Zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite Deutsche Forschungsgemeinschaft

Information für die Wissenschaft Nr. 38 | 27. Juni 2016
Schwerpunktprogramm „Robust Argumentation Machines“ (SPP 1999)

Das DFG-Schwerpunktprogramm „Robust Argumentation Machines (RATIO)“ (SPP 1999) wurde vom Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im März 2016 für eine Laufzeit von sechs Jahren eingerichtet. Die Ausschreibung lädt ein zur Einreichung von Anträgen für die erste dreijährige Förderperiode.

In komplexen Entscheidungssituationen stehen Individuen und Organisationen vor einer Vielzahl von Alternativen. Aufgrund der Menge der zur Verfügung stehenden Informationen ist eine automatisierte Unterstützung unabdingbar, um entscheidungsrelevante Fakten und Argumente zu finden, sie in einem gegebenen Kontext zu analysieren und sie zusammenzufassen – allerdings mangelt es dafür an geeigneten Technologien. Systeme wie IBM Watson operieren auf einzelnen Fakten als isolierte Informationseinheit und können diese effizient aus Texten extrahieren, nicht aber Argumente kontextualisieren oder validieren. Reine (auch auf Big Data basierende) Korrelationsanalysen greifen offensichtlich zu kurz, da sie keine Erklärungen liefern. Im Kontext des Mensch-Maschine-Dialogs ist die Generierung von Erklärungen essenziell, um zum Beispiel das fehlerhafte Verhalten einer Maschine einem Anwender zu erklären und ihn bei der Fehlerbehebung zu unterstützen.

Das geplante Schwerpunktprogramm strebt einen Paradigmenwechsel an, in dem anstelle einzelner Fakten argumentative Strukturen die Informationseinheit bilden. Dazu werden robuste und skalierbare Methoden benötigt, die Argumente und ihre Zusammenhänge aus Dokumenten extrahieren können, sowie auch neue semantische Modelle und Ontologien zur tiefen Repräsentation von Argumenten und Argumentketten. Neue Suchverfahren sind erforderlich, die Argumente indexieren, für eine Suchanfrage die relevanten Für- und Gegenargumente finden sowie diese der Interaktion mit einem Nutzer zugänglich machen. Auch sind neue Verfahren des maschinellen Schlussfolgerns zu entwickeln, um Implikationen von Argumenten und deren Plausibilität bewerten zu können.

Gemäß der Definition von Eemeren wird in diesem Schwerpunktprogramm Argumentation als ein dialektischer Prozess verstanden, in dem eine Menge von Propositionen verhandelt wird, die bestimmte Schlussfolgerungen erlauben – mit dem Ziel, die eigene Position für einen rational agierenden Dritten schlüssig, nachvollziehbar und akzeptabel zu machen. Akteure argumentieren mit und gegeneinander vor einem Publikum, verfolgen bestimmte Absichten, operationalisieren komplexe, fachwissenschaftliche Begriffe auf unterschiedliche Weise. Argumente sind im Regelfall subjektiv geprägt und nicht perfekt in dem Sinne, dass sie implizite oder gar faktisch falsche Annahmen machen, vage und ambig bleiben oder lückenhaft formuliert sind. Dadurch wird die systematische Analyse von natürlichsprachlichen Argumenten vor große Herausforderungen gestellt; sie erfordert konzertierte Forschungsanstrengungen und Innovationen, die Methoden aus folgenden Kerndisziplinen kombinieren: Information Retrieval (IR), Computerlinguistik (CL), (Wissens-) Repräsentation und Inferenz (RI), Semantic Web (SW) und Mensch-Maschine-Interaktion (MMI). Es sollen Methoden entwickelt werden, die Argumente robust und skalierbar erfassen, repräsentieren, aggregieren und für einen Anwender kontextualisiert aufbereiten. Dabei soll die Entwicklung von Methoden durch vier grundlegende Szenarien geleitet werden:

  • Deliberation: Zu einem gegebenen Thema, einer Initiative oder These sollen alle Für- und Gegenargumente aus relevanten Quellen extrahiert, aufbereitet, aggregiert und präsentiert werden.
  • Validierung: Ein gegebenes Argument oder eine Argumentationskette soll auf interne Kohärenz, Konsistenz oder Plausibilität geprüft werden, auch unter Einbeziehung von Daten aus der realen Welt.
  • Rekonstruktion: Die Gründe und ausgetauschten Argumente für eine getroffene Entscheidung sollen a posteriori extrahiert und aufbereitet werden, um Entscheidungsprozesse transparent zu machen.
  • Synthese: Zur Entscheidungsunterstützung in einem gegebenen Kontext sollen verschiedene Handlungsoptionen und Alternativen mit entsprechender Konstruktion von Argumenten aufbereitet und Nutzern interaktiv zugänglich gemacht werden.

Von Projekten wird ein neuer methodischer Beitrag erwartet, der (1) die genannten Szenarien über den Stand der Technik hinaus erweitert, (2) im Sinne von Robustheit auf die Analyse von Argumenten in natürlichsprachlichen Texten fokussiert und (3) im Sinne von Skalierbarkeit auf reale Anwendungskontexte und realistische Daten abzielt. Die beantragten Projekte sollen interdisziplinär, das heißt zwischen Partnern der oben genannten Kerndisziplinen konzipiert sein. Es können sowohl Projekte aus den Kerndisziplinen sowie Kooperationen zwischen Kerndisziplinen und Anwendungsfeldern gefördert werden. Eine Kooperation mit Anwendern aus Bereichen wie Soziologie, Politik, Rechtswissenschaften, Medizin o. Ä. ist ausdrücklich erwünscht. Der Aufbau von Korpora und Ressourcen kann auch gefördert werden, sofern auch ein genuiner methodischer Beitrag vorhanden ist.

Bitte reichen Sie Ihren in englischer Sprache verfassten Antrag bis spätestens 29. November 2016 über das elan-Portal ein – dieses steht Ihnen für die Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten zur Verfügung. Wählen Sie in der angebotenen Liste der Ausschreibungen unter der Rubrik Schwerpunktprogramme „SPP 1999“ aus. Berücksichtigen Sie bitte beim Aufbau Ihres Antrags das DFG-Merkblatt 54.01 zu Sachbeihilfen mit Leitfaden für die Antragstellung und die Hinweise im Merkblatt Schwerpunktprogramm 50.05, Teil B – Allgemeine Informationen zur Antragstellung (insbesondere zur Antragsberechtigung und zu den beantragbaren Mitteln).

Handelt es sich bei dem Antrag innerhalb dieses Schwerpunktprogramms um Ihren ersten Antrag bei der DFG, berücksichtigen Sie, dass Sie sich bis zwei Wochen vor der Antragstellung im elan-Portal registrieren müssen. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag. Ohne vorherige Registrierung ist eine Antragstellung nicht möglich.

Der Termin der Begutachtung wird zu gegebener Zeit bekannt gegeben.

Weitere Informationen

Das elan-Portal der DFG zur Einreichung der Anträge finden Sie unter:

Die Merkblätter DFG-Vordruck 50.05 und 54.01 stehen unter:

Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen der Koordinator des Schwerpunktprogramms zur Verfügung:

  • Professor Dr. Philipp Cimiano,
    Universität Bielefeld, Center of Excellence,
    Cognitive Interaction Technology (CITEC),
    Tel. +49 521 106-12249,
    cimiano@cit-ec.uni-bielefeld.de

Informationen zur Antragstellung bei der DFG erteilen:

Inhaltliche Informationen:

Formale Informationen:

© 2010-2017 by DFG
Ausdruck aus dem Angebot der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)