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DFG nimmt Kontakt in Costa Rica wieder auf

(02.01.18) Anfang Dezember reiste eine DFG-Delegation nach Costa Rica, um das wissenschaftliche Potenzial des Landes zu erkunden und Möglichkeiten für die gemeinsame Förderung deutsch-costa-ricanischer Projekte auszuloten. Bei ihrem viertägigen Aufenthalt in San José, Alajuela und Cartago besuchten Dietrich Halm, Leiter der Gruppe für Internationale Zusammenarbeit mit Lateinamerika und der Karibik aus der DFG-Geschäftsstelle in Bonn, und Kathrin Winkler, Leiterin des DFG-Büros Lateinamerika in São Paulo, die lokalen Förderorganisationen und Hochschulen.

Die DFG-Delegation stellte an den costa-ricanischen Institutionen Förderinstrumente und Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit vor

Die DFG-Delegation stellte an den costa-ricanischen Institutionen Förderinstrumente und Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit vor

© DFG

Das kleine, in Zentralamerika gelegene Land ist weithin bekannt für seine biologische Vielfalt und Naturschönheit, aber auch aufgrund des kontinuierlichen Wirtschaftswachstums, der politischen Stabilität und beträchtlichen Investitionen in Bildung und Forschung während der vergangenen zehn Jahre verstärkt in den Fokus gerückt – 2017 wurden 8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in den Sektor investiert.

Gegenwärtig kann Costa Rica nach Kuba außerdem die zweitniedrigste Analphabetenrate der Region sowie ein solides Hochschulsystem vorweisen: Im lateinamerikanischen Raum kommen nur in Uruguay und Chile mehr Studierende auf 100 000 Einwohner. Dieses Szenario trägt maßgeblich zur Entwicklung des Wissenschaftssektors in Costa Rica bei und bildet eine gute Grundlage für eine Wiederannäherung zwischen der DFG und den Institutionen vor Ort.

Die Ernennung der DAAD-Alumna Prof. Dr. Giselle Tamayo Castillo zur Präsidentin des Nationalen Rats für wissenschaftliche Forschung und Technologie (Consejo Nacional para Investigaciones Científicas y Tecnológicas – CONICIT) im Jahr 2016 gab neue Impulse, und die Institution hat seitdem ihre Bestrebungen zur Stärkung der internationalen Kooperation – insbesondere mit Deutschland – intensiviert. Seit 1991 besteht formal ein Kooperationsabkommen zwischen der DFG und dem CONICIT. „Unser Ziel ist es, diese Vereinbarung als aktives Instrument zur gemeinsamen Förderung bilateraler Forschungsprojekte einzusetzen“, betonte Dietrich Halm.

Der CONICIT ist mit der Förderung von Forschungsprojekten und wissenschaftlichem Nachwuchs betraut und verfügt über eine autonome Verwaltung. Das Budget der Institution kommt hauptsächlich vom Ministerium für Wissenschaft und Telekommunikation (MICITT); ein kleinerer Teil wird direkt von der costa-ricanischen Regierung in Form von Mitteln der Interamerikanischen Entwicklungsbank zur Verfügung gestellt, die in Forschungsbereiche von nationalem Interesse fließen. Am 6. Dezember nahm die DFG-Delegation in San José einen Termin mit CONICIT-Präsidentin Castillo, Generalsekretär Arturo Vicente León und Koordinator Max Cerdas López wahr, um Möglichkeiten der gemeinsamen Projektförderung zu diskutieren. Thematisiert wurde dabei unter anderem die Kofinanzierung von Workshops zum Aufbau internationaler Kooperationen – ein Instrument, das zur Intensivierung bereits bestehender Kontakte zwischen Forscherinnen und Forschern in Deutschland und Costa Rica beitragen soll.

