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Symposium in Tokyo zu “Supporting Tomorrow’s Leading Researchers - Innovations and Challenges”

Ansätze aus Japan und Deutschland

Am 15. Juli veranstalteten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), das Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin (JDZB) und die Japan Science and Technology Agency (JST) ein Symposium aus Anlass des 150. Jubiläums des Japanisch-Deutschen Freundschaftsvertrages von 1861.

Im Mittelpunkt des Symposiums standen die Forschungsarbeit von Wissenschaftlern auf verschiedenen Karrierestufen in innovativen Bereichen sowie die effektive Förderung von Kooperation. Diskutiert wurden Themen wie konkrete Ansätze zur Unterstützung der nächsten Forschergeneration, Besonderheiten der Förderungssysteme in Japan und Deutschland sowie Herausforderungen und Chancen der Zusammenarbeit zwischen Japan und Deutschland in Wissenschaft und Gesellschaft.

Der Fokus lag dabei bei besonders risiko- und chancenreicher Forschung. Wie deren Bedeutung für die Gesellschaft einer breiten Öffentlichkeit besser kommuniziert werden kann, war Thema der Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum. Dass bei der Veranstaltung wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden konnten, bestätigten die beteiligten Sprecher und Organisatoren. Aus den Reihen der über 200 Teilnehmer wurde ebenso positives Feedback gemeldet.

Professor Dr. Koichiro Agata (Member of the Foundation council of JDZB und Professor an der Waseda Okuma School of Public Management), Professor Dr.-Ing. Matthias Kleiner (Präsident der DFG) und Professor D.Sc. Koichi Kitazawa (Präsident der JST) eröffneten das Symposium im Auditorium des National Museum of Emerging Science and Innovation (Miraikan) in Tokyo.

Anschließend begrüßten Professor Dr. Tasuku Honjo (Executive Member of the Council for Science and Technology Policy, CSTP), Herr Itaru Watanabe (Senior Deputy Director-General des Science & Technology Policy Bureau, Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology, MEXT) sowie Minister Peter Rondorf (Leiter der Abteilung für Wirtschaft und Wissenschaft der Deutschen Botschaft Tokyo) die Teilnehmer.

Es folgten zwei Keynote Reden:

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Jörg Hacker (Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina) sprach über wissenschaftliche Kooperation, die einen wichtigen Faktor in der Beziehung zwischen zwei Ländern darstelle. Professor Hacker verwies damit auf die über 150jährige Geschichte der wissenschaftlichen Verbindung zwischen Japan und Deutschland; veranschaulicht anhand einiger Beispiele der erfolgreichen japanisch-deutschen Zusammenarbeit in der Mikrobiologie. Deutlich wurde auch das Potential zukünftiger deutsch-japanischer Kooperation bei der Lösung von Problemen wie der Entwicklung von Impfstoffen gegen Aids, Malaria oder Tuberkulose.

Professor Dr. Yoshihiro Kawaoka (Professor der Division of Virology am Institute of Medical Science, The University of Tokyo) stellte seine Forschungsarbeit über das Influenza und das Ebola Virus vor. Professor Kawaoka arbeitet an einer neuen Strategie zur Bekämpfung von Viruskrankheiten und wird im Rahmen des „Exploratory Research for Advanced Technology“ (ERATO) Programmes der JST gefördert. Da Viruserkrankungen ein globales Problem sind, sei auch auf diesem Gebiet internationales Engagement gefordert.

 

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Sprecher und Moderatoren des Symposiums




Der zweite Teil der Veranstaltung am Nachmittag „Successful Innovative Research and High-Risk Research Funding“ bot einen Überblick über die Fördersysteme der DFG und der JST insbesondere im Bereich der innovativen Forschung.

Professor Kleiner erläuterte in seinem Beitrag Fördermöglichkeiten für risikoreiche Forschung, die durch Unsicherheit über ihre Dauer, ihren Ausgang und ihre Erfolgsaussichten gekennzeichnet ist. Gerade innovative Forschung müsse jedoch ein gewisses Risiko in Kauf nehmen. Da bei risikoreicher Forschung mitunter komplette Richtungswechsel, die Entwicklung neuer Methoden oder die Anwendung unkonventioneller Maßnahmen nötig sein können, müsse auch die Förderung in diesem Bereich entsprechend flexibel sein. Das stelle für die Förderorganisationen eine Herausforderung dar. Die DFG begegnet dieser Herausforderung beispielsweise mit den „Reinhardt Koselleck-Projekten“; ein Förderinstrument speziell im Bereich „high-risk“. Professor Kleiner betonte, dass ein risikoreiches Projekt sehr viel Mut von den Antragsstellern und der DFG erfordere, und dieser Mut auch in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft ein Zeichen setzen solle.

