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Diskussionen über den „Impact“ der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland und Japan

DFG veranstaltet Symposien in Tokyo und Hiroshima

Grußworte von DFG-Präsident Strohschneider beim Eröffnungsdinner

Grußworte von DFG-Präsident Strohschneider beim Eröffnungsdinner

© DFG

(24.11.17) In Japan geraten die Grundlagenforschung und hier insbesondere die Geistes- und Sozialwissenschaften immer mehr unter Rechtfertigungsdruck. Der anwendungsorientierten Forschung mit ihren Versprechungen von unmittelbarem Output, Innovationsleistungen und der Befriedigung von gesellschaftlichen Bedürfnissen (societal needs) wird politisch Vorrang gegeben. Um diese Situation mit japanischen und deutschen Perspektiven zu diskutieren, veranstaltete die DFG am 13. und 14. November 2017 in Tokyo das Symposium „The Impact of the Humanities and Social Sciences. Discussing Germany and Japan”, sowie am 15. November ein „Satellite Symposium” zum gleichen Thema an der Hiroshima University, bei denen sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Politik austauschten. Die beiden Zwillingssymposien brachten dem Thema in Japan landesweit Aufmerksamkeit und konnten so die Position der japanischen Geisteswissenschaften stärken.

Prof. Dr. Seigo Hirowatari, der ehemalige Präsident des Science Council of Japan, eröffnete die Veranstaltung am 13. November und gab zunächst einen Überblick über den aktuellen Zustand der Geistes- und Sozialwissenschaften in Japan. Hirowatari erklärte den Zustand der „relativen Armut“ der japanischen Geistes- und Sozialwissenschaften und sprach sich für eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit aus, um den beiden Forderungen nach „Science for Science“ und „Science for Society“ nachzukommen.

Zum wissenschaftspolitischen Teil der Veranstaltung, einem Workshop zu den Themen „Societal Impact als Bewertungskategorie für Forschung“ und „Der Impact der Geistes- und Sozialwissenschaften“, waren DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider, Vizepräsidentin Prof. Dr. Julika Griem, Senatorin Prof. Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka und Senator Prof. Dr. Thomas Risse seitens der DFG angereist. Von japanischer Seite nahmen Vertreterinnen und Vertreter japanischer Wissenschaftsorganisationen wie der Japan Society for the Promotion of Science, Japan Science and Technology Agency, Science Council of Japan, Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology teil.

Sprecherinnen und Sprecher des Social Science Workshop in Tokyo

Sprecherinnen und Sprecher des Social Science Workshop in Tokyo

© DFG

Strohschneiders Keynote Speech über „Truth – Impact – Power“ bildete dabei die Grundlage für die Diskussion. Er sprach darin von einer Aufgabenbestimmung der Geistes- und Sozialwissenschaften, aus der sich eine Rechtfertigung für ihre staatliche Finanzierung ableiten ließe. Im Zentrum stehe die Idee der Geistes- und Sozialwissenschaften als Ort des Nachdenkens über Möglichkeitsräume in Kultur, Politik und Gesellschaft. Der „Impact“ dieser Disziplinen ließe sich jedoch nicht quantitativ messen. Die erste Diskussionsrunde diskutierte im Anschluss unter Moderation von DFG-Vizepräsidentin Julika Griem Strategien des Umgangs mit dem sich verstärkenden politischen Druck auf die Geistes- und Sozialwissenschaften. Thomas Risse forderte in diesem Zusammenhang die Forschercommunity dazu auf, anspruchsvolle Qualitätsstandards aufzustellen und Verstöße strikt zu ahnden, um die Basis des gesellschaftlichen Vertrauens in die Wissenschaft(en) zu schützen. Prof. Sayaka Oki wies zudem auf interessante Unterschiede in den Vokabularien der jeweiligen Rechtfertigungsdiskurse in Japan und Deutschland hin: So würde in Japan im Kontext von Forschungsprojekten vor allem über die Erfüllung von „societal needs“ gesprochen, während im anglo-amerikanischen und europäischen Kontext im Gegensatz dazu auf die „societal impacts“ von Forschung hingewiesen werden würden.

Vize-Präsidentin Griem bei der Diskussion mit dem Publikum an der Hiroshima University

© DFG

Der fachwissenschaftliche Teil des Symposiums bestand aus insgesamt drei Panels, einem Vortrag zum japanischen Daten-Archiv am Institute of Social Science der University of Tokyo und einer Abschlussrunde. Die Panels hatten je einen fachlichen Fokus und wurden von den beiden Co-Organisatorinnen Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott und Prof. Karen Shire sowie von Prof. Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka geleitet. Die Panels boten inhaltlich aufeinander bezogene Beiträge, die entlang gemeinsamer soziologischer und politikwissenschaftlicher Themen aus Japan und Deutschland organisiert waren. So konnten die Beteiligten neue Einblicke in die Forschungsschwerpunkte der jeweils anderen Seite gewinnen; tatsächlich wurden zahlreiche Anknüpfungspunkte für einen wissenschaftlichen Austausch und Kooperationen sichtbar. Das Symposium in Tokyo war nicht nur hochkarätig besetzt, sondern mit insgesamt knapp 100 Personen in den Panels und im Publikum auch sehr gut besucht. Der Vortrag von Prof. Dr. Hiroshi Ishida zur Vorstellung des Data Archive Social Sciences an der Tokyo University zeigte am Ende, das auch die japanische Dateninfrastruktur gute Anknüpfungspunkte für vergleichende Forschungsarbeiten bietet.

Auch beim Satellite Symposium am 15. November an der Hiroshima University bildete Strohschneiders Rede über „Truth – Impact – Power“ den Ausgangspunkt für eine Podiumsdiskussion mit ortsansässigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Werte wie akademische Freiheit, Autonomie und Demokratie haben an der Hiroshima University – auch in der Universitätsverwaltung – einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb versucht sich die Universität derzeit, dem Druck auf die Geistes- und Sozialwissenschaften und die Grundlagenforschung zu widersetzen. In dieser Atmosphäre fand eine intensive, anregende und offene Diskussion statt, in der gemeinsame Standpunkte und unterschiedliche Ansätze diskutiert wurden.

In Hiroshima zog die Veranstaltung rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende und Wissenschaftsmanager an. Auch eine Vertreterin des japanischen Wissenschaftsministeriums (MEXT) brachte sich in die Diskussion ein. Insgesamt haben die beiden Veranstaltungen in Tokyo und Hiroshima Diskussionen zum Thema „Impact in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ angestoßen und Impulse gesetzt.

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