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Information für die Wissenschaft Nr. 34 | 14. Juli 2010
Schwerpunktprogramm „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat 2008 die Einrichtung des Schwerpunktprogramms 1400  – „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa" beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen. Nun können Anträge für die zweite zweijährige Förderperiode gestellt werden.

Im Mittelpunkt des Programms stehen die Trichterbechergesellschaften Nordmitteleuropas, die im 4. vorchristlichen Jahrtausend unter anderem oberirdisch sichtbare Monumente (megalithische Anlagen) errichteten und zentrale Orte mit großen Grabenwerken kennzeichneten. Diese Entwicklungen sind auf soziale Differenzierungsprozesse zurückzuführen, die Resultat veränderter Wirtschaftsweisen, neuer Austauschsysteme und ritueller Vorstellungen sind.

Vor diesem Hintergrund möchte sich das Schwerpunktprogramm (SPP) auf siedlungsarchäologische und sozialhistorische Fragestellungen konzentrieren:

  • die Evaluation der Siedlungsmuster, um die Beziehungen zwischen einfachen Siedlungen, Grabenwerken, Deponierungen, nicht-megalithischen Gräbern und Megalithgräbern zu klären

  • die Austauschbeziehungen und deren Veränderung zwischen regionalen Gruppen der Trichterbechergesellschaften in Bezug auf Produktions- und Distributionsmuster;

  • die soziale Differenzierung innerhalb der Trichterbechergesellschaften durch Vergleiche der materiellen Kultur und der räumlichen Position von Depot-, Grab- und Siedlungszusammenhängen.

Eine interdisziplinäre Arbeitsweise ist Grundbedingung für die Identifikation genannter Schwerpunkte: das gezielte Erschließen neuen archäologischen Quellenmaterials in Verbindung mit der Anwendung eines Methodenkanons aus sowohl Kultur- und Sozialwissenschaften als auch Geo-, Bio- und Materialwissenschaften bildet die Basis für die historischen Interpretationen.

Um die Wurzeln der Prozesse, die zu Monumentalität und sozialer Komplexität führten, zu identifizieren, beginnen die geplanten Untersuchungen mit der nicht-bandkeramischen Neolithisierung im nordmitteleuropäischen Raum (ab ca. 4100 v. Chr.). Ein Fokus liegt auf der Zeit höchster Bautätigkeit (ca. 3500 bis 3200 v. Chr.) und der Weiternutzung megalithischer Anlagen (bis ca. 2800 v. Chr.). Um die Veränderungsprozesse am Ende dieser Zeit und den Übergang zu den genannten paneuropäischen Phänomenen zu erfassen, die eine neue Qualität gesellschaftlicher Zustände repräsentieren, ist eine Ausweitung des Zeithorizontes bis ca. 2200 v. Chr. nötig.

Die Forschungsvorhaben sollen über administrative oder disziplinäre Grenzen hinweg entweder großräumig oder multidisziplinär angelegt sein. Diese Voraussetzung wird dazu führen, dass die komplexen Fragestellungen gezielter untersucht und die Ergebnisse komparativer werden. Dabei sind die räumlichen Untersuchungsebenen (Klein-, Mittel-, Großregionen) und die thematischen Module (Archäologische Monumente: Megalithanlagen und Grabenwerke; Ökonomie und Siedlungen; Ökologie und Klima; Kernphysik, Molekular- und Humanbiologie) zu unterscheiden, die wahlweise kombiniert werden können. Vermieden werden sollen Untersuchungen im Kleinraum, die sich nur einer Teilkomponente der einzelnen Module bedienen (z. B. nur Megalithgräber in einer Mikroregion), vielmehr soll dieses Programm zur Bildung von entsprechenden thematischen Arbeitsgruppen und Netzwerken dienen.

Es wird erwartet, dass die Antragsteller ihre im Rahmen der einzelnen Forschungsprojekte neu gewonnenen Proxydaten schon während der Forschungsphase der gemeinsam im Schwerpunktprogramm forschenden Community über eine Projektdatenbank unter Wahrung des Copyright zur Verfügung stellt.

Weiterführende Informationen

Der vollständige Rahmenantrag ist im Internet abrufbar unter

Anträge für die zweite zweijährige Förderperiode sind in achtfacher Ausfertigung bis zum 29. Oktober 2010 (Posteingang) bei der Geschäftsstelle der DFG einzureichen.

Hinweise zur Antragstellung erteilt

  • Dr. Hans-Dieter Bienert,
    Tel.: +49 228 885-2246,
    E-Mail: Hans-Dieter.Bienert@dfg.de.

Die fachlichen Koordinatoren des Programms sind

  • Johannes Müller, Kiel (Institut für Ur- und Frühgeschichte der CAU Kiel,
    E-Mail: johannes.mueller@ufg.uni-kiel.de),

    und – stellvertretend –
  • Friedrich Lüth (Römisch-Germanische-Kommission des DAI Frankfurt a. M.,
    E-Mail: lueth@rgk.dainst.de).

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