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Information für die Wissenschaft Nr. 35 | 19. Juni 2017
Schwerpunktprogramm „Entangled Africa: Innerafrikanische Beziehungen zwischen Regenwald und Mittelmeer (ca. 6000 bis 500 Jahre vor heute)“ (SPP 2143)

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im März 2017 die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Entangled Africa: Innerafrikanische Beziehungen zwischen Regenwald und Mittelmeer (ca. 6000 bis 500 Jahre vor heute)“ (SPP 2143) beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen. Die DFG lädt hiermit ein zur Antragstellung für die erste dreijährige Förderperiode.

Gesellschaftspolitischer Hintergrund und wissenschaftliche Zielstellung

Afrika erfährt derzeit ein hohes geopolitisches Interesse. Zum einen ist es der Kontinent, der am umfassendsten von globalen Klima- und Umweltveränderungen betroffen ist und dessen Gesellschaften und Wirtschaften am heftigsten unter interner Mobilität, Konflikten und Globalisierung leiden. Zum anderen ist Afrika auch der Kontinent, dem zahlreiche kulturelle Inspirationen und Innovationen zu verdanken sind und der in archäologischer Hinsicht ein Hotspot für die Erforschung der Menschheitsgeschichte ist.

Zahlreiche Konstellationen und Prozesse, die heute im nordhemisphärischen Afrika beobachtet werden können, haben ihre Ursachen in der historischen und prähistorischen Entwicklung. Dabei stehen relativ gut erforschten Räumen und Zeitstufen nahezu unbekannte Regionen und weitgehend unverstandene Zusammenhänge gegenüber. Die bisherige Erforschung dieser Zusammenhänge erfolgte vor allem von außen, mit einem starken Fokus auf die außerafrikanischen – das heißt europäischen und vorderasiatischen – Einflüsse.

Dieses Schwerpunktprogramm wagt einen grundlegenden Perspektivwechsel. Die Hypothese lautet, dass innerafrikanische Beziehungen einen viel größeren Einfluss auf die Entwicklung menschlicher Gesellschaften in Afrika hatten als bisher angenommen. Um diese Hypothese zu überprüfen, werden die traditionellen Blickrichtungen der archäologischen Afrikaforschung umgekehrt. Nicht extrakontinentale Einflüsse sollen im Zentrum des Interesses stehen, sondern das Innere des Kontinents. Es soll ein besseres Verständnis darüber erreicht werden, welche innerafrikanischen Interaktionen in der Vergangenheit stattfanden und welche Prozesse vom afrikanischen Kontinent ausgehend auf benachbarte Regionen einwirkten.

Ziel des Schwerpunktprogramms ist es, das vielschichtige Geflecht weitreichender Beziehungen und Interaktionen der afrikanischen Vergangenheit im Raum zwischen Mittelmeer und Regenwald sichtbar werden zu lassen. Mittels eines breiten geistes- und naturwissenschaftlichen Methodenspektrums sollen Beziehungen und Vernetzungen erörtert werden, die in den letzten 6000 Jahren einen prägenden Einfluss auf die menschlichen Gesellschaften hatten und die auch heute noch in unserer modernen und globalisierten Welt von Bedeutung sind.

Methodischer Rahmen und Hauptfragestellungen

Das Schwerpunktprogramm ist auf archäologische Forschungsvorhaben ausgerichtet. In den geförderten Vorhaben wird in enger Zusammenarbeit mit den afrikanischen Partnerinnen und Partnern gearbeitet. Da Vernetzung erforscht werden soll, muss die Thematik der Projekte auf Überregionalität ausgerichtet sein. Drei Fragestellungen stehen im Vordergrund:

1. Welche Indikatoren für überregionale Kontakte und Vernetzungen der Vergangenheit lassen sich erfassen?

Die erste Hauptfrage zielt darauf ab, durch empirische Grundlagenforschung die überlieferten Anzeiger überregionaler Kontakte zu erfassen. Darunter werden einerseits ortsfremde Objekte oder Materialien verstanden, deren Herkunft es zu klären gilt; andererseits aber auch Akteure, die sich beispielsweise anhand innovativer Technologien wie Nahrungsproduktion, Keramik- oder Metallherstellung oder Architektur erkennen lassen oder die durch Schriftquellen nachgewiesen sind.

