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Ursula M. Händel-Tierschutzpreis 2018

DFG-Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Becker überreichte den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis an PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori und Prof. Dr. Ellen Fritsche
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DFG-Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Becker überreichte den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis an PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori und Prof. Dr. Ellen Fritsche

© Sabine Gudath/Charité Berlin

Den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten 2018 die Toxikologin Prof. Dr. Ellen Fritsche vom Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Mathematiker, Physiker und Mediziner PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Die mit jeweils 50 000 Euro dotierte Auszeichnung wird bereits zum siebten Mal an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die den Tierschutz in der Forschung im Sinne des 3R-Prinzips verbessern. Die drei R stehen dabei für Replace (Vermeiden), Reduce (Verringern) und Refine (Verbessern).

Die Preisträgerin und der Preisträger wurden unter 16 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. Wegen des sehr starken Bewerberfelds entschloss sich die Jury in diesem Jahr, den Preis zu teilen. Fritsche erhält den Preis für die Entwicklung eines Testsystems für Chemikalienwirkungen, das die eigentlich bei toxikologischen Tests vorgeschriebenen Tierversuche in Zukunft vollständig ersetzen könnte. Noori wird für seinen Einsatz von Big Data in der Neurobiologie ausgezeichnet, wodurch sich Tierversuche erheblich reduzieren lassen können.

Den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis 2018 verleiht am 23. November 2018 im Rahmen der Eröffnung des neuen Forschungszentrums „Charité 3R – Replace, Reduce and Refine“ im Friedrich-Kopsch-Hörsaal der Berliner Charité DFG-Vizepräsidentin Prof. Dr. Katja Becker.

Prof. Dr. Ellen Fritsche

Prof. Dr. Ellen Fritsche - Ursula M. Händel-Tierschutzpreisträgerin 2018

Prof. Dr. Ellen Fritsche

Prof. Dr. Ellen Fritsche forscht an Neurosphären, organähnlichen Zellkulturen, anhand derer sich die Giftigkeit von Stoffen auf die Entwicklung des Gehirns testen lässt. Diese Zellkulturmodelle sollen in Zukunft Tierversuche ersetzen (replacement) und Chemikalien identifizieren, die zu Schäden bei der Entwicklung des Nervensystems führen. Weil die Neurosphären aus humanen Stammzellen herangezüchtet werden, erlauben die Ergebnisse der Neurotoxizitätsstudien eine bessere Einstufung der Gefährlichkeit von chemischen Stoffen für den Menschen als Studien an Tieren, bei denen sich die Ergebnisse nicht immer komplett auf den Menschen übertragen lassen.

Mit dem Preisgeld wollen Fritsche und ihre Arbeitsgruppe die Neurosphärenmodelle in Zusammenarbeit mit der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) so weiterentwickeln, dass die Auswirkungen neurotoxischer Substanzen zuverlässig charakterisiert werden können und das Testsystem als Ersatzmethode für die bislang vorgeschriebenen Tierversuche anerkannt wird.

PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori

PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori - Ursula M. Händel-Tierschutzpreisträger 2018

PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori

PD Dr. Dr. Hamid Reza Noori nutzt neue Ansätze aus Mathematik, Datamining und Maschinellem Lernen, um die Vielzahl publizierter Daten aus neurobiologischen Forschungsprojekten der letzten Jahrzehnte an Ratten auszuwerten. Allein durch die komplexe Analyse vorhandener Daten gelang es Noori – ohne einen weiteren Tierversuch – die biochemischen Schaltkreise im Rattengehirn aufzuklären, die grundlegend für die Informationsverarbeitung im Gehirn sind.

Die Daten von zurzeit fast 150 000 Ratten stellt Noori in einem zweiten Schritt in zwei Open-Access-Datenbanken zur Verfügung, die Forscherinnen und Forscher weltweit nutzen können, um neuroanatomische und neuropharmakologische Forschungsfragen zu bearbeiten. Die Datenbanken helfen dabei, Fragestellungen in silico, also durch Analyse bereits vorliegender Datensätze zu beantworten (replacement), oder neue Versuche stringenter zu planen (reduction & refinement). Die Nutzbarmachung von Big Data im Bereich der präklinischen Neurowissenschaften birgt insgesamt großes Potenzial für den Tierschutz in der Forschung.