Zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite Deutsche Forschungsgemeinschaft

Information für die Wissenschaft Nr. 45 | 16. August 2012
Schwerpunktprogramm „Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne (SPP 1688)

Der Senat der DFG hat die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne“ (SPP 1688) beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen.

Zeit lässt sich nicht allgemein fassen, ihr Erscheinen ist an die merkmalsevidente Verbindung mit konkreten Gegenständen gebunden. Veränderungen von Zeitlichkeit vollziehen sich, so die forschungsleitende Annahme, zuerst durch Wahrnehmung, Darstellung und Praxis und dringen erst danach in die propositionalen Strukturen. Eine Grundthese des Schwerpunktprogramms lautet, dass der mit der Modernisierung verbundene Wechsel des Raum-Zeit-Regimes sich nicht nur an den Künsten und Artefakten „ablesen“ lässt, sondern dass er ganz wesentlich durch nicht propositional zugängliche Verschiebungen präfiguriert und gebildet wird. Das Schwerpunktprogramm zielt somit auf eine Revision bestehender Forschungsansichten über Verzeitlichung und Modernisierungsprozesse und stellt etablierte Periodisierungen infrage.

Den integrativen Bezugspunkt der Forschungen bildet das Konzept der Ästhetischen Eigenzeiten, das wahrnehmbar gemachte, irreduzibel idiosynkratische Temporalitätsregime einzelner Objekte oder Subjekt-Objekt-Konstellationen bezeichnet. Ästhetische Eigenzeiten realisieren sich durch eine „ästhetische Form“ in der doppelten Semantik des Worts, also durch sinnlich-materielle Erscheinung und künstliche ästhetische Darstellung oder, spezifischer, durch künstlerische Gestaltungspraktiken. Das Konzept der Ästhetischen Eigenzeiten bezieht sich auf die in Artefakten ausgedrückte, (per-)formierte Zeit im Vollzug, zugleich artikuliert es ein auf die allgemeineren gesellschaftlichen, technischen, kunsttheoretischen und wissenschaftlichen Zeitkonzepte reagierendes, sie kommentierendes, reflektierendes und mitgestaltendes historisches Zeitbewusstsein.

Das Schwerpunktprogramm erstreckt seinen Untersuchungszeitraum von der Gegenwart bis in die Frühe Neuzeit und ist interdisziplinär angelegt. Es will ästhetische Verfahren in allen kulturbildenden Bereichen (auch in den Sozial- und Naturwissenschaften) als grundlegend für die Geschichte des modernen Zeit-Wissens ausweisen; gezeigt werden soll, dass sich in den immer zugleich poetologisch und epistemologisch wirksamen Darstellungspraktiken künstlerische, wissenschaftliche und technische Moderne treffen und einer von den Expertisen der beteiligten Disziplinen ausgehenden kulturwissenschaftlich-komparativen Analyse zugänglich werden.

Diese Untersuchungen sollen in vier thematischen Sektionen erfolgen:

  • Latenzzeit/Werkzeit/Rezeptionszeit

  • Dargestellte Zeit/Formierte Zeit

  • Chronotope

  • Chronie/Achronie/Metachronie

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Koordinatoren:

  • Prof. Michael Gamper, Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Wissens- und Kulturgeschichte, Leibniz Universität Hannover

  • Prof. Reinhard Wegner, Neuere Kunstgeschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Initiatorinnen und Initiatoren:

  • Prof. Gabriele Brandstetter, Theater- und Tanzwissenschaft, Freie Universität Berlin

  • Dr. Helmut Hühn, Philosophie, Forschungsstelle Europäische Romantik, Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • Prof. Ruth Mayer, American Studies, Leibniz Universität Hannover

  • Prof. Dirk Oschmann, Neuere deutsche Literatur, Universität Leipzig

  • Prof. Hartmut Rosa, Allgemeine und theoretische Soziologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena

  • Prof. Sabine Schneider, Neuere deutsche Literatur, Universität Zürich

  • Prof. Ralf Simon, Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Literaturtheorie, Universität Basel

Anträge für Teilprojekte im Rahmen des Schwerpunktprogramms

Antragstellende werden gebeten, bis spätestens 30. Oktober 2012 Antragsskizzen (1 Seite mit kurzer Themenbeschreibung, Zuordnung zu einer der Sektionen, Angabe zu den Antragstellenden, Anmeldung zum Vernetzungstreffen) für die erste dreijährige Förderperiode in elektronischer Form (pdf-Format) unter dem Stichwort „SPP 1688“ an die DFG-Geschäftsstelle, Dr. Thomas Wiemer, Thomas.Wiemer@dfg.de, und an die geschäftsführende Koordination, info@aesthetische-eigenzeiten.de, zu senden. Die Antragsskizze ist freiwillig und nicht bindend.

Ein freiwilliges Vernetzungstreffen ist für Freitag und Samstag, 23. und 24. November 2012, in Hannover geplant. Alle Antragstellerinnen und Antragsteller von Teilprojekten sind dazu eingeladen. Verbindliche Anmeldungen zu diesem Treffen sollen möglichst frühzeitig, spätestens aber bis zum 30. September 2012 erfolgen an michael.gamper@germanistik.uni-hannover.de.

Die Anträge über eine erste dreijährige Förderperiode können bis zum 1. März 2013 bei der DFG eingereicht werden. Die Antragstellung muss in Papierform (in achtfacher Ausfertigung) und auf CD-ROM erfolgen. Bitte beachten Sie, dass die elektronische Einreichung eines Antrags im Schwerpunktprogramm zurzeit noch nicht möglich ist.

Das Schwerpunktprogramm „Ästhetische Eigenzeiten“ nimmt seine Arbeit im Oktober 2013 mit einer Starttagung auf.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Gegenstand, den Sektionen und Zielen des Schwerpunktprogramms finden sich auf dessen Homepage unter:

Bitte berücksichtigen Sie beim Aufbau Ihres Antrags das Merkblatt „Schwerpunktprogramm“ (DFG-Vordruck 50.05), das Ihnen im Internet zur Verfügung steht unter:

Für inhaltliche Rückfragen steht Ihnen der geschäftsführende Koordinator des SPP zur Verfügung:

  • Prof. Dr. Michael Gamper,
    Deutsches Seminar der Leibniz Universität Hannover,
    Königsworther Platz 1/Raum 409,
    30167 Hannover,
    Tel. +49 511 762-19837,
    info@aesthetische-eigenzeiten.de

Fragen zur Antragstellung beantworten Ihnen die DFG-Ansprechpersonen:

  • Dr. Thomas Wiemer,
    Kennedyallee 40,
    53175 Bonn,
    Tel. +49 228 885-2404,
    Fax +49 228 885-2777,
    Thomas.Wiemer@dfg.de

  • Hiltrud Jacob,
    Kennedyallee 40,
    53175 Bonn,
    Tel. +49 228 885-2134.
    hiltrud.jacob@dfg.de

© 2010-2017 by DFG
Ausdruck aus dem Angebot der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)