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Information für die Wissenschaft Nr. 55 | 20. August 2009
Schwerpunktprogramm 1448 "Adaption und Kreativität in Afrika - Technologien und Bedeutungen in der Produktion von Ordnung und Unordnung"

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung des Schwerpunktprogramms "Adaption und Kreativität in Afrika - Technologien und Bedeutungen in der Produktion von Ordnung und Unordnung" (SPP 1448) beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen. Der geplante Beginn ist der 1. Juli 2010.

Grundlage der Entscheidung des Senats war ein Programmpapier, in dem die Zielrichtung des Schwerpunktprogramms wie folgt skizziert wurde:
Afrika ist erneut von einem tief greifenden Wandel ergriffen. Politische und wirtschaftliche Liberalisierung, veränderte Beziehungen von Staat und Gesellschaft sowie beschleunigte Globalisierungsprozesse stellen weitreichende Herausforderungen dar. Der Kontinent erlebt eine der prekärsten Perioden seiner postkolonialen Geschichte, in der die Verteilung von Souveränität und die Herstellung von Ordnung neu ausgehandelt werden. Die Kapazitäten afrikanischer Gesellschaften zur Bewältigung dieser Veränderungen sind von ausschlaggebender Bedeutung, doch deren Bestimmungsfaktoren sind weitgehend unerforscht. Das geplante Schwerpunktprogramm untersucht, wie sich Akteure im postkolonialen Afrika den vielfältigen Herausforderungen stellen, indem sie ihre institutionalisierten Fähigkeiten der Adaption und Kreativität mobilisieren und transformieren. Dabei wird der Rolle von Technologien und Signifizierungen in der Herstellung von Ordnung und Unordnung besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das Forschungsprogramm möchte das kollaborative Potenzial der Afrika-Studien in Deutschland nutzen und fördern sowie dessen internationale Sichtbarkeit erhöhen.

Das Programm folgt einer interdisziplinären Ausrichtung, um grundlegend zur transdisziplinären Theorienbildung beizutragen. Dieser Anspruch folgt der Bestrebung, Regionalstudien in Deutschland, in diesem Fall die Afrika-Studien, zu stärken, indem regionales Fachwissen mit den sogenannten systematischen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften zusammengeführt werden. Die wichtigsten teilnehmenden Disziplinen sind Ethnologie, Wirtschaftswissenschaften, Geografie, Geschichte, komparative Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft und Soziologie. In den letzten 60 Jahren basierte der wissenschaftliche Fortschritt in diesen Disziplinen auf der Entwicklung eines jeweils eigenen Vokabulars und einer eigenen Theorie, um soziale Realitäten erklären zu können. In diesem Prozess hat die Spezialisierung und Professionalisierung dazu geführt, dass analytische Terminologien und Modelle untereinander kaum anschlussfähig sind. Die Regionalstudien bieten die Möglichkeit, die genannten Disparitäten zu überwinden. Das Schwerpunktprogramm sieht vor, diese unterschiedlichen epistemischen Regime zu hinterfragen und durch eine Anzahl von Brückenkonzepten wie Adaption, Kreativität, Technologie, Signifizierung und (Un)ordnung miteinander zu verbinden. Die transdisziplinäre Ausrichtung des Programms ist die Voraussetzung, um afrikanische Reaktionen und Antworten auf umfassende globale Herausforderungen zu verstehen.

Das Schwerpunktprogramm verfolgt vier übergeordnete Ziele:

  • Identifizierung der Faktoren, die die Fähigkeiten von Adaption und Kreativität in Afrika im Kontext grundlegender neuer Herausforderungen bestimmen
  • Förderung der Kooperationen zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen der Afrika-Studien in Deutschland und zwischen verschiedenen Institutionen der Lehre und/oder Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Entwicklung eines verbindenden Vokabulars auf der Basis des übergeordneten Forschungsprogramms, das die unterschiedlichen Disziplinen der Afrika-Studien annehmen können
  • Stärkung der in Deutschland angesiedelten Afrika-Studien auf dem afrikanischen Kontinent und in Ländern mit gut etablierten Afrika-Studien (wie beispielsweise Frankreich, den Niederlanden, Skandinavien, Großbritannien, den USA und Portugal), aber auch in Ländern, die in Afrika eine immer größer werdende Rolle spielen (Brasilien, China, Indien und Russland)

