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Pressemitteilung Nr. 25 | 2. Juli 2014
DFG fördert fünf neue Forschergruppen

Themen von sozialen Vergleichsprozessen über Knochenheilungsvorgänge bis zu dauerhaften Straßenbefestigungen / Rund acht Millionen Euro Fördermittel für die kommenden drei Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet fünf neue Forschergruppen ein. Dies beschloss der Senat der DFG in seiner Sitzung im Rahmen der Jahresversammlung 2014 der DFG in der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Die Forschungsverbünde ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten. In der ersten Förderperiode erhalten sie über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt rund acht Millionen Euro. Im Ganzen fördert die DFG damit 188 Forschergruppen.

Die neuen Forschergruppen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Aktuelle Bevölkerungsprognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2040 jeder zweite Mensch in Deutschland über 50 Jahre alt sein wird, jeder Dritte sogar über 60. Das stellt auch die Medizin vor Herausforderungen, nehmen doch die selbstheilenden Kapazitäten des menschlichen Körpers wie die Erneuerungsfähigkeit der Organe oder die Heilungskräfte nach Verletzungen mit zunehmendem Alter ab. Teilweise lässt sich dies auf Veränderungen im Immunsystem oder auf veränderte Reaktionsweisen auf äußere Stimulationen zurückführen. Die Forschergruppe „Regeneration in Aged Individuals: Using Bone Healing as a Model System to Characterize Regeneration Under Compromised Conditions” will das Phänomen nun stellvertretend anhand altersbedingter Änderung von Knochenheilungsvorgängen untersuchen und Anknüpfungspunkte zur Erforschung anderer altersrelevanter Vorgänge herstellen.
(Sprecher: Professor Dr.-Ing. Georg Duda, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Freie Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin)

Die Entwicklung neuer Fahrzeuge und intelligenter Transportkonzepte führt zu stetig steigendem Verkehrsaufkommen und immer höheren Achslasten. Diese Entwicklung wurde im Bereich der Straßenverkehrsinfrastruktur bisher vernachlässigt. Hier setzt die Forschergruppe „Dauerhafte Straßenbefestigungen für zukünftige Verkehrsbelastungen. Gekoppeltes System Straße – Reifen – Fahrzeug“ an. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen ein gekoppeltes thermo-mechanisches Modell zur physikalischen Analyse von Straße, Reifen und Fahrzeug entwickeln. Neben dem vertieften Verständnis der Physik des Gesamtsystems sollen mit den Ergebnissen Straßenbefestigungen und die zugehörigen Baumaterialien für eine maximale Dauerhaftigkeit optimiert werden.
(Sprecher: Professor Dr.-Ing. Michael Kaliske, Technische Universität Dresden)

Acinetobacter ist eine seit dem ersten Irakkrieg bekannte und bisher kaum zu behandelnde Bakterie, die inzwischen weltweit verbreitet ist und besonders schnell gegen Antibiotika resistent wird. Ihre Infektionsmechanismen sind überwiegend unbekannt, weshalb sie Wissenschaft und Kliniken gleichermaßen vor große Herausforderungen stellt. In der Forschergruppe „Adaptation und Persistenz von Acinetobacter baumannii, einem Pathogen mit zunehmender Bedeutung“ haben sich daher Mikrobiologen und Medizinische Mikrobiologen, Biochemiker, Strukturbiologen sowie Bioinformatiker zusammengeschlossen, um den Infektionsprozess des Keims und seine Mechanismen aufzuklären. So sollen grundlegende infektionsbiologische Einsichten gewonnen werden, die für die klinische Beherrschung des Keims entscheidend sein könnten. Die Erforschung von Acinetobacter ist auch für die Medizinische Mikrobiologie von grundlegendem Interesse, da aus anderen Bakterien bekannte Virulenzfaktoren in Acinetobacter nicht vorhanden sind.
(Sprecher: Professor Dr. Volker Müller, Goethe-Universität Frankfurt/Main)

Die Forschergruppe „Sociality and Health in Primates” untersucht die Zusammenhänge zwischen Sozialität und Fitness bei nicht menschlichen Primaten. Bei Pavianen etwa haben, ähnlich wie beim Menschen, sozial gut eingebundene Individuen eine höhere Lebenserwartung als sozial isolierte Individuen, die Fitnesseinbußen hinnehmen müssen. Wie beeinflussen also soziale Rollen und Netzwerke die Krankheitsanfälligkeit? Anhand der Sozialsysteme von Primaten sollen die Auswirkungen sozialer Variablen wie Gruppengröße, Dominanzrang, soziale Unterstützung und Paarungstaktiken auf verschiedene Aspekte von Gesundheit und körperlicher Verfassung analysiert werden. So wollen die Forscherinnen und Forscher auch die Übertragung von Infektionen und Geschlechtskrankheiten zwischen sozialen Gruppen nicht menschlicher Primaten untersuchen und damit die Beziehungen zwischen Sozialität und Gesundheit besser verstehen.
(Sprecher: Professor Dr. Peter M. Kappeler, Deutsches Primatenzentrum GmbH – Leibniz-Institut für Primatenforschung Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen)

Soziale Vergleichsprozesse sind ein grundlegendes Merkmal menschlichen Verhaltens. So hängt zum Beispiel die Bewertung eigener sportlicher Leistungen, des Jahresgehalts oder der Attraktivität entscheidend davon ab, mit wem man sich vergleicht. Im Fokus der neuen Forschergruppe „Relativity in Social Cognition: Antecedents and Consequences of Comparative Thinking“ steht dieses vergleichende Denken. Untersucht werden soll, ob das vergleichende Denken ein übergeordnetes Verhaltensprinzip darstellt und zur Erklärung unterschiedlicher Facetten menschlichen Verhaltens herangezogen werden kann. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Psychologie, Verhaltensökonomie und Verhaltensbiologie wollen dazu die Voraussetzungen und Konsequenzen vergleichenden Denkens untersuchen, um auf diese Weise zur Erklärung der komplexen Dynamik menschlichen Sozialverhaltens beizutragen.
(Sprecher: Professor Dr. Thomas Mußweiler, Universität zu Köln)

Weitere Informationen

Medienkontakt:

  • Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +49228885-2443,
    presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen siehe auch:

Zusatzinformationen

Vom 30. Juni bis 2. Juli hat die DFG ihre Jahresversammlung 2014 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main abgehalten. Das Motto der Veranstaltung lautete in diesem Jahr „ErkenntnisWerte“.

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