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Peter Strohschneider an der University of California, Berkeley

DFG-Präsident Peter Strohschneider an der University of California, Berkeley

DFG-Präsident Peter Strohschneider an der University of California, Berkeley

(25.09.17) DFG-Präsident Peter Strohschneider folgte während seiner jüngsten USA-Reise am 28. August der Einladung der Direktorin des Deutschen Historischen Instituts (DHI) in Washington, DC, Simone Lässig, noch vor der eigentlichen Eröffnung der neuen Westküsten-Dependance des DHI einen Vortrag an der University of California in Berkeley zu halten. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Center for Science, Technology, Medicine & Society, dem Institute of European Studies, dem Center for Studies in Higher Education und den Departments of History and German Studies an der Universität Berkeley statt und wurde gefördert von der DFG.

Bereits der Titel seines Vortrags bot genügend Reibungsfläche für eine fruchtbare Diskussion. Mit „The End of the Endless Frontier? Truth and Power in the Age of Populism” nahm Professor Strohschneider Bezug auf „Science, the Endless Frontier”, Vannevar Bushs Bericht für den damaligen US-Präsidenten Truman, der gewissermaßen als Gründungsurkunde der öffentlich finanzierten Forschungsförderung in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Während des Weltkriegs, so Strohschneider, sei öffentlich finanzierte Forschung fast explosionsartig gewachsen – häufig gegen den erklärten Willen der academia, die mit den wachsenden Mitteln auch wachsende Einflussnahme befürchtete – und Bush habe in seinem Bericht auf die Frage geantwortet, ob nicht auch technologischer und damit zivilisatorischer Fortschritt mit weiterhin hohen öffentlichen Investitionen in Forschung für die Nachkriegszeit erkauft werden könnten. Bush habe die Frage bejaht, und die in seinem Ansatz ausgeblendeten Voraussetzungen holten uns derzeit in Form einer Vertrauenskrise zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein. Nötig sei darum ein erneuertes und tragfähigeres Verhältnis, das Fallstricke falscher Versprechungen und nachlassender methodischer Rigorosität vermeide. Dies sei zudem eine angemessenere Antwort der wissenschaftlichen Gemeinschaften auf populistische Tendenzen oder die Verweigerung des Gesprächs über intersubjektiv vermittelbare Fakten als etwa Initiativen wie die gut gemeinten Marches for Science in diesem Jahr. So wenig, wie Macht bestimmen dürfe, was wahr ist und was falsch, so wenig könne sich die Wissenschaft mit ihren notwendigerweise immer vorläufigen Ergebnissen zum Leitliniengeber gesellschaftlicher Prozesse aufschwingen: „The scientocratic response [to populism] does not see that political power is legitimated not through truth but through majorities and the constitution.”

An der anschließenden von Thomas Laqueur (Helen Fawcett Distinguished Professor of History, UC Berkeley) moderierten Podiumsdiskussion nahmen neben Professor Strohschneier auch Cathryn Carson (Thomas M. Siebel Presidential Chair in the History of Science, UC Berkeley) und Horst Simon (Debuty Director, Lawrence Berkeley National Laboratory) teil. Die Intensität der Debatte ließ vermuten, dass man in der Wahlheimat der Szientokraten, den Elfenbeintürmen der weltweit führenden Forschungshochschulen, dergleichen nicht so häufig hört, dass man aber auf der anderen Seite gerne auch kontrovers diskutiert, zumal es nicht im Interesse der Wissenschaft sein kann, sie mit den falschen Argumenten zu verteidigen.

Zum Abschluss seines Besuchs an Berkeley nahm Strohschneider dann noch eine Einladung des dortigen German Department an. Bei Kaffee und Kuchen ging es weniger um die Geschichte und Theorie des höfischen Romans, der akademischen Kernkompetenz Strohschneiders, als vielmehr um die Unterschiede in der öffentlich finanzierten Forschungsförderung auf beiden Seiten des Atlantiks. Professor Strohschneider schloss mit einer Bemerkung gewissermaßen den Kreis von Bush zu heute: Er beneide die National Science Foundation (NSF) vielleicht um die Höhe ihres Budgets, keinesfalls aber um den Grad ihrer Autonomie von politischen Einflüssen.

Aufnahme des Vortrags

DFG-Präsident Peter Strohschneider
„The End of the Endless Frontier? Truth and Power in the Age of Populism”

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