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Pressemitteilung Nr. 5 | 29. Januar 1999
Gerhard Hess-Förderpreise für junge Wissenschaftler

Preisverleihung in Bonn - Nachwuchsforscher im Gespräch mit Bonner Gymnasiasten

Der Hauptausschuß der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat heute elf herausragend qualifizierte Nachwuchswissenschaftler, darunter eine Wissenschaftlerin, als Preisträger im Gerhard Hess-Programm bestimmt. Die Förderpreise sind mit jährlich je bis zu 200 000 Mark dotiert; mit der Förderzusage für die ersten beiden Jahre ist die Aussicht auf Verlängerung für weitere drei Jahre verbunden. Das nach einem früheren Präsidenten der DFG benannte Programm erlaubt jungen Forschern, eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen und ihre Forschung auf längere Sicht zu planen. Die Bewerber müssen bereits habilitiert sein oder entsprechende wissenschaftliche Leistungen erbracht haben, dürfen bei Antragstellung nicht älter als 33 Jahre alt sein und müssen ihren Lebensunterhalt über eine Stelle oder ein Stipendium finanzieren.

Geistes- und Sozialwissenschaften

PD Dr. Mark Häberlein (32), Historisches Seminar der Universität Freiburg Die Reichweite und Grenzen der Integration von ethnischen und religiösen Minderheiten in einer heterogenen Gesellschaft im Vergleich Südwestdeutschland und Pennsylvania ist Thema des Forschungsprojekts von Mark Häberlein. Am Beispiel von Zuwanderern aus Savoyen, der Schweiz und Tirol in süddeutsche Städte und Landgemeinden will er das Spannungsverhältnis von sozio-ökonomischer Integration und fortbestehenden kulturellen Grenzen untersuchen. Im Vergleich mennonitischer Gemeinden im Oberrheingebiet und in Pennsylvania sollen unterschiedliche Formen und Möglichkeiten der Integration einer religiösen Minderheit analysiert

werden. In welchen Lebensbereichen integrieren sich Minderheiten vergleichsweise rasch und reibungsfrei in eine bestimmte Gesellschaft und in welchen Bereichen weisen kulturelle Grenzen ein hohes Maß an Beständigkeit auf?

PD Dr. Volker Leppin (32), Theologische Fakultät der Universität Heidelberg Forschungsziel von Volker Leppin ist die Edition und Kommentierung einer Schrift Wilhelms von Ockham (1285-1347), "De dogmatibus Papae Johannis", die Teil des Dialogus, des kirchenpolitischen Hauptwerkes Ockhams, darstellt. Die Schrift gehört in den Kontext eines bedeutenden theologischen Streits im späten Mittelalter um eschatologische Fragen und richtet sich gegen die Lehre des Papstes, daß die Heiligen nicht sogleich nach ihrem Tod zur Schau Gottes gelangten.

Biologie und Medizin

PD Dr. Utz Fischer (34), Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried Die spinale Muskelatrophie, eine häufig tödlich verlaufende Krankheit des Nervensystems, führt durch Abbau von Neuronen im Rückenmark zu einer Lähmung des Körpers. Utz Fischer will die molekularen Ursachen dieser Erbkrankheit erforschen. Verantwortlich dafür sind Mutationen in einem bestimmten Gen, dessen Produkt an generellen zellulären Funktionen (RNA-Metabolismus) beteiligt ist.

Dr. Albert Jeltsch (32), Institut für Biochemie der Universität Gießen Albert Jeltsch untersucht Enzyme, die für eine Modifizierung der Erbsubstanz (DNA) durch Methylierung verantwortlich sind. Eine fehlgesteuerte Methylierung kann beim Menschen die Entstehung verschiedener Tumoren oder neurodegenerativer Erkrankungen verursachen. Die beteiligten Enzyme, die sogenannten DNA-Methyltransferasen, stellen einen vielversprechenden Angriffspunkt für Medikamente dar, und es wird angestrebt, sie im Zuge von Gentherapien zur Regulation körpereigener Gene oder zur Hemmung von Viren einzusetzen. Allerdings reicht das bisherige Wissen nicht aus, so daß eine detaillierte biochemische Charakterisierung der Enzyme erforderlich ist.

PD Dr. Helge Thorsten Lumbsch (34), Fachbereich Botanik der Universität Gesamthochschule Essen
Ziel des Forschungsprojekts von Helge Thorsten Lumbsch ist es, die ungeklärten Fragen zur Evolution und Systematik der sogenannten ascolocularen Pilze zu klären. Diese Pilze umfassen etwa 6000 Arten, darunter eine ganze Reihe Pflanzenschädlinge, zum Beispiel der Apfelschorf. Dazu werden molekulare und morphologische Daten, insbesondere Fruchtkörpermerkmale, herangezogen. In einer integrierten Analyse soll damit die Stammesgeschichte der Pilze bestimmt werden.

