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Zehnte GAIN-Jahrestagung in Boston

Vom 10. bis zum 12. September 2010 richteten die Alexander von Humboldt Stiftung (AvH), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen ihrer gemeinsamen Initiative German Academic International Network (GAIN) auf dem Campus des Massachusetts Institute of Technology die nunmehr zehnte Ausgabe der GAIN-Jahrestagung aus. Mehr als 300 in Nordamerika tätige deutsche Wissenschaftler trafen dabei die Spitzen von vier großen Wissenschafts- und Förderorganisationen, hochrangige Vertreter deutscher Hochschulen und Firmen, eine Reihe von Bundestagsabgeordneten und den parlamentarischen Staatsekretär des BMBF, Thomas Rachel, zum Informationsaustausch und – was in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt – um sich in ganz praktischen Fragen der Karriereentwicklung beraten zu lassen.

Nur noch entfernt klangen die aus der Vergangenheit bekannten, abstrakten Forderungen der in Nordamerika forschenden deutschen Wissenschaftler nach Planungssicherheit entlang des amerikanischen Tenure-Vorbilds an. Immer deutlicher werden Worte wie die des AvH-Präsidenten Helmut Schwarz wahrgenommen, dessen Begrüßungsrede die statistische Evidenz nicht verschwieg, nach der es nur 20 Prozent der Wissenschaftler auf eine entfristete Professur schaffen – in Deutschland wie in Nordamerika.

Deutschland brauche, so DFG-Präsident Matthias Kleiner in seinem Eröffnungsbeitrag, als Hochschul- und Forschungsstandort vor allem seit der Exzellenz-Initiative den transatlantischen Vergleich nicht zu scheuen. Er berief dazu als Zeugin Debra Stewart, die Präsidentin des American Councils for Graduate Schools: "What is happening in Germany through the Excellence Initiative, […] strikes me as a world-class example of institutional innovation of the most promising kind. It demonstrates how strategic use of limited financial resources can leverage profound changes that will strongly reinforce Germany's role as a global leader in graduate education and research."

Erstmals gab es bei dieser Jahrestagung auch einen Beitrag über "Current Developments in Higher Education and Science Policy in the US", in dem der Monan University Professor of Higher Education und Direktor des Center for International Higher Education am Boston College, Philip G. Altbach, den anekdotischen Erfahrungen der jungen Wissenschaftler das Gesamtbild einer äußerst vielschichtigen und eben nicht durchgängig exzellenten amerikanischen Hochschullandschaft entgegensetzte. Er strich dabei die Vorteile deutscher Postdocs im Vergleich zu ihren internationalen Peers hervor, vor allem gegenüber den amerikanischen, weil bei ihnen wertvolle Auslandserfahrungen noch lange nicht den Stellenwert hätten wie bei deutschen Wissenschaftlern.

"Hands on" war gegenüber den Begrüßungen und Referaten das Motto während des weitaus größten und mit Gesprächsrunden, fachbezogenen Arbeitsgruppen und Workshops gefüllten Zeitraums der Tagung. In diesen Arbeitsteil regelmäßig eingestreut waren Gelegenheiten für Beratungsgespräche auf der Talent Fair, auf der eine Rekordzahl an Hochschulen, Wissenschaftsorganisationen und Firmen um die Wissenschaftler warben.

Während der von Mitgliedern des GAIN-Beirats moderierten fünf Gesprächsrunden mit politisch Verantwortlichen in Deutschland stellten sich unter anderem die Bundestagsabgeordneten Krista Sager, Thomas Feist, Anette Hübinger, und Martin Neumann gemeinsam mit den Präsidenten der drei veranstaltenden Förderorganisationen, der Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margaret Wintermantel, und dem Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, Jürgen Mlynek, den kritischen Fragen der teilnehmenden Wissenschaftler. Gerade in den letzten Jahren, so der einhellige Tenor der Antworten, sei das politische Klima in Deutschland wissenschaftsfreundlich geworden wie lange nicht mehr und dieser politische Wille drücke sich auch konkret in einer deutlich verbesserten finanziellen Ausstattung in nahezu allen Bereichen aus.

In fünf fachbezogenen Arbeitsgruppen für die Bereiche Lebenswissenschaften, Medizin, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften und Ingenieurwissenschaften wurden in erster Linie durch DFG-Mitarbeiter die nach Bereich jeweils verschiedenen Karrierewege in Wissenschaft, Akademia und Industrie erörtert und Tipps für die Vernetzung in und die Vorbereitung einer Rückkehr nach Deutschland gegeben.

Ebenfalls eine quantitativ und qualitativ neue Dimension erreichten die Workshops. Bei dem von Anjana Buckow (DFG) moderierten Workshop zum Thema „Erfolgreich Nachwuchsgruppen beantragen, aufbauen und leiten“ präsentierten sich etwa "Best Practice"-Beispiele aus dem Emmy Noether-Programm, aus einem von der DFG geförderten Sonderforschungsbereich, aus einem Fraunhofer- und einem Max-Planck Institut und aus Sicht der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Die Möglichkeiten einer frühen wissenschaftlichen Selbstständigkeit, so der durchgängige Tenor, sind in Deutschland mittlerweile vielfältig geworden und sie sind manch hartnäckigen Wahrnehmungen zum Trotz eher Regel denn Ausnahme. Letzteres traf freilich umgekehrt auf den Workshop "Professur und Juniorprofessur: Bewerbung und erfolgreiche Berufungsverhandlungen" zu, denn in der Regel sitzen sich berufende Hochschulen und berufene Nachwuchswissenschaftler auf verschiedenen Seiten des Verhandlungstisches gegenüber. Auf der GAIN-Jahrestagung führten dagegen Hubert Detmer vom Deutschen Hochschulverband und der Kanzler der RWTH Aachen, Manfred Nettekoven gemeinsam die wesentlichen Aspekte einer Berufungsverhandlung einem überraschten und erfreuten Publikum als Pax de Deux vor.

Die von Ausstellern und Besuchern gleichermaßen als großer Erfolg gewertete Veranstaltung ging am Sonntagnachmittag mit einem von Sarah Poynton von der Johns Hopkins University School of Medicine angebotenen Workshop zu "Transatlantic Skills – International Research Careers" zuende.

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