Prof. Dr. Jan Born - Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2010
Neuroendokrinologie/Schlafforschung, Universität zu Lübeck
Jan Born erhält den Leibniz-Preis für seine richtungsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Schlafforschung. Born untersucht vor allem, wie im Schlaf Gedächtnis gebildet wird. Dabei konnte er zeigen, dass im Schlaf nicht nur Gedächtnis gefestigt wird, sondern auch kognitive Prozesse wie Problemlösungsstrategien stattfinden. Damit war er zugleich der erste Forscher, der einen kausalen Zusammenhang zwischen Schlafen und Lernen belegte. In Untersuchungen zu einzelnen Schlafphasen wandte sich Born vor allem der Rapid Eye Movement-Phase (REM) zu, von der bis dahin angenommen wurde, dass sie sich positiv auf das prozedurale Gedächtnis auswirke. In einer weithin beachteten experimentellen Studie, in der er die REM-Phase mit Medikamenten unterdrückte, konnte Born diese Annahme widerlegen. Schließlich untersucht Born auch die Gedächtnisbildung durch Schlaf in anderen organischen Systemen, so im metabolischen System und im Immunsystem. Seine Arbeiten sind bedeutende Beiträge zur Grundlagenforschung, sie greifen aber auch wichtige medizinische Fragen auf und sind auch gesundheitspolitisch von großem Interesse. Hohe Relevanz haben sie auch für die Lernforschung.
Nach dem Studium der experimentellen Psychologie und der Promotion in Tübingen habilitierte sich Jan Born in Ulm in Physiologie. Seit 2002 ist er Direktor des Instituts für Neuroendokrinologie an der Universität zu Lübeck. Born war Sprecher der DFG-Forschergruppe "Gedächtnisbildung im Schlaf", seit 2005 ist er Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Plastizität und Schlaf".