Differences Between The System Of US and German Doctoral Education
Luncheon Discussion, 20. April 2010, DFG Office North America NY, 871 UN Plaza, 15th floor, New York NY, 10017, USA
Am 20. April lud die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zu einer Luncheon Diskussion zum Thema "Differences between the system of US and German doctoral education“ in den Räumlichkeiten des New Yorker Büros der DFG ein. Referent war Dr. Jürgen Breitkopf aus der Gruppe Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen und Nachwuchsförderung der DFG. Die dem Vortrag folgende Diskussion wurde von Dr. Marion Müller, Leiterin des DFG Nordamerika-Büros, moderiert. Es nahmen rund zwanzig Wissenschaftler und Personen aus dem Bereich Wissenschaftsmanagement teil.
Dr. Jürgen Breitkopf
Bild-Download (JPG)
Dr. Breitkopf stellte in seinem Vortrag das in Deutschland übliche System der Doktorandenausbildung mit den Rahmenbedingungen und Organisationsformen vor. Breitkopf beschrieb das nach Universitäten, Fachhochschulen und speziellen Hochschulen gegliederte deutsche Hochschulsystem und stellte es dann der Hochschullandschaft in den USA gegenüber. Ferner betonte er, dass man in Deutschland zur Weiterqualifizierung einen Abschluss dem anderen folgend ablegen müsse (Bachelor, Master, Dissertation, Habilitation), während man in den USA bereits nach dem Bachelor-Abschluss entweder mit einem Promotionsstudium beginnen könne, oder sich u. a. alternativ für einen stärker praxisorientierten Masterstudiengang entscheiden könne. Ein Teil der deutschen Doktoranden entscheide sich nicht in erster Linie für die Promotion, weil sie eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebten, sondern weil der Doktortitel für eine Vielzahl an Positionen de facto erwartet werde. In den USA verlassen zwar auch viele Wissenschaftler nach der Promotion die wissenschaftliche Laufbahn, doch verfolge zumindest eine Mehrheit der Doktoranden das Ziel in der Wissenschaft zu bleiben. In den USA könne man rein formal direkt nach der erfolgreichen Annahme der Dissertation eine Professur erhalten, da keine Habilitation notwendig sei. Ein weiterer Unterschied bestehe zwischen dem traditionellen deutschen „Doktorvater“ Modell und der strukturiert stattfindenden amerikanischen Doktorandenausbildung. Deutsche Doktoranden arbeiteten oftmals in diesem System für sich alleine, und seien nicht verpflichtet Unterricht zu belegen oder eingeschrieben zu sein. Ihr(e) Betreuer(in) fungiere als Hauptansprechpartner und -begutachter der Arbeit. In den USA müssten sich Doktoranden hingegen in ein strukturiertes Promotionsprogramm einschreiben, dessen Zugang begrenzt sei und wofür Studiengebühren anfielen. Breitkopf betonte die wachsende Bedeutung von alternativen Ausbildungswegen zur Promotion in Deutschland. Zwar überwiege zahlenmäßig weiterhin das Doktorvater-Modell, jedoch hätten in den letzten Jahren innovative Wege zur Promotion an Bedeutung gewonnen. Dazu gehören zum Beispiel die von der DFG geförderten Graduiertenkollegs und Graduiertenschulen, die in ihrer Konzeption an das amerikanische System der Doktorandenausbildung angelehnt seien. Dr. Sebastian Fohrbeck, Leiter der DAAD Außenstelle New York, betonte jedoch, dass das deutsche Konzept der Graduiertenschule zwar eine Parallele zur amerikanischen graduate school suggeriere, Graduiertenschulen aber in der Realität eher Doktorandenschulen seien, wohingegen graduate schools sowohl Doktoranden als auch Masterstudierende ausbildeten.
Bild-Download (JPG)
Breitkopf erklärte, dass die meisten deutschen Doktoranden ihren Lebensunterhalt als wissenschaftliche Mitarbeiter, als Stipendiaten, in externen Projekte, oder gelegentlich mit diversen „Jobs“, oder einer Kombination aus diesen Möglichkeiten bestreiten würden. In den USA finanzierten Doktoranden sich gewöhnlich über Positionen als research oder teaching assistants, als Stipendiaten, mit Tätigkeiten außerhalb Academias. Eine Kombination der genannten Finanzierungsquellen ist sehr weit verbreitet. Generell kämen in den USA jedoch zu den Kosten für den Lebensunterhalt grundsätzlich noch Studiengebühren hinzu, wohingegen solche in Deutschland nicht für Doktoranden anfielen. Diese entfallen jedoch bei einer Tätigkeit als research bzw. teaching assistant. Insgesamt lassen sich für Deutschland Veränderungstendenzen in der Doktorandenausbildung feststellen, jedoch wird das traditionelle Doktorvater-Modell weiterhin eine Rolle spielen. Auch wird es zumindest in der näheren Zukunft vermutlich keine Studiengebühren für Doktoranden geben.
In der anschließenden Diskussion teilten die Teilnehmer ihre Erfahrungen aus erster Hand zum Thema Doktorandenausbildung mit und diskutierten die weitergehenden Unterschiede zwischen den beiden akademischen Systemen. (JE)