Ziele der Chancengleichheitsarbeit der DFG
Chancengleichheit ist ein Merkmal von qualitativ hochwertiger Forschung. Langfristiges Ziel aller Chancengleichheitsaktivitäten der DFG ist daher die Erreichung eines ausgewogenen Geschlechterverhältnisses in allen Wissenschaftsbereichen. Allein die wissenschaftliche Leistung und nicht das Geschlecht einer Person muss der ausschlaggebende Faktor für die Erfolgsaussichten der individuellen wissenschaftlichen Karriere sein.
Weiterhin müssen die Möglichkeiten von Männern und Frauen, Familie und wissenschaftliche Karriere miteinander zu vereinbaren, deutlich verbessert werden. Für die meisten Wissenschaftlerinnen stellt sich genau in ihrer wissenschaftlichen Qualifizierungsphase altersbedingt die Frage der Familiengründung. Aber auch junge Wissenschaftler sind oft in einem frühen Stadium ihrer Karriere mit Fragen der Familiengründung und ihrem Rollenverständnis als Partner oder Vater konfrontiert. Die DFG setzt sich nachdrücklich für einen Wissenschaftsbetrieb ein, der eine Entscheidung „Karriere oder Kinder“ weder von Männern noch von Frauen verlangt. Vielmehr soll es jeder Person möglich sein, neben der Verfolgung einer wissenschaftlichen Karriere eine Familie zu gründen und angemessen zu betreuen. Hier gilt es auch, althergebrachten geschlechtsspezifischen Rollenverständnissen und Vorurteilen entgegenzutreten. Die Erfahrung zeigt, dass männliche Forscher seltener die Vereinbarung von Familiengründung und wissenschaftlicher Karriere als unüberwindbares Problem wahrnehmen. Dasselbe muss auch für Frauen gelten, die neben einer Karriere als Forscherin eine Familie gründen möchten.
Neben einem gesellschaftlich leider immer noch vorhandenen spezifischen Rollenverständnis für die von Mann und Frau bei Familiengründung zu übernehmenden Rollen sind auch die im Alltag praktisch erforderlichen Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere nicht optimal. Insbesondere sind in Deutschland die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder schon während üblicher voller Arbeitszeiten (35 bis 40 Stunden pro Woche) im Regelfall bei weitem nicht ausreichend, um den Zeitraum der Berufstätigkeit von Eltern vollständig abzudecken.
Ingenieurwissenschaftliche Untersuchung von Werkstoffen
Zu dieser schwierigen gesellschaftlichen Grundsituation kommen im Wissenschaftsbetrieb insbesondere die folgenden erschwerenden Faktoren hinzu: unregelmäßige Arbeitszeiten, Erforderlichkeit von Auslandsaufenthalten oder häufigen innerdeutschen Ortswechseln (verbunden mit dem Verlust privater Kinderbetreuungsressourcen), mehrtägige Abwesenheiten wegen Konferenz- oder Tagungsbesuchen, Erfordernis häufiger langfristiger Abwesenheiten bei Feldforschung. Insbesondere für Personen mit ebenfalls karriereorientierter Partnerin oder ebenfalls karriereorientiertem Partner sowie für Alleinerziehende ist die Vereinbarkeit von Kindererziehung und wissenschaftlicher Karriere daher besonders schwer.
Die Ziele der Chancengleichheitsarbeit der DFG (ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter im Wissenschaftssystem und Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere) dienen nicht nur der Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit im Wissenschaftssystem, sie fördern auch die Attraktivität des Wissenschaftsstandortes Deutschlands, insbesondere für den hoch qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs.