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Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS)
Forschungsdaten
Im Verlauf der Forschungstätigkeiten werden durch Quellensichtungen, Messungen, Feldstudien, Simulationen und Umfragen Daten erarbeitet und erhoben, die nach Abschluss der Untersuchungen in aller Regel unveröffentlicht bleiben und in den jeweiligen Forschungsinstitutionen überwiegend digital gespeichert werden. Es entstehen auch Grabungs- oder GIS-Daten, audiovisuelle oder sprachwissenschaftliche Daten, die in unterschiedlichen medialen Formen häufig dezentral in Datenbanken unterschiedlicher Formate vorliegen. All diese Daten stehen im Sinne der ‚guten wissenschaftlichen Praxis’ prinzipiell für etwaige Nachfragen bereit; die Informationen darüber, welche Daten wie gespeichert werden, hat aber nur der Autor selber. Das macht es schwierig, die Publikationen auf der Basis der erhobenen Daten zu überprüfen, das macht es quasi unmöglich, sie für verwandte Forschungsfragen nachzunutzen. Möglicherweise wurde aus diesem Grunde in der Vergangenheit manche Doppelarbeit geleistet, die die Ressourcen der jeweiligen Forschungseinrichtung unnötig belastet. Vor diesem Hintergrund wird seit längerem gefordert, neben den wissenschaftlichen Publikationen auch die den Forschungsergebnissen zugrundeliegenden Daten zu publizieren und öffentlich zugänglich zu speichern.
Die Umsetzung dieser Forderungen gestaltet sich jedoch schwierig. Im Gegensatz zu den Forschungspublikationen gelten für die Forschungsdaten völlig andere Anforderungen. Die Speicherung muss so organisiert sein, dass sie verständlich für die Forscher weltweit ist. Weiterhin müssen die Daten in verlässlichen Datenzentren abgelegt werden, wo sie gepflegt und auf lange Zeit archiviert werden und somit verfügbar bleiben. Das kann disziplinorientiert sein, institutionell oder als nationales Repositorium für Forschungsdaten. Die koordinierte und transparente Verfügbarkeit der Forschungsdaten deutscher Wissenschaftler dient allen Wissenschaftlern – national und international. Indem die Basisdaten verfügbar werden, gewinnen auch die Forschungsergebnisse an Wert.
Unter zwei Aspekten soll die systematische Zusammenarbeit zwischen Informationseinrichtungen (in erster Linie Bibliotheken) und wissenschaftlichen Datenzentren oder Projekten, die Forschungsdaten produzieren, gefördert werden. Zum einen soll die Entwicklung von disziplinspezifischen oder datentyp-spezifischen Erschließungs- und Retrievalverfahren gefördert werden, um den jeweils spezifischen Zugang zu den Daten zu optimieren. Zum anderen sollen Modelle zur Referenzierung und Verfügbarkeit von Forschungsdaten entwickelt werden. In den Pilotprojekten zum Zugang zu Forschungsdaten sollen jeweils eine Informationseinrichtung mit einem oder mehreren wissenschaftlichen Datenzentren zusammenarbeiten.
Begleitende Arbeitsgruppen und Workshops dienen der Entwicklung von Technologien, Standards und Verfahrensentwicklungen. Diese sollten in Zusammenarbeit mit DINI (Deutsche Initiative für Netzwerkinformation) und den Knowledge Exchange Partnern (vgl. die Rubrik „Projektförderung – Internationale Zusammenarbeit“) zusammengesetzt und organisiert werden. Regelmäßige Studien sollen die strategischen Förderziele, Technologien, Standards und Nutzungsszenarien evaluieren.
Auch für die Geisteswissenschaften ist der Aufbau einer Infrastruktur für die Forschungsdaten von hohem Interesse, so dass Nachweis, Zugriff und Sicherung der Daten aus geisteswissenschaftlichen Projekten in Deutschland möglicherweise national koordiniert werden. Für die internationale Wahrnehmbarkeit Deutschlands, insbesondere in Europa (European Strategy Forum on Research Infrastructures ESFRI) ist eine national adressierbare Organisationsstruktur zwingend notwendig – das gilt für die Geisteswissenschaften ebenso wie für die Natur- und Lebenswissenschaften.
Weitere Informationen
- Rundgespräch zu Forschungsprimärdaten am 17.01.2008 (pdf | 99 KB)
- Empfehlungen zur gesicherten Aufbewahrung und Bereitstellung digitaler Forschungsprimärdaten. Ausschuss für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme / Unterausschuss für Informationsmanagement. Januar 2009 (pdf | 60 KB)
- Joint Statement on Data Sharing in Public Health, May 2010 (pdf | 27 KB)
- Allianz-Initiative Digitale Information: Grundsätze zum Umgang mit Forschungsdaten
- Übersicht bewilligte Projekte aus der Ausschreibung „Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“ (pdf | 150 KB)