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Pressemitteilung Nr. 79 | 30. November 2007
Hochschulmedizin in der Sackgasse?

DFG-Tagung zeigt Perspektiven für "Karrierewege in der Hochschulmedizin" auf

Wodurch kann eine Karriere in der Hochschulmedizin attraktiver werden? Um diese Frage ging es am 15. und 16. November 2007 bei einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgerichteten Tagung "Karrierewege in der Hochschulmedizin" in Berlin. Rund 200 Teilnehmer aus Universitäten und Universitätsklinika, vom Postdoc bis zur Professorin, diskutierten mit Vertretern der Hochschulverwaltungen, Politikern und Forschungsförderern über dringenden Handlungsbedarf, gute Beispiele aus der Praxis und Perspektiven für die Zukunft.

Auf der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Präsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover, Professor Dieter Bitter-Suermann, des Medizinischen Fakultätentages, Professor Gebhard von Jagow, der Direktor der Unikliniken Gießen, Professor Werner Seeger, mit Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, und Rüdiger Strehl, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikum Tübingen. Das Themenspektrum reichte von den Einschränkungen durch die Approbationsordnung, die Anerkennung von Forschungszeiten bis hin zur Identifikation von Medizinerinnen und Medizinern an Unikliniken mit ihren Hochschulen. Die zentralen Forderungen der Tagung: Nachhaltige Karrierewege und die dazugehörigen Strukturen, die den medizinischen Nachwuchs auch für die Wissenschaft ausbilden und begeistern. Und eine adäquate und transparente Bezahlung für alle in der Medizin Tätigen.

Die Ausgangssituation dafür ist an vielen Stellen noch verbesserungswürdig, wie die Tagung zeigte. Denn aufgrund ihrer aufwendigen Ausbildung und der schlechten Bezahlung entscheiden sich zu wenige der Studierenden in der Medizin für die Forschung. Dazu kommen unzureichend definierte Karrierewege und wenig attraktive Aufstiegs- wie Verdienstaussichten, hierarchische Strukturen und bessere Angebote aus dem Ausland. Die Folge: Wissenschaft und Forschung und damit das Potenzial für neue Therapien und Medikamente leiden. Nicht nur die DFG, sondern auch der Wissenschaftsrat, der Gesundheitsforschungsrat und andere Einrichtungen haben in ihren Stellungnahmen diese Defizite herausgearbeitet und Änderungen angemahnt.

Wie neue Wege und Konzepte aussehen könnten, stellte Professor Axel Haverich mit einer von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) angestrebten Struktur vor: Eine duale Organisation, die der ärztlichen parallel eine wissenschaftliche Struktur gegenüberstellt. Eine Umfrage an der MHH zeige zudem, dass Vorbilder in der Karriereplanung besonders wichtig sind. Ein Befund, den die DFG in Mentorenprogrammen umsetzen wird, und der nicht nur die, "die es geschafft haben", motivieren sollte. Die DFG hat schon in den vergangenen Jahren versucht, mit besonderen Programmen wie den Klinischen Forschergruppen oder den Klinischen Studien die notwendigen Reformen zu unterstützen. Auch Fördermaßnahmen speziell für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Medizin sind in Vorbereitung.

Dass die Medizin als Wissenschaft wahrgenommen werden muss, war Konsens unter den Teilnehmern. Daraus ergibt sich unter anderem besonders für die Ausbildung, dass die Vernetzung zwischen den Grundlagenfächern in den Lebenswissenschaften und der Medizin weiter etabliert werden muss. Wie das gehen kann, zeigte das modulare System, in dem die Universität Greifswald medizinische Doktoranden wissenschaftlich ausbildet. Um auch die Wissenschaft in der medizinischen Ausbildung mehr zu etablieren, sollte nach Meinung der Teilnehmer Forschung von den Ärztekammern nicht als "Auszeit" von der "echten" Arbeit als Arzt angesehen, sondern vielmehr durch sinnvolle Rotationsmöglichkeiten, Anerkennung in der Weiterbildung und ausreichende Stipendien unterstützt werden. Dazu gehören auch angepasste Gehaltsstrukturen. Denn der Tarifvertrag für Ärzte (TV-Ä) stellt Ärztinnen und Ärzte in der reinen Patientenversorgung deutlich besser als solche, die auch medizinische Forschung betreiben, sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nach dem Tarifvertrag für die Länder (TV-L) bezahlt werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, forderten die Teilnehmer nicht nur einen gemeinsamen Tarifvertrag, sondern auch ein überarbeitetes Zulagensystem, das sowohl die Lehre honoriert und in dem auch eingeworbene Drittmittel direkt das persönliche Einkommen aufstocken können. Variable Gehaltsbestandteile sind an vielen Unikliniken schon möglich, aber noch lange nicht flächendeckend umgesetzt. Die DFG ermöglicht eine Bezahlung aller Geförderten nach TV-Ä, sofern diese das mit der Universitätsverwaltung aushandeln.

Auch der Stellenwert der Promotion in der Medizin war Thema bei der Tagung. Sollte die "Türschildverzierung", wie DFG-Vizepräsident Professor Jürgen Schölmerich es formulierte, eine mit den anderen Naturwissenschaften vergleichbare Qualifikation sein oder sollten für wissenschaftlich arbeitende Medizinerinnen und Mediziner weitere Titel eingeführt werden? Gegen die Einführung des Bachelor-Studienganges sprachen sich die Teilnehmer fast einhellig aus, denn dieser sei für die Medizin nicht geeignet. Die Option "Juniorprofessur" wurde prinzipiell befürwortet, dann jedoch mit einer adäquaten Ausstattung und Möglichkeiten für wissenschaftliche Forschung in diesem Programm.

Weitere Informationen

Weitere Informationen und Materialien zu der Tagung finden Sie im Internet unter

  • www.dfg.de/wissenschaftliche_karriere/ aktuelles_mitteilungen/.

Ansprechpartnerin für die Nachwuchsförderung bei der DFG ist

  • Dr. Beate Scholz, Tel. +49 228 885-2798, Beate.Scholz@dfg.de.

Für Fragen die Klinische Forschung betreffend kontaktieren Sie bitte

  • Dr. Petra Hintze, Tel. +49 228 885-2552, Petra.Hintze@dfg.de.