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Information für die Wissenschaft Nr. 29 | 11. Mai 2015
Schwerpunktprogramm „Intentional Forgetting in Organisationen“ (SPP 1921)

Mechanismen des Vergessens als Anpassungsleistungen von Organisationen an eine Umwelt stetig wachsender Informationsmengen

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Intentional Forgetting in Organisationen“ (SPP 1921) beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen. Die Ausschreibung lädt ein zur Einreichung von Anträgen für die erste dreijährige Förderperiode.

In modernen Organisationen werden große Mengen an Informationen erfasst, verarbeitet und gespeichert. Technische Grenzen der Speicherkapazität bestehen heute nicht mehr. Jede „technisch gespeicherte“ Information bleibt in Organisationen prinzipiell erhalten. Wenn man sich dieses Szenario vor Augen führt, stellt sich die Frage, mit welchen Anpassungserfordernissen eine Organisation langfristig im Zuge dieser stetig wachsenden Menge an gespeicherten Information konfrontiert ist.

Im Schwerpunktprogramm soll der Ansatz verfolgt werden, ein beim Menschen durch die Evolution hervorgebrachtes Erfolgsprinzip des „Vergessens“ auch für sozio-digitale Systeme der Organisation nutzbar zu machen. Vergessen ist keine Fehlfunktion in der menschlichen Informationsverarbeitung, sondern eine essenziell adaptive Funktion. Organisationen besitzen diese den Menschen angeborenen Vorteile des Vergessens jedoch nicht. Sie stehen damit vor Aufgaben der Anpassung an eine kontinuierlich steigende Menge an Informationen und vor der Frage, wie sie sich mit Strategie, Struktur, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Technologie und Prozessen daran anpassen können. Bisherige Organisa­tionstheorien können auf diese Fragen keine Antworten geben. Erste theoretische Überlegungen zum organisationalen Vergessen wurden bereits entwickelt, stehen jedoch bisher weitgehend unverbunden nebeneinander und lassen vor allem eine empirische Prüfung vermissen.

Ziele des Schwerpunktprogramms sind:

  • Die Mechanismen des menschlichen Vergessens für einen technisch-organisationalen Kontext nutzbar zu machen.
  • Die bis dato existierenden Organisationstheorien weiterzuentwickeln im Hinblick auf die Frage, wie eine Passung hergestellt werden kann zwischen den Prozessen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Technologien und Strukturen der Organisation und der Informationsmenge, die intern und extern der Organisation generiert wird, indem die Informationssysteme in Organisationen befähigt werden zu vergessen.
  • Interdisziplinär neue Methoden und Übertragungswege für Organisationen zu entwickeln, um die Balance zwischen stetig wachsenden Mengen an gespeicherten Informationen und einer Informationsreduktion durch Vergessen zu finden.

Die Erreichung dieser Forschungsziele erfordert einen Perspektivenwechsel, in dem nicht mehr der Mensch als fehlerhaft und unperfekt im Vergleich zur Technik betrachtet wird, sondern der Mensch als Vorbild für die Technik dient. Dabei stellt das geplante Schwerpunktprogramm den organisationalen Kontext von Fabrik und Verwaltung in den Mittelpunkt der Forschungsbetrachtungen.

Zur Erreichung der Ziele werden für die erste Förderperiode (2016 bis 2019) drei Arbeitsfelder (AF) mit leitenden Forschungsfragen definiert.

Arbeitsfeld 1: Verstehen, Erfassen, Systematisieren und Formalisieren von Vergessensmechanismen im menschlichen Arbeitskontext

Arbeitsfeld 2: Erforschen, wie Informationssysteme/Intelligente Systeme vergessen sollten

Arbeitsfeld 3: Erforschen, wie Organisationen vergessen sollen

Die AF 1 bis 3 sollen durch sogenannte interdisziplinäre Tandemprojekte erforscht werden, das heißt, in den Projekten sollen interdisziplinäre Forschungsfragen und -methodiken der Kognitions-, Arbeits- und Organisationspsychologie, Kognitionswissenschaften, Informatik, Angewandte und Wirtschaftsinformatik sowie der Arbeits- und Betriebsorganisation zur Anwendung kommen.

Das Schwerpunktprogramm stellt die organisationalen Kontexte von Fabrik beziehungsweise Verwaltung in den Mittelpunkt der Forschungsbetrachtungen. Dies hat den Vorteil, Anknüpfungspunkte zu Forschungsaktivitäten im Bereich Industrie 4.0 und zu organisationspsychologischen Forschungen, zum Beispiel in der öffentlichen Verwaltung, zu schaffen und somit in Bezug auf Kooperationen und Publikationen anschlussfähig zu sein.

Mit der Einschränkung auf Fabrik und Verwaltung

  • grenzt sich das geplante Schwerpunktprogramm von Anwendungen im privaten/häuslichen oder medizinischen Bereich ab,
  • thematisiert das geplante Schwerpunktprogramm repräsentative organisationale Bereiche mit großer Verbreitung,
  • nutzt das geplante Schwerpunktprogramm Überschneidungsbereiche zum Vergleich und zur Kontrastierung von Erkenntnissen,
  • schafft das geplante Schwerpunktprogramm Synergien in der Betrachtung und der Vergleichbarkeit der Ergebnisse der beantragten Projekte.

Für interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besteht die Möglichkeit, an einem vorbereitenden Treffen teilzunehmen. Dieses findet am 29./30. Juni 2015 in Bochum statt – nähere Informationen finden Sie auf der Homepage des Schwerpunktprogramms.

Die vollständigen Anträge für die erste Förderperiode können bis zum 12. Januar 2016 bei der DFG elektronisch eingereicht werden. Die Antragstellung erfolgt über das elan-Portal zur Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten. Bitte wählen Sie das Schwerpunktprogramm aus der angebotenen Liste aus. Wenn es sich bei der Antragstellung um Ihren ersten Antrag bei der DFG handelt, berücksichtigen Sie bitte, dass Sie sich bis zum 7. Januar 2016 im elan-Portal registrieren müssen. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag. Ohne vorherige Registrierung ist eine Antragstellung nicht möglich. Für die Antragstellung sind die Vorgaben der Merkblätter 50.50 und 54.01 zu beachten.

Weiterführende Informationen

Das elan-Portal der DFG zur elektronischen Antragstellung ist zu finden unter:

Die DFG-Merkblätter 50.05 und 54.01 stehen unter:

Weitere inhaltliche und organisatorische Informationen finden sich auf der Homepage des SPP 1921 unter:

Fragen zu den wissenschaftlichen Zielen des Schwerpunktprogramms richten Sie bitte an die Koordinatoren:

  • Prof. Dr. Annette Kluge,
    Ruhr-Universität Bochum,
    Lehrstuhl Wirtschaftspsychologie,
    44780 Bochum,
    Tel. +49 234 322-8607,
    annette.kluge@rub.de
  • Prof. Dr-Ing. Norbert Gronau,
    Universität Potsdam,
    Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government,
    14482 Potsdam,
    Tel. +49 331 977-3322,
    ngronau@wi.uni-potsdam.de

Weitergehende Fragen zur Antragstellung beantwortet Ihnen bei der DFG:

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