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Information für die Wissenschaft Nr. 42 | 10. Juli 2017
Förderinitiative für Hochdurchsatzsequenzierung, Ausschreibung für NGS-Kompetenzzentren an Hochschulen

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) plant die Einrichtung von Kompetenzzentren für Next Generation Sequencing (NGS) an Hochschulen. Die DFG lädt hiermit ein zur Antragstellung für diese Förderinitiative.

In vielen Fachbereichen der Lebenswissenschaften spielt der Zugang zu anspruchsvollen OMICS-Technologien eine immer bedeutendere Rolle in der Grundlagenforschung. Durch diese Hochdurchsatzmethoden können Variationen in der Gesamtheit von Molekülklassen wie Proteinen und DNA beziehungsweise RNA erfasst und untersucht werden.

Der Senat der DFG – unterstützt durch weitere Gremien und unter Beteiligung zahlreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – hat sich intensiv mit der Nutzung von OMICS-Technologien befasst. Ein Fokus lag dabei auf der DNA- und RNA-Sequenzierung, da dieser Bereich in den letzten Jahren durch die Entwicklung neuer Technologien (Next Generation Sequencing, NGS) einem rasanten Wandel unterliegt, der sowohl die lebenswissenschaftliche Grundlagen- als auch die angewandte Medizinforschung nachhaltig beeinflusst. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik und die Analyse der Randbedingungen für eine adäquate Projektdurchführung und -finanzierung an Hochschulen haben einen Handlungsbedarf im Bereich mittelgroßer NGS-Projekte – damit sind Projekte mit NGS-Kosten im sechsstelligen Bereich gemeint – aufgezeigt, dem im Rahmen dieser Förderinitiative Rechnung getragen werden soll.

Zur gezielten Unterstützung von Forschungsprojekten, die auf dem Einsatz derartiger Methoden beruhen, wurde eine dedizierte Fördermaßnahme beschlossen, die sich auf die Projektförderung einerseits, aber auch auf die erforderlichen infrastrukturellen Voraussetzungen andererseits bezieht. Essenziell im Bereich NGS ist eine integrale Workflow-Betrachtung, die auch eine bioinformatische Beratung im Vorfeld und bei der Auswertung der Daten beinhaltet. Hier liegt der Mehrwert in der Nutzung von akademischen Einrichtungen, da qualitativ hochwertige und den sehr diversen wissenschaftlichen Fragestellungen angepasste Sequenzierleistungen zurzeit oftmals nicht durch kommerzielle Lösungen beziehungsweise Anbieter abbildbar sind.

In einem ersten Schritt möchte die DFG nun die Konzentration herausragender Kompetenz und Ressourcen im Bereich NGS an zwei bis drei deutschen Hochschulen fördern. Diese NGS-Kompetenzzentren sollen allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland zur Verfügung stehen, um den Zugang zu diesen Ressourcen im notwendigen Maße zu gewährleisten. Als wesentliches Element dient dabei die Vergabe von Investitionsmitteln für Sequenziertechnologie bis zur Höhe von insgesamt 10 Millionen Euro, begleitet von der Finanzierung von Sachmitteln und von insgesamt bis zu sechs wissenschaftlichen Personalstellen für bioinformatische Beratungen und Analysen für drei Jahre. Der Datenoutput, der mit der Sequenziertechnologie erreicht werden soll, beträgt voraussichtlich über 250 Terabyte pro Jahr und Standort, abhängig davon, ob zwei oder drei Zentren gefördert werden und in welche Technologie letztendlich investiert wird.

In einem zweiten Schritt ist eine Förderung von Sequenzierkosten in wissenschaftlichen Projekten mit einem mittelgroßen (100 000 bis 1 Million Euro) Sequenzierbedarf vorgesehen. Eine entsprechende Ausschreibung soll im Jahr 2018 erfolgen.

Voraussetzungen zur Antragstellung

Die eigentlichen NGS-Kompetenzzentren müssen räumlich an Hochschulen konzentriert sein und grundsätzlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus allen Fachbereichen offenstehen. Dahingehend ist es möglich, dass zusätzliche Expertise – beispielsweise in der Probenvorbereitung und Datenanalyse von DNA/RNA verschiedener Taxa – durch Kooperationen mit weiteren Partnern und Hochschulen beziehungsweise außeruniversitären Einrichtungen eingebunden wird.

Die Ausschreibung richtet sich an Hochschulen, die über dokumentierte Erfahrung in der Bereitstellung von NGS-Ressourcen und -Serviceangeboten verfügen sowie prinzipiell eine gesamtheitliche Workflow-Betrachtung anbieten können. Letzteres schließt eine wissenschaftliche, technologische und bioinformatische Beratung (einschließlich Ausbildungsangeboten) der Nutzer im Vorfeld und nach Abschluss der Sequenzierung (Datenanalyse) ein. Anträge sollten daher ein Umsetzungskonzept beinhalten, das alle relevanten Facetten in Hinblick auf die beabsichtigte Nutzung der NGS-Infrastruktur durch Projekte adressiert, einschließlich Datenschutz und Datenmanagement. Die Zentren sollen allerdings nicht als Anbieter von Pauschalangeboten verstanden werden. Es wird in vielen Fällen notwendig sein, dass lokale Expertise – auch in der Datenauswertung – am Standort externer Nutzer vorgehalten wird, um letztendlich publikationsreife Ergebnisse zu erhalten.

