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Information für die Wissenschaft Nr. 34 | 10. Juni 2014
Schwerpunktprogramm „Kooperativ Interagierende Automobile“ (SPP 1835)

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im April 2014 die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Kooperativ Interagierende Automobile (SPP 1835)“ beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre (zwei mal drei Jahre) vorgesehen.

Das Schwerpunktprogramm konzentriert sich auf folgende Themenbereiche:

a) Kooperative Wahrnehmung
Zur Informationsgewinnung stehen kooperativ interagierenden Automobilen nicht nur die fahrzeugeigenen Sensoren zur Verfügung, sondern auch kommunizierte Information von Sensoren anderer Automobile. Zur vollständigen Nutzung der in diesem „telematischen Wahrnehmungshorizont“ gewonnenen Information sind Ansätze für die robuste Berücksichtigung der unterschiedlichen Informationsqualität aufgrund von Latenzen, unsicherer räumlich-zeitlicher Akquisition und möglicher zyklischer Informationsflüsse zu untersuchen.

b) Situationsprädiktion
Auf Basis der wahrgenommenen Information ist die aktuelle Verkehrssituation zu erfassen und eine Vorhersage des Verhaltens und der Trajektorien aller Verkehrsteilnehmer für die nahe Zukunft abzuschätzen. Methoden zur Antizipation der Bewegung von Menschen und Fahrzeugen sind hierfür ebenso zu erforschen wie die Sicherstellung der Antizipierbarkeit des eigenen Verhaltens für andere.

c) Kooperative Manöver- und Trajektorienplanung
Aufbauend auf der unsicherheitsbehafteten Wahrnehmung und Prädiktion der Verkehrssituation sind Methoden zur kooperativen Trajektorienplanung zwischen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern zu untersuchen. Hierbei sind implizite oder explizite Verhandlungen über unterschiedliche Handlungsoptionen zu untersuchen, die auf Optimierung eines ganzheitlichen und gemeinsamen Gütekriteriums abzielen.

d) Daten und Informationsbasis
Kooperativ interagierende Automobile sollen ihr Wissen in einer kollektiven Daten- und Informationsbasis aggregieren und nachfolgendem Verkehr bereitstellen. Der Fokus der durch „crowd mapping“ akkumulierten Information liegt im SPP nicht auf geometrischer Information, wie sie etwa in üblichen SLAM Ansätzen von Interesse ist, sondern vor allem auf Information, die unmittelbar für taktische Verhaltensentscheidungen im Straßenverkehr nutzbar ist (z.B. Inferenz semantischer Information über lokale Vorfahrtsregeln und -bedingungen).

e) Systemergonomie
Um wissenschaftlichen Fortschritt zum Nutzen des Menschen zu gestalten, sind Untersuchungen zur Interaktion zwischen dem (Mit-)Fahrer und dem automatischen Fahrzeug wichtig, sodass Insassen automatische Verhaltensentscheidungen nachvollziehen und akzeptieren sowie notwendigenfalls verändern können.

f) Querschnittsthemen kooperativ interagierender Automobile
Ganzheitlich soll das Schwerpunktprogramm Beiträge zu Bewertungsmetriken der Informationsqualität und der kognitiven Leistungsfähigkeit sowie der Trajektoriensicherheit erschließen.

Im vorgeschlagenen Schwerpunktprogramm soll dabei in einem interdisziplinären Zusammenschluss von Wissenschaftlern eine ganzheitliche systemtheoretische Sicht auf kooperativen Verkehr und der Evaluation in einem ganzheitlichen System gelegt werden. Jedes Projekt des SPP soll Methoden für die Kooperation zwischen Verkehrsteilnehmern untersuchen, unter denen sich mindestens ein automatisches Fahrzeug befindet.

Zur Evaluation wird im SPP in der ersten dreijährigen Projektphase eine Simulationsumgebung entwickelt. Idealerweise werden die einzelnen Teilprojekte ihre Beiträge darin mit anderen Teilprojekten vernetzen und dadurch die Leistungsfähigkeit ihrer Methoden in einem Gesamtsystem aufzeigen. Darüber hinaus soll das Potenzial einer exemplarischen Umsetzung in realen Erprobungsfahrzeugen bzw. Infrastruktur erkennbar sein, die spätestens in einer möglichen zweiten Phase erfolgen würde.

Die Projektanträge sollen explizit erläutern, welcher der genannten Themenbereiche schwerpunktmäßig adressiert wird, warum die untersuchte Fragestellung dafür relevant ist, welche neuartigen wissenschaftlichen Ansätze und Methoden für die Lösung erforscht werden sollen und welche Ergebnisse bei erfolgreichem Verlauf entstehen und ggf. auch anderen Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt würden. Interdisziplinäre Anträge sowie Projekte, die eine Bewertung im Zusammenwirken mit anderen Projekten ermöglichen, sind besonders erwünscht.

Arbeiten, die den Schwerpunkt auf Fahrerassistenzfunktionen oder die eigenständige Automatisierung einzelner Fahrzeuge ohne kooperative Interaktion legen, sowie Projekte, die nur singuläre Komponenten (Car2X, Aktorik etc.) im Fokus haben, liegen hingegen nicht im Fokus des SPP.

Es sollen möglichst wenig Mittel zum Aufbau von Erprobungsfahrzeugen, von Infrastruktur oder Simulatoren beantragt werden. Vielmehr wird erwartet, dass die an deutschen Forschungseinrichtungen bestehenden Fahrzeuge, Infrastruktur und Simulatoren in kooperativen Projekten des SPP genutzt und bei Bedarf geringfügig angepasst werden.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Schwerpunktprogramm finden Sie unter:

Bitte reichen Sie Ihren Antrag bis zum 30. September 2014 über das elan-Portal ein - dieses steht Ihnen für die Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten unter https://elan.dfg.de/ zur Verfügung.

Bitte wählen Sie den Schwerpunkt „Kooperativ Interagierende Automobile“ in der angebotenen Liste der Ausschreibungen aus.

Für den Fall, dass es sich bei dem Antrag innerhalb dieses Schwerpunktprogramms um Ihren ersten Antrag bei der DFG handelt, müssen Sie sich vor der Antragstellung im elan-Portal unter https://elan.dfg.de/ registrieren. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag. Ohne vorherige Registrierung ist eine Antragstellung nicht möglich.

Ein weiteres Exemplar des Antrags ist jeweils in elektronischer Form an den Koordinator des SPP zu senden.

Der Termin der Begutachtung wird zu gegebener Zeit bekannt gegeben.

Bitte berücksichtigen Sie beim Aufbau Ihres Antrags das Programmmerkblatt 50.05 (Merkblatt Schwerpunktprogramm) sowie den Leitfaden für die Antragstellung 54.01:

Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen der Koordinator des Schwerpunktprogramms zur Verfügung:

  • Professor Dr.-Ing. Christoph Stiller,
    Karlsruher Institut für Technologie (KIT),
    Institut für Mess- und Regelungstechnik,
    Engler-Bunte-Ring 21,
    76131 Karlsruhe,
    Tel.: +49721608-42325,
    Fax: +49721661874,
    stiller@kit.edu

Informationen zur Antragstellung bei der DFG:

Inhaltliche Informationen

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