2. Welche Formen nahmen diese Interaktionen und Vernetzungen an?

Die zweite Hauptfrage führt uns dahin, Form und Organisation von Interaktionen zu analysieren, ihre räumliche Ausdehnung, zeitliche Tiefe und Infrastruktur zu erfassen. Ziel ist, ihre Mechanismen zu verstehen, beispielsweise, welches Mobilitätsschema hinter dem Kontakt steckt: Migration, Austausch oder Handel? Auch gilt es Fragen nach ihrer Ursache oder Motivation, wie sie sich unter anderem im Zusammenhang mit der Ausbreitung technischer Innovationen stellen, zu beantworten.

3. Welche Muster lassen sich erkennen?

Welche Territorien sind zu welcher Zeit und auf der Basis welcher Mechanismen vernetzt? Hier werden ganz konkret die besonderen Einflussgrößen der letzten sechs Jahrtausende in den Blick genommen. Es gilt zu bewerten, welche Rolle die geografische Situation spielte, welche Klima- und Umweltveränderungen sowie gesellschaftlichen Umbrüche bei der Konfiguration von Vernetzungsmechanismen von Bedeutung waren.

Projektanträge sollten den räumlichen und zeitlichen Bezugsrahmen einhalten, das heißt auf Afrika zwischen Mittelmeer und Regenwald und auf einen Zeitraum zwischen 6000 und 500 Jahren vor heute fokussieren. Mindestens eine der drei oben genannten Hauptfragen ist dabei inhaltlich an zentraler Stelle zu berücksichtigen. Dadurch werden Kohärenz und Konnektivität zwischen den teilnehmenden Projekten gewährleistet. Mögliche Kooperationen mit anderen Forschungsvorhaben, die gleichzeitig im Rahmen des Schwerpunktprogramms beantragt werden, sind ausdrücklich erwünscht und sollten bereits im Antrag genannt werden. Bitte beachten Sie bei der Konzeption der Projektanträge, dass der finanzielle Gesamtrahmen für die Ausschreibung begrenzt ist.

Antragstellung

Reichen Sie Ihren Antrag bitte bis spätestens 15. November 2017 bei der DFG ein. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich über das elan-Portal zur Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten. Bitte wählen Sie unter „Antragstellung – Neues Projekt/Antragsskizze – Schwerpunktprogramm“ im elektronischen Formular aus der angebotenen Liste „SPP 2143 – Entangled Africa: Innerafrikanische Beziehungen zwischen Regenwald und Mittelmeer (ca. 6000 bis 500 Jahre vor heute)“ aus.

Berücksichtigen Sie bitte beim Aufbau Ihres Antrags das DFG-Merkblatt 54.01 zu Sachbeihilfen mit Leitfaden für die Antragstellung und die Hinweise im Merkblatt Schwerpunktprogramm 50.05, Teil B. Bitte senden Sie ein weiteres Exemplar des Antrags in elektronischer Form an den Koordinator des Programms.

Handelt es sich bei dem Antrag innerhalb dieses Schwerpunktprogramms um Ihren ersten Antrag bei der DFG, beachten Sie, dass Sie sich bis zwei Wochen vor der Antragstellung im elan-Portal registrieren müssen. Bitte wählen Sie im Registrierungsformular bei den abschließenden Angaben ebenso wie bei der Antragstellung Ihr Schwerpunktprogramm aus der angebotenen Liste der Ausschreibungen aus. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag.

Weiterführende Informationen

Detaillierte Informationen zum Schwerpunktprogramm erhalten Sie im Internet unter:

Das elan-Portal der DFG zur Einreichung der Anträge finden Sie unter:

Die Merkblätter DFG-Vordruck 50.05 und 54.01 stehen unter:

Inhaltliche Fragen beantwortet Ihnen der Koordinator des Schwerpunktprogramms:

  • Privatdozent Dr. Jörg Linstädter,
    Deutsches Archäologisches Institut (DAI),
    Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK) Bonn,
    Tel. +49 228 997712-0,
    joerg.linstaedter@dainst.de

Auskünfte zur Antragstellung bei der DFG erteilen:

Hinweis:

Diese "Ausschreibung - Information für die Wissenschaft" ist unter der URL
www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2017/info_wissenschaft_17_35/ 
erreichbar. Bitte verwenden Sie ausschließlich diese URL, um das Dokument zu zitieren oder per Link einzubinden.

Zusatzinformationen

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