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Pressemitteilung Nr. 38 | 10. August 1999
Keine Angst vor nassen Füßen

Wenn der Meeresspiegel steigt, wächst die Küste in die Höhe

Auch wenn der Spiegel der Nordsee in Zukunft weiter ansteigt, müssen die Bewohner des norddeutschen Küstenraums in absehbarer Zeit nicht mit nassen Füßen rechnen, denn mit dem steigenden Wasser wachsen auch die vor dem Deich liegenden Gebiete in die Höhe. So war es jedenfalls in den letzten 8.500 Jahren, wie Wissenschaftler aus Hannover herausgefunden haben. Unter der Leitung von Professor Dr. Hansjörg Streif und mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) haben Geowissenschaftler in den vergangenen vier Jahren die Zusammensetzung von Bodenablagerungen an der Nordseeküste zwischen Emsmündung und Unterweser untersucht. Dazu mußten für das rund 5.000 Quadratkilometer große Gebiet die Daten von 23.000 Bodenbohrungen ausgewertet werden.

Schon seit vorgeschichtlicher Zeit funktioniert der Ausgleich zwischen steigendem Meeresspiegel und in die Höhe wachsendem Schwemmland an der Küste. So ist der Nordseespiegel in den letzten 8.500 Jahren um rund 25 Meter gestiegen. Daß das Wattenmeer nicht an Hannover grenzt, verdanken die Niedersachsen einem riesigen Keil aus Sand, Ton und Torfschichten, der ein Gesamtvolumen von 41 Milliarden Kubikmetern aufweist. Die Wissenschaftler fanden heraus, daß der Sedimentkeil zeitweilig um einen Zentimeter pro Jahr dicker geworden ist. Rund 90 Prozent des abgelagerten Materials stammen aus dem Meer, nur 10 Prozent wurden von Flüssen angespült.

"Erstaunlich ist, daß der Meeresspiegelanstieg in so direkter Relation zur Sedimentablagerung steht", sagt Professor Streif. "Sollte der Meeresspiegel tatsächlich, wie von vielen Forschern erwartet, in den nächsten Jahren beschleunigt ansteigen, so wird dies wiederum durch die Ablagerung von Sedimenten im Deichvorland ausgeglichen werden." Der Wissenschaftler räumt ein, daß der Deichbau an der Küste die ursprünglichen Ablagerungsräume zwar erheblich einengt, die Ablagerungsverhältnisse aber nicht grundsätzlich verändert habe.

Im Rahmen des Projekts wurden über vier Jahre hinweg Bohrungsdaten verschiedener Archive der Bau- und Wasserwirtschaftsämter zwischen Emden und Cuxhaven ausgewertet. Die Wissenschaftler "schnitten" den Sedimentkeil horizontal in einen Meter dicke Scheiben, die detailliert in Karten dargestellt und deren Volumina berechnet wurden.

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