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Information für die Wissenschaft Nr. 28 | 30. Juni 2011
Schwerpunktprogramm „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter. Zur Archäologie und Geschichte regionaler und überregionaler Verkehrssysteme“ (SPP 1630)

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter. Zur Archäologie und Geschichte regionaler und überregionaler Verkehrssysteme“ beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen.

Häfen stellen die entscheidenden Schnittstellen zwischen Land und Wasser dar; sie bilden die Basis jener ökonomischen Grundstrukturen, die in vor- und frühgeschichtlicher Zeit regionalen und überregionalen Schiffsverkehr, den Transport von Menschen, Waren und Informationen überhaupt erst ermöglichten. Gebunden an progressive Prozesse, die sich aus dem Korrelat von „Schiff und Hafen“ ergeben, erlauben Häfen zunächst wichtige Einblicke in technikgeschichtliche Entwicklungen. Darüber hinaus sind sie aber auch hochkomplexe Systeme, in denen sich ökologische, logistische, ökonomische, soziale, juristische, militärische und kultische Subsysteme überlagern und gegenseitig bedingen. Um das Phänomen „Hafen“ in seiner gesamten Tragweite und zeitlichen Tiefe methodisch adäquat bewerten zu können, ist eine Identifikation dieser Subsysteme und deren Implikationen auf das Siedlungsgeschehen von grundlegender Bedeutung.

Das neu eingerichtete Schwerpunktprogramm möchte einerseits unterschiedliche Richtungen einer zeitlich und räumlich weit gefächerten europäischen Hafenforschung aufgreifen, interdisziplinär vernetzen und methodisch fortführen. Andererseits sollen auch naturwissenschaftliche Werkzeuge weiterentwickelt und erprobt werden, die zur Prospektion und Validierung von bislang unbekannten Hafenbefunden dienen können. Dabei wird sich das Schwerpunktprogramm auf jene Häfen konzentrieren, die primär zivilen Nutzungen unterlagen, ohne dass dabei militärische Anlagen und Schnittflächen umgangen oder ausgegrenzt werden dürfen. Nicht einbezogen werden allerdings solche Anlagen, die rein militärischen Zwecken dienten.

Das Arbeitsgebiet umfasst Europa in seiner gesamten geografischen Ausdehnung. Grundgerüst der geographischen Bestimmung des Arbeitsraumes sind zum einen die Meere und Binnenmeere Europas – Atlantik, Mittelmeer, einschließlich seiner afrikanischen Küste, sowie Nordsee und Ostsee –, die durch Seehäfen erschlossen werden.

Zum anderen sind die großen, schiffbaren Flüsse Europas wie Rhein, Rhone, Elbe, Oder und Donau mit ihren Zuflüssen von Bedeutung, da sie eine Verbindung zwischen Nord-/Ostsee und Schwarzem Meer beziehungsweise Mittelmeer herstellen und Binnenhäfen aufweisen, die das Zentrum regionaler Verkehrsnetze bilden. An diese wiederum angebundene Flussgebiete erschließen einerseits die ökonomischen Ressourcen des Hinterlandes, andererseits erlauben sie den weiträumigen Warentransfer. Damit stellen Hafenanlagen Teile grundlegender Infrastrukturen dar.

Die gewählte Zeitspanne reicht von der Römischen Kaiserzeit bis ins 13. Jahrhundert. An den chronologischen und geografischen Rändern des hiermit definierten Untersuchungsrahmens werden sich zwangsläufig Unschärfen ergeben, deren Potenzial für das allgemeine Verständnis der Phänomene und für die Erstellung übergreifender Interpretationsmodelle jedoch im Einzelfall zu prüfen sein wird. In der Zusammenschau suggeriert die Entwicklung in einzelnen Regionen und Zeitabschnitten bislang den Eindruck, isoliert und ohne Bezug zueinander zu stehen. Die bereits auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurückblickenden Hafenanlagen des Mittelmeeres scheinen konstruktiv und funktional zunächst wenig mit den gleichzeitigen Strukturen der Binnenschifffahrt in den römischen Provinzen oder den sich im Frühmittelalter entwickelnden Seehandelsplätzen Nordeuropas vergleichbar zu sein. Dagegen vermag die Schiffsarchäologie durchaus technikgeschichtliche Verbindungen zwischen der Mittelmeerwelt und den Regionen nördlich der Alpen herzustellen. Ebenso stellt der historisch und archäologisch nachweisbare Fernhandel eine Möglichkeit für den Transfer von Kenntnissen zur baulichen Ausgestaltung und dem Betrieb von Hafenanlagen dar.

Diese stark regional und chronologisch geprägte Sichtweise ist auch durch die Spezialisierung archäologischer und historischer Disziplinen begründet. So arbeiten in den genannten Teilbereichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die der Vor- und Frühgeschichte, der Klassischen und Provinzialrömischen Archäologie, der Alten und Mittelalterlichen Geschichte sowie der Byzantinistik zuzuordnen sind. Eine besondere Qualität wird das Schwerpunktprogramm durch die Zusammenführung verschiedener Wissenschaftskulturen mit unterschiedlichen Forschungstraditionen erhalten. Dabei wird die übergreifende Themenstellung mit ihren methodischen Grundkonstanten dazu führen, die jeweils unterschiedliche Quellenlage aufzulösen und gemeinsame Interpretationsansätze zu ermöglichen. Und dies gelingt zugleich in enger Abstimmung und Vernetzung mit relevanten, auch maritim orientierten Naturwissenschaften.

Anträge für die erste dreijährige Förderperiode sind in neunfacher Ausfertigung bis spätestens 31. Oktober 2011 bei der Geschäftsstelle der DFG einzureichen.

Further information

Der vollständige Rahmenantrag ist abrufbar unter:

Die fachlichen Koordinatoren des Programms sind Claus von Carnap-Bornheim, Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Schleswig, carnap@schloss-gottorf.de, und – stellvertretend – Falko Daim, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz, daim@rgzm.de

Hinweise zur Antragsstellung erteilt

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