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Information für die Wissenschaft Nr. 11 | 26. Februar 2010
Neuregelungen für Publikationsverzeichnisse in Anträgen, Antragsskizzen und Abschlussberichten

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) führt neue Regelungen zur Gestaltung von Publikationsverzeichnissen in Anträgen, Antragsskizzen und Abschlussberichten ein. Sie wurden auf Vorschlag des DFG-Präsidiums vom Senat der DFG in dessen jüngster Sitzung beschlossen und vom Hauptausschuss zustimmend zur Kenntnis genommen.

Die neuen Regelungen gelten ab dem 1. Juli 2010 und sollen für alle Antragstellerinnen und Antragsteller verbindlich sein. Sie sehen im Kern vor, dass die Anzahl der aufgeführten eigenen Publikationen erstmals festgeschrieben und zudem deutlich reduziert wird. Zugleich soll die eigentliche Beschreibung des wissenschaftlichen Projekts mehr Bedeutung erhalten. Auf diese Weise will die DFG mit ihren Mitteln der inhaltlichen Würdigung der Arbeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wieder mehr Gewicht verleihen und die Bedeutung rein quantitativer Faktoren im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Publikationen verringern.

Hintergründe der neuen Regelungen

Im Zuge von quantitativen Leistungsbewertungsverfahren, von der Habilitation über die Berufung bis zur Leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM), ist es zunehmend üblich geworden, numerische Indikatoren auf der Basis von Publikationsverzeichnissen zu erstellen und diese an die Stelle einer inhaltlichen Würdigung von wissenschaftlichen Arbeiten treten zu lassen. Dadurch wird ein starker Druck auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgeübt, möglichst viele Arbeiten zu publizieren. Zudem verleitet es immer wieder zu Fällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, in denen im Publikationsverzeichnis unrichtige Angaben zum Stand von Publikationen gemacht werden. So wurde in der Vergangenheit wiederholt angegeben, dass Publikationen zur Veröffentlichung eingereicht worden seien, obwohl dies nicht der Fall war. In anderen Fällen fehlten Angaben zum Datum der Einreichung beziehungsweise sind sie ungenau oder falsch. Solche Angaben sind nach den Vorgaben der DFG - und auch darüber hinaus - unzulässig.

Die DFG bedauert diese Entwicklungen, ohne die Nützlichkeit bibliometrischer Vergleiche auf höheren Aggregationsebenen grundsätzlich infrage zu stellen. Sie sieht sich dadurch aber veranlasst, auch durch ihre Vorgaben zur Gestaltung von Publikationsverzeichnissen herauszustreichen, dass bei Bewertungen in DFG-Verfahren die wissenschaftlichen Inhalte ausschlaggebend sein sollten. Die Begrenzung der Publikationsangaben auf eine kleinere Zahl von Publikationen ist dabei mit der Erwartung verbunden, dass diese im Rahmen der Begutachtungen und bei den Förderentscheidungen angemessen inhaltlich gewürdigt werden.

Die Neuregelungen im Einzelnen

Die neuen Regelungen kommen in Anträgen, Antragsskizzen und Abschlussberichten an bis zu drei Stellen zum Tragen, an denen Angaben zu Publikationen zu jeweils unterschiedlichen Zwecken erforderlich sind:

1.   In Anträgen bei der Darstellung des Standes der Forschung und der eigenen Vorarbeiten, bei Fortsetzungsanträgen im Arbeitsbericht sowie in Abschlussberichten zur Vertiefung und Ergänzung der Ausführungen,
2.   im eigentlichen projektbezogenen Publikationsverzeichnis als bewertbare Dokumentation des Publikationsertrags eines Vorhabens,
3.   als Anlage zum Lebenslauf der Antragstellerin beziehungsweise des Antragstellers.

zu 1. Darstellung des Forschungsstandes und eigener Vorarbeiten / Arbeitsbericht
Die Darstellung des Forschungsstandes und der eigenen Vorarbeiten im Antrag sowie der Arbeitsbericht bei Fortsetzungsanträgen sollen in sich geschlossene Texte darstellen und so auch ohne die Lektüre zusätzlicher Dokumente verständlich, schlüssig und beurteilbar sein. Deshalb könnte an dieser Stelle theoretisch gänzlich auf die Angabe von Publikationen verzichtet werden. Dennoch wird es stellenweise wünschenswert sein, Gutachterinnen und Gutachtern die Gelegenheit zu geben, sich zum Beispiel über einzelne Resultate und Methoden eingehender zu informieren. Zu diesem Zweck kann auch künftig an dieser Stelle auf zusätzliche Dokumente verwiesen werden. Dies können eigene und fremde, publizierte und unpublizierte Arbeiten sein.