Eine weitere wichtige Institution im Wissenschaftsbereich ist der costa-ricanische Rektorenrat (CONARE), mit dessen Vertreterinnen und Vertretern die DFG-Delegation ebenfalls ein aufschlussreiches Gespräch zu Perspektiven der internationalen Kooperation führte. Der CONARE ist die unabhängige Organisation der fünf öffentlichen Universitäten des Landes und ist für die Verteilung und Zuweisung der staatlichen Fördermittel auf die Mitgliedshochschulen zuständig. Am Treffen in San José nahmen die Rektoren der Universidad de Costa Rica (UCR), des Tecnológico de Costa Rica (TEC), der Universidad Nacional (UNA), der Universidad Técnica Nacional (UTN) sowie der Universidad Estatal a Distancia (UNED) teil. Beide Seiten bekundeten dabei großes Interesse an der gemeinsamen Finanzierung von Projekten zum Aufbau internationaler Kooperationen (zum Beispiel bilaterale Workshops) im kontinuierlichen Verfahren, das eine Antragstellung jederzeit und ohne feste Fristen erlaubt. Der Dialog wurde nach der Reise fortgeführt mit dem Ziel, noch in diesem Jahr eine gemeinsame Förderung von Forschungsprojekten zu ermöglichen.

Obwohl es in Costa Rica insgesamt 64 Hochschulen gibt, wird nahezu die gesamte wissenschaftliche Forschung durch die fünf staatlichen Universitäten geleistet, die mehr als die Hälfte der Forschungsinstitute des Landes stellen, und auch der Großteil der Studierenden entfällt auf die CONARE-Mitglieder. Diese Hochschulen profitieren von finanzieller Stabilität und Autonomie in Planung und Verwaltung, da gesetzlich vorgeschrieben ist, dass deren jährliches Budget nicht unter dem Vorjahressatz liegen darf. Um jedoch eine spürbare Erhöhung der Mittel herbeizuführen, muss in der Regel über CONARE mit der Regierung in Verhandlung getreten werden. Aktuell werden 18 Prozent der Forschung und Entwicklung im Auftrag der Regierung durchgeführt und 55 Prozent dienen rein akademischen Zwecken. Der Rest erfolgt in Verbindung mit der Wirtschaft, Nicht-Regierungsorganisationen oder anderen privaten Einrichtungen.

Im Rahmen der Reise besuchten Halm und Winkler außerdem zwei Mitgliedsuniversitäten des CONARE. In der costa-ricanischen Hauptstadt stand ein Termin an der UCR, der größten Hochschule des Landes, auf dem Programm. Die Einrichtung verfügt über ein entsprechend hohes Budget und Fördermittel für Forschungsprojekte und Stipendien. Die UCR ist international ausgerichtet und hat mit über 40 Ländern Kooperationsabkommen geschlossen, unter anderem auch mit 16 wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland – größtenteils zur Mobilitätsförderung. Darüber hinaus wurde ein Postdoc-Programm für internationale Forscherinnen und Forscher aufgelegt, das einen Aufenthalt von bis zu zwei Jahren an der UCR ermöglichen und dazu beitragen soll, neue Erkenntnisse von außerhalb in die Forschung an der Universität zu integrieren. Im Gespräch mit den DFG-Vertretern bekräftigten der Rektor, Prof. Dr. Henning Jensen, und der Prorektor für Forschung, Prof. Dr. Fernando García, den Wunsch der UCR nach einer intensiveren Wissenschaftskooperation mit Deutschland.

Der zweite Hochschulbesuch führte die DFG-Delegation nach Cartago, wo das TEC angesiedelt ist, eine Studien- und Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt auf Natur- und Ingenieurwissenschaften. Die Annäherung zwischen der DFG und den costa-ricanischen Organisationen CONARE und CONICIT wurde von der Vizepräsidentin für Forschung, Prof. Dr. Paola Vega Castillo, und dem Leiter des Prorektorats für Forschung, Prof. Dr. Dagoberto Arias Aguilar, mit Begeisterung aufgenommen. Die Möglichkeit der bilateralen Finanzierung eröffne den Forscherinnen und Forschern an der TEC neue Perspektiven im Rahmen internationaler Projekte.

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