Professor D.Sc. Koichi Kitazawa gab einen Überblick über die Fördermöglichkeiten der JST. Zwar habe JST keine speziell für den „high-risk“ Bereich ausgerichteten Förderinstrumente, aber über Programme wie CREST, ERATO oder PRESTO würden bahnbrechende Projekte gefördert.

Professor Dr. Hiroshi Takahashi (Director, JST Program Officer Academy) erläuterte die besonderen Anforderungen, die sich Förderorganisationen und Gutachtern beim Management von „high-risk“ und „high-impact“ Forschung stellen. Die Gutachter müssten beispielsweise über ein umfangreiches Expertenwissen in den unterschiedlichen Disziplinen verfügen.

Während der anschließenden Q&A Runde entstand eine lebhafte Diskussion mit Teilnehmern aus dem Publikum. Auf die Frage nach besonderen Fördermöglichkeiten für Forscherinnen in Deutschland wies Professor Kleiner auf die zahlreichen Programme der DFG und steigende Zahlen bei den Bewerberinnen hin. Aus dem Auditorium kam auch der Hinweis, dass es im Zusammenhang mit risikoreicher Forschung, deren zukünftige Auswirkungen auf die Gesellschaft man nicht absehen könne, die Geisteswissenschaften in die Diskussion mit einbezogen werden müssten. Professor Kleiner stellte fest, dass bei der DFG im „high-risk“ Bereich auch geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung gefördert werde und zahlreiche Projekte interdisziplinär angelegt seien. Positiv wurde bewertet, dass in Deutschland die Entwicklung neuer Energien unterstützt werde und dass auch die JST verstärkt auf diesem Gebiet fördern will.

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„Successful Innovative Research and high-risk Research Funding“, Moderator Herr Osamu Kobayashi




Anschließend wurden konkrete Beispiele aus der innovativen Forschung in Deutschland und Japan vorgestellt.

Der erste Teil beschäftigte sich mit „Solar Energy Conversion and Use“. Professor Dr. Haruo Inoue (Professor am Center for Priority Area, Tokyo Metropolitan University; Research Supervisor of PRESTO und „Sakigake” Researcher, Projekt „Chemical Conversion of Light Energy”) sprach über die chemische Umwandlung von Licht in Energie und Probleme der künstlichen Photosynthese. Seine Forschung wird durch das „Precursory Research for Embryonic Science and Technology“ (PRESTO) Programm der JST unterstützt.

Dr. Ryu Abe (Associate Professor am Catalysis Chemistry Research Centre, Hokkaido University) beschrieb die Entwicklung einer Technik zur Herstellung von Wasserstoff mit Hilfe von Photovoltaik. Der Wasserstoff könnte als Energiequelle für Wasserstoff-Brennstoffzellen genutzt werden. Professor Dr. Hans-Werner Schock (Leiter des Bereichs Solarenergieforschung / des Instituts für Technologie, Helmholtz-Zentrum Berlin) stellte in seinem Vortrag die Solarenergie-Forschung am Helmholtz-Zentrum Berlin vor, die beispielsweise an der Energieeffizienz dieser erneuerbaren Energie arbeitet. Am Helmholtz-Zentrum bietet sich auch für junge Forscher aus dem Ausland in sogenannten „Summer Schools“ und anderen Programmen die Möglichkeit, internationale Erfahrung zu sammeln.

Der zweite Teil am Nachmittag befasste sich mit „Innovations in Medical Treatment“ und wurde von Dr. Kenji Osafune (Associate Professor am Center for iPS cell Research and Application (CiRA), Kyoto University und PRESTO / „Sakigake” Researcher, Projekt „Understanding Life by iPS Cells Technology”) eingeläutet. An seinem Labor wird der Einsatz von iPS-Zellen bei der Entwicklung neuer regenerativer Therapien oder dem Testen neuer Medikamente erforscht. So sollen innovative Heilmethoden für Krankheiten wie Nierenleiden, Diabetes Mellitus oder chronische Leberkrankheiten gefunden werden.