Dr. Marie Roskrow (33), Institut für Immunologie der Universität München und GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Oberschleißheim Bei der Hodgkin-Krankheit, einer bösartig verlaufenden Erkrankung der Lymphknoten und des lymphatischen Gewebes, liegen die Heilungschancen mittlerweile bei über 80 Prozent. Marie Roskrow sucht nach neuen Behandlungsmöglichkeiten für diejenigen Patienten, bei denen die derzeit zur Verfügung stehenden Therapien nicht ausreichen, um sie zu heilen. Da bei vielen Hodgkin-Patienten die Tumorzellen mit dem Epstein-Barr-Virus assoziiert sind, will sie spezifische T-Zell-Linien entwickeln, die gegen das Epstein-Barr-Virus gerichtete Proteine bilden können.

Naturwissenschaften

PD Dr. Reinhold Egger (31), Fakultät für Physik der Universität Freiburg Reinhold Egger beschäftigt sich mit Korrelationseffekten in niederdimensionalen elektronischen Systemen. Dabei sollen nanoskalige Strukturen wie die einwandigen Nanotubes, die man sich als in Röhrchen gewickelte Graphitschichten vorstellen kann, als Realisierungen eindimensionaler korrelierter Elektronensysteme betrachtet werden. Solche Strukturen könnten in Zukunft die Grundlage für nanoskalige elektronische Bauelemente abgeben. Egger will auch neue numerische Methoden für die Behandlung solcher Elektronensysteme entwickeln.

PD Dr. Jürgen Janek (34), Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie der Universit ät Hannover
Neben der grundsätzlichen Bedeutung für das Verständnis des atomaren Transports im festen Zustand ist die Untersuchung von ionenleitenden Festkörpern und deren Grenzflächen von großem technischem Interesse. Gezielte elektrochemisch kontrollierte Reaktionen ionenleitender Festkörper mit ionisierten Gasen (Plasmen) könnten hier von praktischer Bedeutung sein, stellen jedoch ein weitgehend unerforschtes Gebiet der physikalischen Festkörperchemie dar. Mit seinen Forschungsarbeiten will Jürgen Janek dazu beitragen, diese Wechselwirkungen von ionisierten Gasen und ionenleitenden Festkörpern an geeigneten Modellen zu untersuchen.

PD Dr. Ansgar Jüngel (32), Fachbereich Mathematik der TU Berlin Ansgar Jüngel arbeitet auf dem Gebiet der Halbleiteranalysis, einem Gebiet, in dem ständig neue Gleichungen aufgestellt und überprüft werden, sei es, um die physikalischen Effekte an bekannten Modellen besser zu modellieren, sei es, um dem technologischen Fortschritt besser Rechnung zu tragen. Er will verschiedene makroskopische Modelle für den Ladungstransport in Halbleitern und Plasmen mathematisch untersuchen: Dazu gehören das qualitative Verhalten der Lösungen von nichtlinearen Halbleiter- und Plasmamodellen mit thermischen Effekten und die Simulation von modernen Halbleiter- und Plasmabauteilen.

PD Dr. Uwe Manthe (34), Fakultät für Physik der Universität Freiburg Ziel des Forschungsprojekts von Uwe Manthe ist eine genaue theoretische Beschreibung elementarer chemischer Reaktionsprozesse mittels quantenmechanischer Molekulardynamikrechnungen in Systemen mit einer größeren Anzahl beteiligter Systeme. Dabei sollen einerseits Reaktionen einfacher organischer Moleküle in der Gasphase untersucht werden, andererseits methodische Grundlagen für eine vergleichende Behandlung in kondensierter Phase erarbeitet werden. Die untersuchten Systeme sollen Beispielcharakter für die Beschreibung grundlegender Reaktionsmechanismen der organischen Chemie haben.

Dr. Harald Schwalbe (32), Institut für Organische Chemie der Universität Frankfurt Um den Informationstransfer innerhalb einer Zelle, seien es Körperzellen oder Bakterien, zu verstehen, muß nicht nur der genetische Code aufgeklärt werden, sondern es ist auch die Faltung von Nukleinsäuren und von Proteinen zu berücksichtigen. Mit Hilfe hochauflösender Kernresonanztechniken will Harald Schwalbe schnelle Faltungsreaktionen von Proteinen im Millisekundenbereich untersuchen. Die Erkenntnisse sollen dazu beitragen, erstmals auch Informationen über den Faltungsprozeß von RNA-Oligonukleotiden zu erhalten. Solche Nukleotide sind nicht nur Träger der genetischen Information, sondern besitzen auch katalytische Funktion und sind damit pharmakologisch interessant.

Die Verleihung der Hess-Preise erfolgt am 15. März 1999 um 18.00 Uhr im Wissenschaftszentrum in Bonn.
Im Rahmen der Preisverleihung wird eine Podiumsdiskussion mit dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, und einigen Preisträgern stattfinden. An dieser Diskussion, die die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses zum Thema hat, können sich die anwesenden Oberstufenschülerinnen und -schüler beteiligen.