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Stand der Dinge in Tokyo

Einen Monat nach dem großen Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März 2011 und dem Beginn der Störfälle im AKW Fukushima hat das DFG-Büro Japan am 11. April seine Arbeit wieder voll aufgenommen. Die Mitarbeiterinnen in Tokyo (Myra Bauersachs, Dr. Saiki Hase, Hanako Uchikoshi und Dr. Iris Wieczorek (Direktorin)) bedanken sich für alle Fragen, guten Wünsche und jede Unterstützung herzlich und stehen sehr gerne als Anlauf- und Kontaktstelle zur Verfügung. In einem aktuellen Bericht schildern sie, wie sich für sie die Lage vor Ort Ende Mai darstellt:

„Die Naturkatastrophen und der Beginn der Störfälle am AKW Fukushima liegen nun etwas mehr als zwei Monate zurück und zumindest nach außen ist man in der Hauptstadt zum Alltag übergegangen. Nachrichten zum AKW Fukushima sind auch hier in der Presse selten geworden und konzentrieren sich auf die langfristige Herstellung der Sicherheit. Allerdings recherchieren die meisten hier häufig, welche Fortschritte die Arbeiten am AKW machen. Und ein Blick auf die Jodwerte im Trinkwasser gehört auch immer noch zu einer gewissen Routine. Die Werte sind, wie auch bei den Lebensmitteln, die in den Supermärkten verkauft werden, unbedenklich.

Da auch die anfänglich zahlreichen Nachbeben an Stärke und Häufigkeit inzwischen immer mehr nachlassen, kehrt jetzt hier in Tokyo und der Region wieder eine gewisse Normalität zurück. Die unterschwellig nervöse Stimmung der letzten Wochen bei allen in Tokyo Lebenden legt sich.

Unser Büro musste aufgrund der Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Botschaft nach dem 11. März vorübergehend für Publikumsverkehr schließen. Telefonisch und per E-Mail waren wir durchgehend erreichbar und in Kontakt mit unseren japanischen Partnern. Vor dem Hintergrund geänderter Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes konnten wir am 11. April das Büro wieder in Betrieb nehmen. Die darauf folgenden Wochen waren geprägt durch viele Treffen mit japanischen Kolleginnen und Kollegen und der Analyse der Situation vor Ort.

In der ersten Maiwoche gab es dann in Japan die sogenannte „Golden Week“ – eine Reihe von Feiertagen. Für viele hier bot dies die erste Gelegenheit, sich nach den Ereignissen ein wenig zu entspannen und auf andere Gedanken zu kommen. Viele nutzten diese freien Tage auch, um als Helfer in die betroffenen Gebiete zu reisen.

In den Gebieten im Nordosten Japans ist noch lange nicht an Normalität zu denken; der Wiederaufbau wird Jahre oder sogar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Anfang Mai hat das japanische Parlament einen Nothaushalt zur Finanzierung der Wiederaufbauarbeiten in Höhe von ca. 33. Mrd. Euro beschlossen; in den kommenden Monaten ist mit weiteren Kosten zu rechnen. Der Tsunami, der auf das Erdbeben am 11. März folgte, hat ganze Küstengebiete zerstört und viele Todesopfer gefordert, inzwischen über 14.000 und weitere 12.000 Menschen gelten als vermisst.

Aus Trauer und Pietät wurden in ganz Japan im ersten Monat nach den Naturkatastrophen Veranstaltungen abgesagt. Auch wir haben in Abstimmung mit unseren japanischen Partnern zwei für Mitte April geplante Veranstaltungen in den Herbst verschoben. Alle kommenden Veranstaltungen werden wie geplant stattfinden. Sie sind ein wichtiges Zeichen der Solidarität und wir freuen uns, dass inzwischen auch Teilnehmende aus dem Ausland wieder gerne nach Tokyo kommen.

Vereinzelt finden inzwischen auch wissenschaftliche Veranstaltungen zur Diskussion der Zukunft der Atomenergie und möglichen Alternativen in Japan statt; die japanische Regierung widmet sich dieser Thematik nun intensiv; innerhalb der japanischen Bevölkerung regt sich zunehmend Protest, beispielsweise in Form von Anti-AKW-Demos.

Das Budget für Wissenschaft und Forschung ist weiterhin unklar. Mittel- und langfristig wird in Japan der Wiederaufbau der Forschungsinfrastruktur im Fokus stehen und es ist davon auszugehen, dass internationale Kooperationen stark an Bedeutung gewinnen. Unsere Information für die Wissenschaft Nr. 15 vom 24. März („Unkomplizierte und flexible Unterstützung bei Kooperationen mit Japan“) war und ist ein wichtiges Signal zur Unterstützung der Japan-Kooperationen, das auch in Japan sehr geschätzt wird. In der DFG-Geschäftsstelle und bei uns sind zahlreiche Anfragen und Anträge eingegangen, Mittelaufstockungen für bestehende Projekte konnten bereits bewilligt werden.“

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© 2010-12 DFG Aktualisierungsdatum: 03.06.2011Sitemap  |  Impressum  |  Kontakt  |  RSS Feeds

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