DFG zeichnet Hannoveraner Forscherteam für innovatives Testverfahren aus
„In kaum einem anderen Forschungsgebiet wird das Dilemma der ethischen Abwägung so deutlich wie in der tierexperimentellen Forschung. Immer noch gibt es viele Fragestellungen, bei denen nicht auf Tierversuche verzichtet werden kann. Dennoch wurde und wird hier bereits sehr viel für den Tierschutz getan“, sagte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner anlässlich der Verleihung des Tierschutzpreises an Professor Baum und dessen Mitarbeiterinnen am Freitag, dem 13. Februar, in Bonn. Auf der Grundlage des deutschen Tierschutzgesetzes und dessen hoher Maßstäbe prüften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Einsatz von Ersatzmethoden, die die Zahl von Tierversuchen reduzierten, so Kleiner. Auch die Optimierung der Experimentbedingungen sei Gegenstand zahlreicher Forschungen, damit die Versuche für die eingesetzten Tiere so wenig belastend wie möglich seien.
Das nun mit dem Ursula M. Händel-Tierschutzpreis ausgezeichnete Team erreicht diese Ziele nach Ansicht der DFG und der unabhängigen Jury noch dazu auf einem aktuellen Forschungsfeld, das sowohl für die Medizin als auch für die Gesundheit des Menschen von immer größerer Bedeutung werden dürfte.
Der von Professor Baum und seinen Mitarbeiterinnen entwickelte In-Vitro-Immortalisierung-Assay (IVIM) hilft, die Erfolgsaussichten von Gentherapien zu verbessern. Bei diesen sollen defekte Gene durch eingeschleuste intakte Gene repariert werden, wodurch etwa Stoffwechselkrankheiten oder schwere Immundefekte behandelt werden sollen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich das eingeschleuste Gen exakt an der dafür vorgesehenen Stelle in das Genom einfügt – andernfalls könnte die Gentherapie verheerende Folgen für den Patienten haben. Um dieses Risiko möglichst gering zu halten, sind bislang aufwendige Tierversuche mit bis zu 100 Versuchstieren für eine einzige Testreihe notwendig. Beim neu entwickelten IVIM-Assay werden zwar immer noch Tiere eingesetzt, jedoch hauptsächlich nur noch als Zellspender. Die eigentliche Testreihe, das Einschleusen des Gens, kann dagegen in der Zellkultur und im Reagenzglas erfolgen und muss nicht mehr im Tier durchgeführt werden. Dies reduziert die Zahl der notwendigen Tierversuche und der eingesetzten Tiere erheblich und kann zudem schnellere und präzisere Ergebnisse liefern. Aufgrund dieser Vorzüge könnte sich die Methode mittelfristig zu einem Standardverfahren entwickeln.
Mit der Verleihung des Preises an die drei Hannoveraner Wissenschaftler würdigt die DFG die Verbindung von hochkarätiger Forschung und nachhaltigem Einsatz für die Verbesserung des Tierschutzes. Sie hebt zudem hervor, dass diese Leistung im Team erbracht wurde; neben Christopher Baum, der an der MHH die Abteilung Experimentelle Hämatologie leitet, hätten auch Ute Modlich als Arbeitsgruppenleiterin und Sabine Knöß als leitende Medizinisch-Technische Assistentin im Labor erheblich zum Erfolg beigetragen.