Hieraus ergeben sich folgende Erwartungen an Projektanträge:
Da das Schwerpunktprogramm die Stärkung von Kooperation und die Mobilisierung des Potenzials der Afrika-Studien in Deutschland anstrebt, sind insbesondere auch Projekte eingeladen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einbeziehen, die sich an unterschiedlichen Orten befinden. Dies schließt auch interdisziplinäre Forschungsanträge ein.

Forschungsanträge, die afrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler integrieren und mit afrikanischen Partnern kooperieren, können in gewissem Umfang auch berücksichtigt werden.

Das Programm ist auf komparative Perspektiven ausgerichtet (wie beispielsweise diachronisch, intra-afrikanisch oder Afrika in Vergleich mit anderen globalen Kontexten).

Alle bewilligten individuellen Projekte sind dazu verpflichtet, an gemeinsamen Aktivitäten des Schwerpunktprogramms teilzunehmen und zum Schwerpunktprogramm beizutragen. Nach zweijähriger Finanzierung können Fortsetzungsanträge gestellt werden.

Bei der Antragstellung sollen als erster Schritt bis zum 30. Oktober 2009 Antragsskizzen von maximal fünf Seiten an die beiden Koordinatoren geschickt werden (PDF-Dateien per E-Mail). Die Interessenten werden dann zu einem Workshop eingeladen, der am 13. November 2009 in der DFG-Geschäftsstelle in Bonn stattfindet. Bei diesem Workshop wird es um Beratung für die Antragstellung und Optimierung der Ausrichtung der Teilprojekte am Rahmenkonzept des SPP gehen. Vollständige Anträge in englischer Sprache für die erste zweijährige Förderperiode müssen der Geschäftsstelle der DFG bis spätestens 30. Januar 2010 vorliegen. Es gelten die Regeln des Merkblatts 1.02 für "Anträge auf Sachbeihilfen mit Leitfaden für die Antragstellung".

Bei Anträgen im Schwerpunktprogramm ist besonders zu beachten:

  • Anders als in der Einzelförderung können die Anträge im Schwerpunktprogramm jeweils nur für eine Laufzeit von zwei Jahren gestellt werden.
  • Falls Sie bisher durch die DFG schon gefördert wurden, gehört zu jedem Antrag das ausgefüllte Formular zu den Publikationen, die aus bisher geförderten Projekten hervorgegangen sind (maximal zwei Publikationen je Projekt). Darüber hinaus sollte jedem Antrag eine Liste der Publikationen der letzten fünf Jahre beigegeben werden.
  • Bitte schicken Sie keine weiteren Anlagen mit - also keine Bücher, keine Publikationen.
  • Bitte heften Sie jede einzelne Kopie des Antrags einschließlich der Anlagen jeweils in einen 30 cm langen Heftrücken.
  • Bitte verfassen Sie Ihren Antrag in englischer Sprache.
  • Bitte schicken Sie Ihren Antrag an die DFG in acht Exemplaren sowie in elektronischer Form (CD-Rom).
  • Es wird gebeten, zusätzlich jeweils ein Exemplar des Antrags als PDF-Datei an die beiden Koordinatoren des Programms, Richard Rottenburg und Ulf Engel, zu schicken.

Weiterführende Informationen

Den Rahmenantrag zum SPP finden Sie in Englisch unter:

beziehungsweise

Weitere Informationen zur Antragstellung unter:

Bei allen inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an die beiden Koordinatoren des Schwerpunktprogramms:

  • Prof. Dr. Richard Rottenburg,
    Seminar für Ethnologie,
    Martin-Luther-Universität Halle-Wittenburg,
    richard.rottenburg@ethnologie.uni-halle.de
  • Prof. Dr. Ulf Engel,
    Institut für Afrikanistik,
    Universität Leipzig,
    uengel@uni-leipzig.de

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