Internationalisation Strategies of US and German Universities
Vortrag und Diskussion, 5. Mai 2010, DFG Office North America NY, 871 UN Plaza, 15th floor, New York NY, 10017, USA
Am 5. Mai lud die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zu einer Diskussion zum Thema "Internationalisation Strategies of US and German Universities“ in den Räumlichkeiten des New Yorker Büros der DFG ein. Referent war Jens Ennen, Lecturer British Economy am Großbritannien-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin, der in den Wochen zuvor im Nordamerika-Büro hospitiert hatte. Die dem Vortrag folgende Diskussion wurde von Dr. Marion Müller, Leiterin des DFG Nordamerika-Büros, moderiert. Es nahmen rund fünfzehn Personen aus dem Bereich Wissenschaftsmanagement teil. Unter anderem waren Dr. Regina Oertel, Dezernentin für Technologietransfer und Forschungsförderung an der RWTH Aachen und Dr. Kathrin DiPaola, Direktorin des Deutschen Hauses an der New York University, unter den Teilnehmern.
Jens Ennen stellte in seinem Vortag die Unterschiede in der internationalen Ausrichtung amerikanischer und deutscher Hochschulen dar. Er erklärte zum Beginn seines Vortrags, dass der Forschungsgegenstand noch relativ neu sei und deshalb noch nicht zu allen Internationalisierungsaspekten robuste empirische Befunde vorliegen würden. Außerdem gäbe es manchmal für eines der beiden Länder zu einem Teilbereich klare Forschungsergebnisse, so dass eine klare Gegenüberstellung oft unmöglich sei. Das Thema sei so aktuell, dass in der näheren Vergangenheit das Publikationstempo zugenommen habe und dass dieser Trend vermutlich noch anhalten würde.
Internationalisierung spiele für die Hochschulen eine große Rolle, da das Bewusstsein über die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die Entwicklung einer Volkswirtschaft in den letzten Jahren immer stärker betont worden sei. Die Universitäten stünden unter immer größerem Druck, erstklassige Forscher an sich zu binden und eine gute Reputation aufzubauen oder zu verteidigen. Dazu sei der Blick über den Tellerrand und die Zusammenarbeit zwischen Forschern unterschiedlicher Herkunft von immer größer werdender Bedeutung. Die Anzahl amerikanischer Hochschulen, für die Internationalisierung eine der wichtigsten Prioritäten darstellt, hat zwar in den letzten Jahren zugenommen, doch könne man bei einem großen Teil nicht von einer vollständigen Strategie sprechen, sondern es handele sich eher um vage Phrasen in den Mission Statements, die nicht durch konkrete Maßnahmen einschließlich Controlling vervollständigt würden. Für die Mehrzahl der amerikanischen Hochschulen bedeute Internationalisierung die Offenheit für und den Wettbewerb um hervorragende Wissenschafter und Studierende aus dem Ausland. Der Anteil der amerikanischen Forscher, die bereits längere Zeit im Ausland gearbeitet haben, sei weiterhin sehr gering. Die Größe des Landes und die hervorragende Stellung der USA in den Wissenschaften seien Gründe für die starke Orientierung am Inland. Es sei auch insbesondere für jüngere Wissenschaftler nicht für die Karriere förderlich, das Land zu verlassen. Dennoch hätte ein großer Teil der amerikanischen Wissenschaftler grundsätzliches Interesse an einer Position im Ausland, insbesondere in Europa. Es gäbe außerdem Hinweise, dass Internationalisierung der Forschung in der Regel 'bottom-up', also auf Bestreben der jeweiligen Wissenschaftler und deren Kontakte erfolge. Institutionelle Partnerschaften seien aber dennoch hilfreich, um bestehende Kollaboration zu unterstützen. Ferner sei Evidenz vorhanden, dass Zeit im Ausland der entscheidendste Faktor sei, welcher Forschungszusammenarbeit unterstützte. Insofern habe dies eine gewisse Hebelwirkung, wenn man Internationalisierung nachhaltig erhöhen wolle. Deutsche Wissenschaftler seien im Bezug auf alle Dimensionen der Zusammenarbeit mit Kollegen im Ausland den amerikanischen Forschern überlegen, was sicherlich auch mit der kleineren Universitätslandschaft in Deutschland zusammenhänge Außerdem hätten die Strategien der deutschen Hochschulen in den vergangenen Jahren eine stärkere internationale Orientierung erhalten. Der Internationalisierungsbegriff sei universeller und nicht nur auf die Offenheit für ausländische Wissenschaftler und Studierende beschränkt, aber auch die Strategien seien detaillierter und mit konkreten Maßnahmen versehen. Insofern seien deutsche Hochschulen dem Konzept einer wahren Internationisierung schon einen Schritt näher gekommen.
In der auf den Vortrag folgenden Diskussion tauschten die Teilnehmer sich über ihre eigenen Erfahrungen mit den internationalen Aktivitäten der Hochschulen und den Wissenschaftlern lebhaft aus. Insbesondere die Frage, inwiefern Forscher dazu bewegt werden können, sich in internationalen Projekten zu engagieren, wurde kontrovers diskutiert.