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Communicator-Preis 2014 an Onur Güntürkün

Bochumer Biopsychologe wird für die vorbildliche Vermittlung seiner Forschungen zu den biologischen Grundlagen des Verhaltens von Tier und Mensch ausgezeichnet

Prof. Dr. Onur Güntürkün
Prof. Dr. Onur Güntürkün
© DFG / David Ausserhofer

Der Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft geht in diesem Jahr an den Biopsychologen Professor Dr. Onur Güntürkün. Der Wissenschaftler von der Ruhr-Universität Bochum wird für die vorbildliche Vermittlung seiner Forschungen zu den biologischen Grundlagen des Verhaltens von Tier und Mensch in die breite Öffentlichkeit und die Medien ausgezeichnet.

Der „Communicator-Preis – Wissenschaftspreis des Stifterverbandes“ ist mit 50000 Euro dotiert und gilt als die wichtigste Auszeichnung seiner Art in Deutschland. Der Preis wird seit 2000 an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die ihre Forschungsergebnisse und die ihres Faches einem breiten Publikum außerhalb der Wissenschaft nahebringen. Mit der Auszeichnung wollen DFG und Stifterverband den immer wichtigeren Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit stärken und zugleich dafür werben, dass die Vermittlung von Wissenschaft in der Wissenschaft selbst einen höheren Stellenwert erhält.

Gekürt werden die Preisträger von einer Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten unter dem Vorsitz eines DFG-Vizepräsidenten. Für die diesjährige Preisrunde hatten sich insgesamt 52 Forscherinnen und Forscher aus allen Wissenschaftsgebieten beworben oder waren vorgeschlagen worden. Von ihnen kamen in einem mehrstufigen Auswahlprozess vier in die Schlussrunde, in der sich Onur Güntürkün durchsetzte.

Nach Einschätzung der Jury verbindet Güntürkün hohe wissenschaftliche Qualität mit besonders engagierter Vermittlung in Öffentlichkeit und Medien. 1958 in Izmir geboren, ist Güntürkün nach dem Studium der Psychologie und der Promotion in Bochum, Forschungsaufenthalten in Paris und San Diego sowie der Habilitation in Konstanz seit 1997 Professor für Biopsychologie in Bochum. Seine Forschungen verknüpfen psychologische, biologische und neuroanatomische Fragestellungen, Konzepte und Befunde und haben ihn zu einem der Wegbereiter einer biologisch fundierten Psychologie gemacht. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die Evolution des Denkens. Hier konnte Güntürkün die etablierte Sichtweise, wonach die Evolution des Denkens einem stufenweisen, vor allem durch die Entwicklung des Neocortex geprägten evolutionären Aufstieg folgt, radikal verändern. So zeigte er zum Beispiel, dass Vögel mit erheblich kleineren Gehirnen und ohne Neocortex die gleichen kognitiven Leistungen wie Säugetiere erbringen können.

Mit seinen Arbeiten zum Zusammenhang von „Gehirn und Geschlecht“ korrigierte Güntürkün traditionelle Sichtweisen auf Geschlechterunterschiede. Ihm zufolge existieren zwar kognitive und neuroanatomische Geschlechterunterschiede, sie sind aber erheblich geringer als zumeist angenommen – Männer und Frauen sind sich in ihrem Denken also ähnlicher als häufig erwartet. Allerdings können die biologischen Unterschiede psychologische Weichen stellen, die zu lebenslangen kognitiven Unterschieden führen, wie Güntürkün am Beispiel des Autofahrens und Einparkens zeigte. Für diese und andere Forschungen wurde der Biopsychologe national wie international vielfach ausgezeichnet, allen voran 2013 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der DFG.

Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit vermittelt Güntürkün seit mehr als 15 Jahren in die Medien und die breite Öffentlichkeit. Neben seinen Beiträgen für Zeitungen und Zeitschriften sowie in Hörfunk und Fernsehen hob die Jury des Communicator-Preises vor allem seine wirkungsvollen Vorträge hervor, mit denen er ein großes Publikum erreicht. Innovative Wege bei der Vermittlung von Forschung geht Güntürkün mit seinem Einsatz für die optimale Organisation schulischen Unterrichts, in die er wichtige Beiträge aus der Biopsychologie einbringt. Sehr erfolgreich in der Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte und Ergebnisse ist nach Ansicht der Jury auch das auf maßgebliche Initiative von Güntürkün aufgebaute Schülerlabor an der Ruhr-Universität, das seit 2004 mehr als 80000 Schülerinnen und Schüler besucht haben.

Die Motivation für diese Vermittlungsarbeit speist sich bei Onur Güntürkün nicht zuletzt aus der Überzeugung, dass die Freiheit der Forschung eine Bringschuld mit sich bringt, die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit allgemein verständlich zugänglich zu machen – was nach Ansicht der Jury in idealer Weise der Zielsetzung des Communicator-Preises entspricht. Mit seiner Persönlichkeit und Sprachmächtigkeit könne Güntürkün in besonderer Weise für Wissenschaft begeistern.

Onur Güntürkün ist der inzwischen 15. Preisträger des Communicator-Preises. Unter den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern waren unter anderem die Mathematiker Albrecht Beutelspacher und Günter M. Ziegler, der Meeresforscher Gerold Wefer, der Physiker Harald Lesch, der Paläontologe Friedemann Schrenk, die Sozialforscherin Jutta Allmendinger, die Arbeitsgruppe Glaziologie am Alfred-Wegener-Institut und der Bienenforscher und Verhaltensbiologe Jürgen Tautz. Im vergangenen Jahr wurde der Experimentalphysiker Metin Tolan ausgezeichnet.

