmantels geben noch immer viele Rätsel auf. In der Forschergruppe „Structures, Properties and Reactions of Carbonates at High Temperatures and Pressures" wollen Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler die Rolle von Karbonaten im Erdmantel untersuchen. Im Fokus steht das bessere Verständnis von Phasenbeziehung, Kristallchemie und physikalischen Eigenschaften der Karbonate. Dazu sollen die Bedingungen der Mantelübergangszone sowie des darunterliegenden unteren Erdmantels – also sehr hohe Temperaturen und ein sehr hoher Druck – simuliert werden. Die Forschergruppe bringt Expertinnen und Experten verschiedener geowissenschaftlicher Disziplinen sowie hochmoderne Technik zusammen.
(Sprecher: Professor Dr. Björn Winkler, Goethe-Universität Frankfurt/Main)

Die Kolleg-Forschergruppe „Jewish Scepticism" betrachtet das Thema des jüdischen Skeptizismus von zwei Seiten: Zum einen wird Skeptizismus als philosophische Strömung innerhalb der jüdischen Tradition untersucht; zum anderen wird Skepsis als ein spezifischer Habitus verstanden, als eine Kultur des kritischen Infragestellens, dessen kulturelle Ausprägungen ebenso analysiert werden sollen. Durch dieses doppelte Verständnis des jüdischen Skeptizismus werden die Forschungsergebnisse der Gruppe auch für andere Disziplinen bedeutsam. Ein Schwerpunkt der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird auf der Erforschung der Frühen Neuzeit liegen, die bislang in der Philosophie vor allem als Teil der lateinischen Tradition verstanden wird. Die Forschergruppe will nun auch die nicht lateinische Tradition näher beleuchten.
(Sprecher: Professor Dr. Giuseppe Veltri, Universität Hamburg)

In alternden Gesellschaften kommt es vermehrt zu entzündlichen Augenkrankheiten, die zur Erblindung führen können. Hierzu zählen etwa Benetzungsstörung, Augentumore oder Entzündung der mittleren Augenhaut. Ausgelöst werden diese Entzündungsreaktionen durch die abnormale Neubildung von Lymphgefäßen sowie durch bestimmte fehlgeleitete Zellen des Immunsystems und des Nervensystems. Das Verständnis dieser molekularen Prozesse will die Forschergruppe „(Lymph)Angiogenesis and Cellular Immunity in Inflammatory Diseases of the Eye" verbessern. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen damit auch Grundlagen neuer Diagnose- und Therapieansätze für verbreitete Augenkrankheiten.
(Sprecher: Professor Dr. Claus Cursiefen, Uniklinik Köln)

Welcher soziopolitische und kulturelle Zusammenhang besteht zwischen Medien und technologischer Teilhabe an Medien? Die Forschergruppe „Mediale Teilhabe. Partizipation zwischen Anspruch und Inanspruchnahme" will diesen Zusammenhang näher ergründen. Dabei sollen medienhistorische, -ethnologische, -ästhetische, -soziologische und -philosophische sowie kunst- und literaturwissenschaftliche Perspektiven eingenommen werden. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher wollen anhand der drei Leitkategorien „Mitsprechen", „Versprechen" und „Widersprechen" die Prozesshaftigkeit von Gemeinschaften – hier verstanden als stets neu auszuhandelnde Formationen – in den Blick nehmen. So sollen am Ende eine medientheoretische Bestimmung des Teilhabebegriffs und eine Betrachtung der Kehrseiten medialer Teilhabe entstehen.
(Sprecherin: Professorin Dr. Beate Ochsner, Universität Konstanz)

Städte und ihre Bewohner geraten immer stärker in den Fokus der Wissenschaft. Während in der nordwestlichen Hemisphäre die Bevölkerung auch in vielen Stadtregionen rückgängig ist, entstehen im globalen Süden rasant wachsende Megastädte. Beide Prozesse werfen grundlegende ethische Fragen zur Stadtpolitik und ihren Akteuren auf. Antworten darauf will die Forschergruppe „Urbane Ethiken. Konflikte um gute städtische Lebensführung im 20. und 21. Jahrhundert" erarbeiten. Sie untersucht das städtische Individuum als Handlungssubjekt und dessen Suche nach Maßstäben für „gute und richtige Lebensführung". Durch die Frage nach einer urbanen Ethik will die Gruppe einen neuen Zugang zur Erforschung städtischen Lebens erschließen.
(Sprecher: Professor Dr. Johannes Moser, Ludwig-Maximilians-Universität München)

Die frühe Phase der modernen Menschheit liegt 40000 bis 100000 Jahre zurück. Gemeinsam haben Archäologie, Paläoanthropologie und Genetik diesen Zeitraum detailliert rekonstruiert. Die historische Sprachwissenschaft dagegen erforscht die jüngere Vorgeschichte und reicht bisher maximal 5000 bis 10000 Jahre zurück. Doch wie hat sich der Mensch in der Zeit dazwischen entwickelt? Die Kolleg-Forschergruppe „Words, Bones, Genes, Tools" will diese Lücke schließen. Ihr Ziel ist es, insbesondere die Zeitspanne vor 3000 bis 30000 Jahren durch eine interdisziplinäre Kooperation von Linguistik, Paläoanthropologie, Archäologie und Genetik genauer zu beleuchten. Wichtige Fortschritte in den beteiligten Disziplinen lassen ein derartiges Vorhaben jetzt erstmals realistisch in Angriff nehmen.
(Sprecher/in: Professor Dr. Katerina Harvati und Professor Dr. Gerhard Jäger, Eberhard-Karls-Universität Tübingen)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +49 228 885-2443,
    presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Kolleg-Forschergruppen siehe auch:

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