Von den Hochschulen wird erwartet, dass sie bereit sind, im Falle der Förderung eigene Ressourcen wie beispielsweise weiteres Personal und IT-Infrastrukturen bereitzustellen und die weitere Entwicklung der Zentren über eine DFG-Förderung hinaus als ihre Aufgabe anzusehen.

Die DFG erwartet von den geförderten NGS-Kompetenzzentren die Durchführung der über eine separate Ausschreibung von ihr zu finanzierenden NGS-Projekte. Das umfasst insbesondere das aktive Engagement im Rahmen der weiter unten beschriebenen Koordinierung und die Bereitschaft zu einer insgesamt abgestimmten Technologieauswahl.

Um den nach wie vor sehr dynamischen Entwicklungen im Bereich der NGS-Technologien gerecht zu werden, wird eine Entscheidung über die zu beschaffenden Geräte gemeinsam von den erfolgreichen Bewerbern und unter Federführung der DFG nach Abschluss des Bewilligungsverfahrens getroffen. Eine zentrale Koordinationseinheit für die NGS-Kompetenzzentren, die beispielsweise für das Overflow-Management, die Akkreditierung, Erarbeitung von Standards, Mitarbeiterschulung und Qualitätskontrolle verantwortlich ist, würde nach der Auswahl der Standorte durch die Zentren unter Federführung der DFG geschaffen. Diese Einheit wäre auch für die Erarbeitung gemeinsamer Konzepte im Bereich des Datenschutzes und Datenmanagements verantwortlich.

Es wird vorausgesetzt, dass mindestens 50 Prozent der Hauptnutzungszeit der Sequenziergeräte DFG-geförderten Projekten zur Verfügung steht. Die restliche Hauptnutzungszeit soll wissenschaftlichen Arbeitsgruppen des Standorts und aus ganz Deutschland für die Grundlagenforschung zur Verfügung gestellt werden, bei entsprechender Beteiligung an den Betriebskosten. Um einen geregelten Zugang zu dieser Nutzungszeit sicherzustellen, wird eine Bewilligung an die Auflage geknüpft, eine adäquate Nutzungsordnung und ein wissenschaftsgeleitetes Auswahlverfahren zu schaffen. In den Anträgen sollen daher auch Konzepte für die Nutzung durch Externe detailliert beschrieben werden. Eine kommerzielle Nutzung der Geräte ist ausgeschlossen.

Termine, Fristen und weitere Hinweise

An der Antragstellung interessierte Hochschulen müssen bis 15. September 2017 per E-Mail eine maximal zweiseitige Absichtserklärung als PDF-Datei an WGI-NGS@dfg.de senden. Diese soll die Nennung der federführenden wissenschaftlichen Person sowie die wichtigsten Merkmale des NGS-Konzepts der Hochschule enthalten. In Hinblick auf die Vorbereitung der Begutachtung sollte eine Liste derjenigen Personen und Einrichtungen beigefügt werden, mit denen im Rahmen des Kompetenzzentrums eine konkrete Vereinbarung zur Zusammenarbeit angestrebt wird, ebenso eine Liste von bereits vorhandenen internationalen NGS-Kooperationspartnern. Die Abgabe einer Absichtserklärung ist Antragsvoraussetzung.

Anträge müssen bis spätestens 30. November 2017 bei der DFG eingereicht werden. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich durch die Hochschule unter Benennung einer aus wissenschaftlicher Sicht verantwortlichen Person. Bei der Antragstellung sind die inhaltlichen Hinweise zur Ausschreibung und das Antragsmuster mit weiteren Hinweisen zu berücksichtigen (siehe unten).

Einbindung weiterer Ressourcen

Des Weiteren ruft die DFG alle wissenschaftlichen – auch außeruniversitären – Einrichtungen in Deutschland dazu auf, verfügbare Sequenzierkapazitäten (mit mehr als circa 100 Terabyte Datenoutput pro Jahr) aufzuzeigen, die in die DFG-NGS-Initiative eingebunden werden könnten. Die Einrichtungen, die nicht bereits als Partner in ein geplantes NGS-Kompetenzzentrum eingebunden sein sollten, werden gebeten, sich bis 15. September 2017 per E-Mail an WGI-NGS@dfg.de zu wenden. Folgende Informationen sollten dabei in einer PDF-Datei übermittelt werden: Anschreiben der Leitungsebene der Einrichtung; Nennung einer federführenden Person und der wichtigsten Merkmale der freien NGS-Kapazität (zum Beispiel Art der Technologie; Umfang der freien Kapazität; vorhandene Fachexpertisen mit Bezug auf unterschiedliche Taxa und Workflows; Möglichkeiten der bioinformatischen Beratung im Vorfeld beziehungsweise zur Datenanalyse; Beispiele für anfallende Kosten pro Probe/Workflow bei zentraler Kostenübernahme durch die DFG). Auf diese Weise kann bei der Begutachtung die Einbindung geprüft werden.

Weiterführende Informationen

Ausführliche Hinweise zur Antragstellung und das Antragsmuster sind zu finden unter:

Ansprechpartner bei der DFG:

  • Dr. Gunter Merdes,
    Gruppe Wissenschaftliche Geräte und Informationstechnik,
    Tel. +49 228 885-2476,
    WGI-NGS@dfg.de

Hinweis:

Diese "Ausschreibung - Information für die Wissenschaft" ist unter der URL
www.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2017/info_wissenschaft_17_42/
erreichbar. Bitte verwenden Sie ausschließlich diese URL, um das Dokument zu zitieren oder per Link einzubinden.

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