Die Verleihung des Communicator-Preises findet am 1. Juli 2014 im Rahmen der DFG-Jahresversammlung in Frankfurt/Main statt. Das Preisgeld stammt vom Stifterverband, in dem sich mehr als 3000 Unternehmen und Privatpersonen für die Förderung der Wissenschaft und deren Austausch mit der Öffentlichkeit engagieren. Darüber hinaus erhält Onur Güntürkün ein Hologramm, das den Communicator-Preis symbolisiert. Das vom Kölner Künstler Michael Bleyenberg gestaltete Werk soll die Bedeutung der Transparenz in der Wissenschaft sichtbar machen. Wie das Hologramm entfaltet auch Wissenschaft nur dann ihre ganze Strahlkraft, wenn sie „ins rechte Licht“ gerückt wird.

Zum Preis

Der Communicator-Preis 2014
© DFG, Michael Bleyenberg

Wie auch in den Jahren zuvor hat der Maler und Lichtkünstler Michael Bleyenberg eine holographische Skulptur für den Communicator - Preis 2014 gestaltet. Eine prismatische Folie, eingebettet zwischen Spiegel und Glas, ruht in einem Sockel aus massivem Acrylglas, mit dem Namen des diesjährigen Preisträgers.

Der Entwurf nimmt Bezug auf die Skinner-Box-Experimente des Preisträgers. Aus der Presse erfahren wir, Tauben gehören zu den bevorzugten Versuchstieren von Onur Güntürkün. Angedeutet ist also eine typische experimentelle Situation: Taube vor Bild(Mustern).

Prof. Güntürkün weist darauf hin, dass einzelne Tauben mindestens 725 verschiedene visuelle Muster unterscheiden können. Bei einiger Übung setzen sie optische Symbole zur Kommunikation ein, sie lügen gelegentlich, und sie sind in der Lage, Kategorien wie „natürliche“ gegen „vom Menschen gemachte“ Figuren zu unterscheiden. Und an die Tatsache, dass sie offensichtlich sogar in der Lage sein sollen, Werke kubistischer von impressionistischer Malerei zu trennen, knüpft der Entwurf an.

Was sehen wir? Die flächig dargestellte Taube erkennt jeder sofort. Die zu "unterscheidenden Bildmuster" bestehen einerseits aus einer (kubistischen) Zeichnung, -Picasso nachempfunden, dekonstruiert, verfremdet-, und dem der Darstellung zu Grunde liegenden optischen Interferenz-Muster der holographischen Umsetzung.

Über Michael Bleyenberg

Michael Bleyenberg entwirft Lichtskulpturen und Lichtapplikationen für den öffentlichen Raum. Er gestaltete auch das große Wandbild mit dem Titel AUGENFEUER am Erweiterungsbau der DFG in Bonn, Bad Godesberg.

Michael Bleyenberg
Arnoldsstraße 41
50679 Köln/Cologne
fon.fax ++49(0)221 884648
mobil 01639034014
bleyenberg@web.de
http://www.bleyenberg-light-art.com
skype: michael_bleyenberg


Film-Portrait des Communicator-Preisträgers 2014 - Prof. Onur Güntürkün

Zusatzinformationen


Preisverleihung in Frankfurt/Main

Preisverleihung in Frankfurt/Main

Communicator-Preis-Verleihung in Frankfurt am Main. Der Preisträger, Professor Onur Güntürkün (m.), mit den Präsidenten der DFG, Professor Peter Strohschneider (l.), und des Stifterverbandes, Andreas Barner (r.)
Communicator-Preis-Verleihung in Frankfurt am Main. Der Preisträger, Professor Onur Güntürkün (m.), mit den Präsidenten der DFG, Professor Peter Strohschneider (l.), und des Stifterverbandes, Andreas Barner (r.)
© DFG, Ulrich Schepp


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Der Preisträger bei seinem Festvortrag
Der Preisträger bei seinem Festvortrag
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Preisverleihung im Anbau des Casinos des Campus Westend der Frankfurter Universität
Preisverleihung im Anbau des Casinos des Campus Westend der Frankfurter Universität
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DFG-Präsident Professor Peter Strohschneider
DFG-Präsident Professor Peter Strohschneider
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Der Präsident des Stifterverbandes Andreas Barner
Der Präsident des Stifterverbandes Andreas Barner
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Professor Frank Allgöwer, Vize-Präsident der DFG und Jury-Vorsitzender
Professor Frank Allgöwer, Vize-Präsident der DFG und Jury-Vorsitzender
© DFG, Ulrich Schepp


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Das Publikum im Anbau des Casinos der Universität Frankfurt am Main
Das Publikum im Anbau des Casinos der Universität Frankfurt am Main
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Vor der Verleihung
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Das Hologramm für Onur Güntürkün
Das Hologramm für Onur Güntürkün
© DFG, Ulrich Schepp


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Die Hologramme der vorangegangenen Communicator-Preise im Rückblick
Die Hologramme der vorangegangenen Communicator-Preise im Rückblick
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Freude beim Preisträger
Freude beim Preisträger
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DFG-Präsident und DFG-Generalsekretärin beim Vorempfang
DFG-Präsident und DFG-Generalsekretärin beim Vorempfang
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Gespräche am Rande
Gespräche am Rande
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