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Information für die Wissenschaft Nr. 27 | 30. Mai 2012
Schwerpunktprogramm „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“ (SPP 1400)

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat 2008 die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“ (SPP 1400) beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen. Für die dritte und letzte zweijährige Förderperiode wird zur Einrichtung von Neu- und Fortsetzungsanträgen aufgerufen.

Im Mittelpunkt des Programms stehen die Trichterbechergesellschaften Nordmitteleuropas, die im 4. vorchristlichen Jahrtausend unter anderem oberirdisch sichtbare Monumente (megalithische Anlagen) errichteten und zentrale Orte mit großen Grabenwerken kennzeichneten. Diese Entwicklungen sind auf soziale Differenzierungsprozesse zurückzuführen, die Resultat veränderter Wirtschaftsweisen, neuer Austauschsysteme und ritueller Vorstellungen sind.

Dementsprechend möchte sich das Schwerpunktprogramm auf siedlungsarchäologische und sozialhistorische Fragestellungen konzentrieren:

  • die Evaluation der Siedlungsmuster, um die Beziehungen zwischen einfachen Siedlungen, Grabenwerken, Deponierungen, nicht megalithischen Gräbern und Megalithgräbern zu klären

  • die Austauschbeziehungen und deren Veränderung zwischen regionalen Gruppen der Trichterbechergesellschaften in Bezug auf Produktions- und Distributionsmuster

  • die soziale Differenzierung innerhalb der Trichterbechergesellschaften durch Vergleiche der materiellen Kultur und der räumlichen Position von Depot-, Grab- und Siedlungszusammenhängen

Eine interdisziplinäre Arbeitsweise wird erwartet. Dazu zählt das gezielte Erschließen neuen archäologischen Quellenmaterials in Verbindung mit der Anwendung eines Methodenkanons aus sowohl Kultur- und Sozialwissenschaften als auch Geo-, Bio- und Materialwissenschaften.

Um die Wurzeln der Prozesse, die zu Monumentalität und sozialer Komplexität führten, zu identifizieren, beginnen die geplanten Untersuchungen mit der nicht bandkeramischen Neolithisierung im nordmitteleuropäischen Raum (ab circa 4100 v. Chr.). Ein Fokus liegt auf der Zeit höchster Bautätigkeit (circa 3500–3200 v. Chr.) und der Weiternutzung megalithischer Anlagen (bis circa 2800 v. Chr.). Um die Veränderungsprozesse am Ende dieser Zeit und den Übergang zu den genannten paneuropäischen Phänomenen zu erfassen, die eine neue Qualität gesellschaftlicher Zu¬stände repräsentieren, ist eine Ausweitung des Zeithorizonts bis circa 2200 v. Chr. nötig.

Die Forschungsvorhaben sollen über administrative oder disziplinäre Grenzen hinweg entweder großräumig oder multidisziplinär angelegt sein. Diese Voraussetzung wird dazu führen, dass die komplexen Fragestellungen gezielter untersucht und die Ergebnisse komparativer werden. Dabei sind die räumlichen Untersuchungsebenen (Klein-, Mittel-, Großregionen) und die thematischen Module (archäologische Monumente: Megalithanlagen und Grabenwerke; Ökonomie und Siedlungen; Ökologie und Klima; Kernphysik, Molekular- und Humanbiologie) zu unterscheiden, die wahlweise kombiniert werden können. Vermieden werden sollen Untersuchungen im Kleinraum, die sich nur einer Teilkomponente der einzelnen Module bedienen (z. B. nur Megalithgräber in einer Mikroregion), vielmehr soll dieses Programm zur Bildung von entsprechenden thematischen Arbeitsgruppen und Netzwerken dienen.

Während die ersten beiden Schwerpunktphasen insbesondere auch der Gewinnung von neuen Informationen über Feldprojekte dienten, soll die dritte und letzte Phase vor allem einer Aufarbeitung neuer Informationen und der Formulierung von Synthesen dienen.

Es wird erwartet, dass die Antragsteller ihre im Rahmen der einzelnen Forschungsprojekte neu gewonnenen Proxydaten schon während der Forschungsphase der gemeinsam im SPP forschenden Community über eine Projektdatenbank unter Wahrung des Copyrights zur Verfügung stellen.

Anträge für die letzte zweijährige Förderperiode (5. und 6. Jahr) sind in dreifacher Ausfertigung bis 31. Oktober 2012 bei der DFG-Geschäftsstelle einzureichen. Ein weiteres Exemplar des Antrags ist in elektronischer Form an den Koordinator des Schwerpunktprogramms, Professor Dr. Johannes Müller, zu schicken.

Bitte beachten Sie, dass die elektronische Einreichung eines Antrags im Schwerpunktprogramm zurzeit noch nicht möglich ist.

Weitere Informationen

Die Homepage des SPP mit dem vollständigen Rahmenantrag findet sich im Internet unter:

Bitte berücksichtigen Sie beim Aufbau Ihres Antrags das Merkblatt zu Sachbeihilfen mit Leitfaden für die Antragstellung (DFG-Vordruck 54.01), das Ihnen im Internet zur Verfügung steht unter:

Inhaltliche Fragen zum SPP richten Sie bitte an die Koordinatoren des Programms:

  • Prof. Dr. Johannes Müller
    Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU Kiel
    johannes.mueller@ufg.uni-kiel.de 

  • Prof. Dr. Friedrich Lüth - stellvertretend
    Deutsches Archäologisches Institut
    Zentrale Berlin
    fl@dainst.de 

Hinweise zur Antragsstellung erteilt:

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