Professor Dr. Illeana Hanganu-Opatz (Professorin am Zentrum für Molekulare Neurobiologie Hamburg (ZMNH), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Emmy Noether Gruppenleiterin) stellte in ihrem Vortrag ihre Forschungsarbeit zur Bedeutung der oszillativen Aktivität im Gehirn für die Bildung neuronaler Netzwerke und die Ausbildung kognitiver Fähigkeiten und bestimmter Verhaltensweisen vor. Professor Hanganu-Opatz Emmy Noether Forschergruppe arbeite dabei eng mit der Psychologie zusammen und ist auch international vernetzt.

Im dritten Teil zum Thema „The Development of Nanobiology Capability” sprach zunächst Professor Takeharu Nagai (Professor am Research Institute for Electronic Science, Hokkaido University und PRESTO / „Sakigake” Researcher, Projekt “Innovative Use of Light and Materials / Life”) über seine Arbeit zu neuen biologischen „Leuchtmarkern”. Ziel seiner Forschung ist die Entwicklung von genetisch bedingten chemischen Stoffen in Zellen, die beispielsweise Krebszellen zum Leuchten bringen und somit abbildbar und auffindbar machen. So wären Tumore bereits in einem Anfangsstadium feststellbar.

Professor Dr. Christian Hackenberger (Professor am Institut für Chemie und Biochemie, Freie Universität Berlin und Emmy Noether Gruppenleiter) gab eine Einführung in seine Forschungsarbeit über Proteine und chemische Reaktionen als Schlüsselfaktoren für neue Erkenntnisse in den Lebenswissenschaften. Daneben sprach Professor Hackenberger über die Fördersysteme in Deutschland speziell für Forscher im Anfangsstadium ihrer Karriere. Besonders sei am deutschen Fördersystem, dass sie die frühe Unabhängigkeit junger Wissenschaftler unterstütze. Durch das Emmy Noether-Programm der DFG oder Gruppenleiterpositionen an den Max-Planck- und Helmholtz-Instituten erhalten angehende Professoren Unterstützung bei der Etablierung eigener Forschergruppen (independent research groups). Auch Programme aus der Industrie wie das Liebig Stipendium, ein Fond der chemischen Industrie oder der Plus3 Award der Boehringer Ingelheim Stiftung unterstützen junge Forscher. Professuren werden beispielsweise von der DFG (Heisenberg-Professur), der Volkswagen-Stiftung (Lichtenburg Professur), der Alexander von Humboldt-Stiftung (Kovalevskaja-Award) oder durch ERC starting grants gefördert.

Bei der folgenden Podiumsdiskussion geleitet von Professor Inoue wurden dann weitere Aspekte der Förderung in Deutschland und Japan diskutiert. Positiv am deutschen System wurde die hohe Flexibilität und Vielfalt der zahlreichen Förderprogramme für junge Forscher gesehen. Negativ nahmen die jüngeren Wissenschaftler wahr, dass es wenig Unterstützung für die Fortführung einer Karriere wie etwa Tenure-Stellen gäbe. Am japanischen System wurde gelobt, dass es mittlerweile gute Programme für unabhängige junge Forscher gäbe. Kritisch gesehen wurde allerdings, dass oft in der Praxis die Unabhängigkeit jüngerer Forscher an einem Institut oder einer Universität nicht gewährleistet sei. In Japan fehlten zudem effektive Programme für „Rückkehrer“, die eine Motivation für mehr Mobilität darstellen könnten. In Japan würden viele Forscher einen Karriereknick fürchten, wenn sie einige Zeit ins Ausland gingen. Insgesamt schätzten beide Seiten die Entwicklung in der Förderung positiv ein.

Professor Dr. Takayoshi Mamine (Executive Director im Innovation Headquarters der JST) lenkte in seiner Abschlussrede das Augenmerk noch einmal auf die lange Tradition der deutsch-japanischen Zusammenarbeit in der Forschung und schloss das Symposium mit einem positiven Blick in die Zukunft.

Beim folgenden Empfang machten dann zahlreiche Teilnehmer von der Gelegenheit Gebrauch, die angesprochenen Themen, Fragen und Anregungen im direkten Gespräch zu diskutieren.

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Professor Dr. Haruo Inoue: „Chemical Conversion of Light Energy: How can we get through the bottle neck of Artificial Photosynthesis”




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