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Pressemitteilung Nr. 63 | 7. Dezember 2012
Drei neue Forschergruppen, eine neue Klinische Forschergruppe

Vom kulturellen Unterschied bis zur chronisch lymphatischen Leukämie

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe ein. Dies beschloss der Senat der DFG in seiner Dezember-Sitzung 2012 in Bonn. Die Forschungsverbünde sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich aktuellen und drängenden Fragen in ihren Fächern zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten. Die neu eingerichteten Forschergruppen beschreiten methodisch innovative Wege und stellen sich in ihren jeweiligen Disziplinen grundlegenden Fragen.

In den nächsten drei Jahren werden die drei neuen Forschergruppen circa 5,3 Millionen Euro erhalten; damit fördert die DFG insgesamt 189 Forschergruppen. Die neue Klinische Forschergruppe wird in einer ersten 3-jährigen Förderphase mit rund 2,1 Millionen Euro finanziert. Damit unterstützt die DFG derzeit insgesamt 31 Klinische Forschergruppen.

Die neuen Gruppen im Einzelnen (alphabetisch nach Sprecherhochschule):

Die Software von Smartphones, Navigationshilfen oder Fahrassistenzsystemen in Autos entwickelt sich durch regelmäßige Updates stetig weiter und passt sich so an neue Situationen und Einsatzmöglichkeiten an. Die Forschergruppe „Controlling Concurrent Change (CCC)“ untersucht, welchen Herausforderungen die selbständigen Software-Updates in einer zunehmend offen vernetzten Zukunft ausgesetzt sein werden und wie ihnen zu begegnen sein könnte. So stehen die einzelnen Applikationen in Konkurrenz um ausreichend Ressourcen, da die Integration einer Vielzahl von Subsystemen und Anwendungen auf einer Rechnerplattform immer komplexere Strukturen und Beziehungen schafft. Daraus erwächst ein weiteres Problem, nämlich wie mit den unerwünschten Effekten spezifischer Updates oder neuer Installationen auf das ganze Rechnersystem oder weitere Software-Programme umgegangen werden kann. Die Forschergruppe sucht somit nach Wegen, wie sich die Vielzahl von Updates unterschiedlichster Software-Anwendungen ohne Nebeneffekte steuern lassen und Rechenplattformen robuster gestalten lassen, um die Funktionstüchtigkeit unterschiedlichster Software-Subsysteme zu gewährleisten.
(Sprecher:  Prof. Dr.-Ing. Rolf Ernst, Technische Universität Braunschweig)

Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) ist die am häufigsten auftretende Leukämie-Art in der westlichen Welt und durch einen extrem heterogenen Krankheitsverlauf charakterisiert. Als Auslöser der erst in höherem Alter auftretenden CLL werden genetische Veränderungen angenommen, die die DNA-Reparaturmechanismen und damit auch wichtige Tumorsuppressorgene beeinträchtigen oder ausschalten. Die Klinische Forschergruppe „Exploiting defects in the DNA damage response for the treatment of chronic lymphocytic leukemia“ will untersuchen, welche Veränderungen im DNA-Reparatur-Netzwerk auf molekularer Ebene vorliegen, die zu einer chronisch lymphatischen Leukämie führen. Die Identifizierung der molekularen „Schwachstellen“ soll zum einen helfen, die Entstehung dieser Leukämieform besser zu verstehen. Zum anderen sollen die Forschungsarbeiten neue Therapiemöglichkeiten ausloten, um der gegen konventionelle Chemotherapie immunen Krankheit beizukommen.
(Sprecher: Prof. Dr. Michael Hallek, Universität zu Köln)

Die Forschergruppe „Un/doing Differences. Praktiken der Humandifferenzierung“ untersucht, wie kulturelle Unterschiede zwischen Menschen hergestellt, überlagert oder aber außer Kraft gesetzt werden. Der Fokus liegt dabei zum einen auf den gezogenen Grenzen zwischen Gemeinschaften entlang sprachlicher, religiöser, ethnischer oder nationaler Merkmale und auf den Unterscheidungen zwischen Individuen einer Gemeinschaft. Unter welchen Bedingungen wird unterschieden? Wann werden Differenzen aktualisiert oder aber neutralisiert? Und welche Funktion erfüllen Einteilungen in menschliche Kategorien? Mögliche Antworten hierauf sollen mithilfe eines vergleichend angelegten Forschungsprogramms gefunden werden, das die in den Kulturwissenschaften bislang getrennt untersuchten Differenzierungsfälle thematisch zusammenführt und dabei empirische Beobachtung mit analytischer Beschreibung koppelt.
(Sprecher: Prof. Dr. Stefan Hirschauer, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Themen wie Wiederbewaffnung, Aufbau des Sozialstaats, Kernkraft oder die Friedensbewegung entfachten in der „alten“ Bundesrepublik zwischen 1949 und 1989 ethische Kontroversen, die die Gesellschaft entscheidend prägten. Die Forschergruppe „Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989“ will ermitteln, wie und durch welche Institutionen der Protestantismus diese ethischen Diskussionen beeinflusste oder aber durch diese beeinflusst wurde. Damit soll eine Forschungslücke im Grenzgebiet von Evangelischer Theologie, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Zeitgeschichte geschlossen werden. Ausgangspunkt ist eine programmatisch offene Definition des Protestantismus, um so der Vielgestaltigkeit der mal kirchlich organisierten, mal individuellen Positionierung innerhalb ethischer Diskussionen gerecht zu werden. Mit dem interdisziplinären Ansatz soll der gesellschaftspolitische Beitrag des Protestantismus in der Bundesrepublik zwischen 1949 und 1989 neu aufgearbeitet werden, der auch in die Zeit nach der Wiedervereinigung hineinwirkt.
(Sprecher: Prof. Dr. Christian Albrecht, Ludwig-Maximilians-Universität München)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +49 228 885-2443,
    presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Klinischen Forschergruppen siehe auch:

Zusatzinformationen

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