Leistungsschau der europäischen Wissenschaft
Hohes Interesse bei der 16. Europäischen Karrieremesse in Boston
„Europa wird weiter in Wissenschaft und Forschung investieren“ und „Europa versucht, die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen“. Mit diesen Kernbotschaften beschloss Maire Geoghegan-Quinn, EU- Kommissarin für Wissenschaft, Forschung und Innovation, ihren Vortrag anlässlich einer hochkarätig besetzten Konferenz in Boston unter dem Titel „Destination Europe“. Die europäische Kommission hatte diese eintägige Konferenz erstmals im Zusammenhang mit der schon traditionellen europäischen Karrieremesse organisiert und so wurde das gesamte Wochenende in einer der Hochburgen amerikanischer Forschung zu einer Leistungsschau der europäischen Wissenschaft.
In besonderer Weise eindringlich waren die „testimonials“ der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch den European Research Council (ERC) gefördert werden. Starting Grants und Advanced Grants erlaubten Freiheit und Flexibilität, die ERC Grants hätten sich ein hohes Renomee erworben und seien entsprechend prestigeträchtig, so die übereinstimmenden Aussagen. Dementsprechend fiel die Ankündigung der Kommissarin, die Mittel für den – so wörtlich – „phantastisch erfolgreichen ERC“ im nächsten EU-Rahmenprogramm auf rund 15 Milliarden Euro zu verdoppeln, auf fruchtbaren Boden.
Die eigentliche Karrieremesse am Samstag auf dem Campus des Massachusetts Institute of Technology (MIT) brachte junge amerikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem aus den forschungsstarken Universitäten der Ostküste mit europäischen Firmen und Wissenschaftsorganisationen zusammen. Teilweise bildeten sich lange Schlangen an den Ständen, wobei sich das Interesse sehr stark auf die Arbeits- und Fördermöglichkeiten in Deutschland konzentrierte.
Um diese Fördermöglichkeiten für Doktoranden und für Post-Docs in Deutschland ging es dann schließlich am Sonntagvormittag in zwei vom German Academic International Network (GAIN) koordinierten, parallelen Workshops für Doktoranden und Postdocs, die beide „ausgebucht“ waren.
Die Karrieremesse selbst bot den gut 5.000 Besuchern ein Kaleidoskop an Angeboten und Informationsmöglichkeiten von Hochschulen, Förderorganisationen wie dem DAAD, der DFG, die Humboldt- Stiftung, sowie etwa 100 Firmen. Auch das Deutsche Generalkonsulat Boston sowie das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) New York waren mit eigenen Ständen vertreten. Die meist gestellte Frage am DFG-Stand war die nach Fördermöglichkeiten in der Post-Doc Phase, vor allem nach dem Emmy Noether Programm. Geändert hat sich allerdings die Zusammensetzung der Interessenten: neben vielen rückkehrwilligen deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden zunehmend auch junge Amerikaner sowie Südeuropäer und Asiaten vorstellig.
Die zum Teil massiven Kürzungen im amerikanischen Wissenschaftssystem lassen Europa und insbesondere Deutschland immer attraktiver erscheinen. Die vielfältigen Förderungsmöglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs, die zunehmende Flexibilisierung vor allem durch die Möglichkeiten der Exzellenzinitiative, die Internationalisierung an den Hochschulen, die das Sprachproblem weitgehend obsolet macht, weil in englischer Sprache geforscht und gelehrt wird, und nicht zuletzt die immer wieder beschworene Lebensqualität lassen das Pendel zugunsten Deutschlands ausschlagen. Etwas zugespitzt könnte man nach den Eindrücken in Boston vom „Forschungsparadies Deutschland“ sprechen.
Die Anstrengungen der Bundesregierung zur Erhaltung und weiteren Ausbau dieses Paradieses stellte am Sonntagmorgen Eckart Lilienthal vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) heraus. Bildung und Forschung hätten höchste Priorität in der Bundesregierung, die gerade noch einmal den Haushalt des BMBF um 12 Milliarden Euro erhöht habe.
Lebendig und überzeugend waren erneut die „testimonials“ der Post-Docs in der Informationsveranstaltung am Sonntag. So strich Mark Bathe, jetzt Professor für angewandte Biologie am MIT, vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen als Humboldt-Stipendiat in München die Großzügigkeit und Flexibilität der Förderung heraus, die sich deutlich von der durch die amerikanischen Förderer wie NSF oder NIH unterscheide. Keine Einzelmeinung, wie sich zeigte. Seine Zeit in Deutschland habe ihm die internationale Vernetzung ermöglicht, sowie eine Vielfalt an Forschungserfahrungen insbesondere im interdisziplinären Bereich gebracht.
Sarah Köster, 32 jährige Professorin der Physik an der Universität Göttingen, arbeitete von 2006 bis 2008 mit einem Forschungsstipendium der DFG in Harvard . Nach der Rückkehr erhielt sie im Rahmen der Exzellenzinitiative eine Junior-Professor mit tenure track in Göttingen. Auch sie betonte die Bedeutung der Vernetzung mit anderen Wissenschaftlern, die ihr so möglich wurden. Ihre Ermutigung an noch jüngere Kollegen: Deutschland wünscht sich Bewerbungen aus dem Ausland, die Chancen stehen günstig!
Lebensläufe wie der einer jungen Chinesin, die nach Abschluss ihres Studiums in Israel promovierte, dann zum Post-Doc in die USA ging und sich jetzt für Stellen in Deutschland interessiert, zeigen, wie weit die Globalisierung in der Wissenschaft vorangeschritten ist.
Wer die besten Bedingungen schafft, wird auch die besten Köpfe anlocken – Deutschland hat hier derzeit gute Karten.
Deutsche Präsenz auf der MIT European Career Fair
Lesley Wilson, Secretary General der European Universities Association
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