Alle Arbeiten sind in einem eigenen Verzeichnis aufzuführen, für das folgende Grundsätze gelten:

- Es sollen nur Arbeiten aufgeführt werden können, deren Resultate und Methoden in den vorangehenden Ausführungen inhaltlich diskutiert werden.
- Unpublizierte Arbeiten sind dem Antrag beizulegen, etwa in Form einer CD-ROM.

Die Lektüre der Arbeiten ist für die Gutachterinnen und Gutachter jedoch optional. Die Bewertung des Projekts soll sich stattdessen insbesondere auf den Haupttext stützen. Die weiteren Dokumente selbst sind nicht Grundlage der Bewertung.

zu 2. Verzeichnis projektspezifischer Publikationen
Im Publikationsverzeichnis eigener Arbeiten sollen künftig nur noch Arbeiten aufgeführt werden, die bereits publiziert und damit öffentlich zugänglich gemacht wurden beziehungsweise deren Veröffentlichung unmittelbar und nachweisbar bevorsteht. Arbeiten, die noch nicht publiziert, aber zur Publikation endgültig angenommen worden sind, können angegeben werden; sie sind jedoch als Manuskript und mit einer Annahmebestätigung des Herausgebers beziehungsweise der Herausgeber einzureichen. Arbeiten, die zur Veröffentlichung eingereicht, aber noch nicht angenommen sind, dürfen künftig nicht mehr aufgeführt werden.

Das Publikationsverzeichnis soll zukünftig folgende Gliederung haben:

a)   Arbeiten in Publikationsorganen mit einer wissenschaftlichen Qualitätssicherung; Buchveröffentlichungen.
b)   Andere Veröffentlichungen.
c)   Patente, gegliedert nach "angemeldet" und "erteilt".

Die Zahl der unter a) und b) insgesamt angeführten Arbeiten wird wie folgt begrenzt:

- Bei einer antragstellenden Person: zwei Publikationen je Jahr der Förderperiode
- Bei mehreren antragstellenden Personen: drei Publikationen je Jahr der Förderperiode.

Maßgeblich ist bei Neuanträgen die Dauer der beantragten Förderperiode, bei Fortsetzungsanträgen die Dauer der abgelaufenen Förderperiode.

zu 3. Lebenslauf
Auch im Publikationsverzeichnis, das dem wissenschaftlichen Lebenslauf einer Antragstellerin oder eines Antragstellers beigefügt wird, sollen künftig nur noch bereits publizierte oder unmittelbar und nachweisbar vor der Publikation stehende Arbeiten angeführt werden; insoweit gelten die im vorangegangenen Abschnitt genannten Vorgaben. Dies gilt auch für die Gliederung des Publikationsverzeichnisses.

Die Zahl der unter a) und b) insgesamt aufzuführenden Arbeiten wird beim wissenschaftlichen Lebenslauf auf fünf begrenzt.

Ergänzende Regelungen
Nach dem Inkrafttreten der neuen Regelungen zum 1. Juli 2010 sollen alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Anträgen, Antragsskizzen und Abschlussberichten eine Erklärung abgeben, dass die Vorgaben umgesetzt und geprüft wurden (insbesondere in den koordinierten Verfahren).

Anträge, Antragsskizzen und Abschlussberichte, die den neuen Regelungen nicht entsprechen, werden mit der Bitte um Überarbeitung und Umsetzung der Vorgaben zurückgesandt.

Weitere Informationen

Merkblätter zur Umsetzung der neuen Regelungen sind ab April über das Internet-Angebot der DFG abrufbar unter

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle sind die jeweils fachlich zuständigen Programmdirektorinnen und -direktoren sowie Referentinnen und Referenten in der Abteilung II "Fachliche Angelegenheiten der Forschungsförderung". Namen und Kontaktdaten sind zu finden unter:

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