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Dr. Leif Kobbelt - Heinz Maier-Leibnitz-Preisträger 2000

Laudatio von Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Vizepräsident der DFG

33 Jahre alt, seit April 1999 Nachwuchsgruppenleiter am WI für Informatik in Saarbrücken

Herr Kobbelt studierte Informatik in Karlsruhe und vollendete 1994, 28jährig, seine Promotion innerhalb von nur 2 Jahren. Nach einem einjährigen Forschungsaufenthalt an der University of Wisconsin, Madison, USA, war er bis 1999 als Assistent am Institut ffir Mathematische Maschinen und Datenverarbeitung der Universität Erlangen-Nümberg tätig wo er sich im selben Jahr auch, 33jährig, habilitierte. Seit Sommer 1999 ist er am Max Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken tätig, Inhaber einer C3-Stelle (zeitlich befristet als Nachwuchsgruppenleiter) und Forschungsgruppenleiter der Arbeitsgruppe "Geometrische Modellierung".

Herr Kobbelt ist ein Graphiker, der allerdings nicht mit dem Bleistift modelliert, sondern mit der "Maus". Dort, wo unsereins mit einem schwungvollen Strich glatte, runde, körperliche Formen auf das Papier wirft, geht Herr Kobbelt streng geometrisch und häppchenweise vor. Er setzt seine Formen aus immer feineren Netzen aus Vier- oder Dreiecken zusammen, bis diese Unterteilung gegen eine glatte Fläche konvergiert. Nach der Zerlegung eines Modells in globale Form und Detailinfonnation können beide getrennt verändert werden: insbesondere kann global deformiert werden, ohne die Details zu verfälschen. Man stelle sich also unseren DFG-Präsidenten mit Winnackerschen Gesichtszügen und dem Körperbau von Arnold Schwarzenegger vor oder umgekehrt. Das wäre mehr als eine "Deformation Professionelle": dann schon lieber klonen, Herr Winnacker, oder nicht?

Spaß beiseite, was macht Herr Kobbelt wirklich?

Einer der großen Engpässe beim Arbeiten mit Computern ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Grosse Datenmengen, wie sie überall im Rechner verfügbar sind, dem Benutzer schnell und anschaulich zugänglich zu machen, ist eine große Herausforderung. Hier helfen visuelle Techniken. Auf Basis dieser Techniken ist es inzwischen möglich, komplexe Bilder dreidimensionaler Gegenstände völlig im Rechner zu erzeugen. Typische Beispiele sind Aufgaben aus dem Industriedesign, beispielsweise beim Entwurf von Automobilen. Hierbei gilt es, komplexe Flächen darzustellen und im Idealfall im Rechner zu manipulieren, so dass die Manipulation unmittelbar visuell rückgekoppelt werden kann. Für diese Aufgaben hat Herr Dr. Kobbelt fundamentale Algorithmen beigesteuert. Der große Rechenbedarf bei der Erzeugung von Bildern, der heute immer noch für vi ele Aufgaben ein großes Hindernis beim interaktiven Arbeiten darstellt kann durch effiziente Algorithmen reduziert werden.

Die Techniken von Herrn Kobbelt mit Hilfe von Abstraktionstechniken zur Reduzierung der Komplexität, helfen nicht nur mit im Dialog mit dem Rechner dreidimensionale Daten schnell und zuverlässig darzustellen, sie haben auch enorme Vorteile bei der Übertragung. So können beispielsweise Grobansichten eines Gegenstandes übertragen werden, so dass dieser gleich - zumindest in groben Umrissen - erkennbar ist und sich nach und nach durch entsprechende Verfeinerung schließlich ins volle Detail verbessern lässt. Diese Techniken sind von höchster Bedeutung für Intemetanwendungen, wo ja bildhafte Darstellungen immer mehr Bedeutung gewinnen.

Damit, meine Damen und Herren, will ich es bewenden lassen, denn Herr Kobbelt wird nachher bei seinem Festvörtrag näher auf seine wissenschaftlichen Arbeiten eingehen.

Herr Kobbelt arbeitet in einem außerordentlich bedeutsamen Gebiet mit hoher wirtschaftlicher Relevanz. Er vereinigt in fast idealer Weise wissenschaftliche Brillanz mit hohem Gespür für Umsetzbarkeit. Für seine herausragenden Arbeiten zur effizienten Handhabung großer 3D-Datenmengen erhält Herr Kobbelt den Heinz Maier-Leibnitz Preis 2000.