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Dritter Berliner Salon: Im Gespräch mit Carl Djerassi

Carl Djerassi gab auf dem dritten Berliner Salon Einblicke in sein Werk
Carl Djerassi gab auf dem dritten Berliner Salon Einblicke in sein Werk
© DFG/ Fotograf: Peter Himsel

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Der dritte Berliner Salon des Präsidenten der DFG am 22. September 2010 in der Villa von der Heydt war gleichsam eine Premiere. Nach den beiden vorangegangenen Gesprächsabenden, die das „Wesen der Zeit“ und die Frage „Wie spricht Wissenschaft?“ in den Mittelpunkt einer angeregten Diskussion stellten, stand  diesmal Carl Djerassi und sein Werk auf dem Programm. Der Dramatiker, der früher Romane schrieb und zuvor Chemiker war – wie er sich selbst beschreibt – sprach über seine Bücher und Stücke und die Motivation, aus der Wissenschaft in die Literatur zu wechseln.

In seinen einleitenden Worten zitierte Gastgeber Professor Matthias Kleiner Joshua Lederberg, Nobelpreisträger für Medizin 1958: „Carl Djerassi hat der Wissenschaft eine neue Stimme in der Literatur gegeben.“ Bevor er jedoch zu schreiben begann, war er zunächst ein höchst erfolgreicher Wissenschaftler. Ihm und seinem Mitarbeiter Luis Miramontes gelang 1951 erstmals die Synthese eines oralen Verhütungsmittels. Der sich selber als „Mutter der Pille“ bezeichnende Chemiker setzte in den 1980er Jahren sein Leben als nicht minder erfolgreicher Literat fort, dessen Romane allesamt Bestseller sind und dessen Dramen auf zahlreichen Bühnen der Welt aufgeführt werden und in etliche Sprachen übersetzt sind.

Djerassi im Gespräch mit DFG-Präsident Kleiner
Djerassi im Gespräch mit DFG-Präsident Kleiner
© DFG/Fotograf: Peter Himsel

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Djerassi nahm die Möglichkeit des Berliner Salons wahr und erläuterte der Gästerunde sein Werk. Ehe er sich seiner von ihm geschaffenen Romangattung „Science-in-Fiction“ – Wissenschaft  in der Fiktion – widmete, betonte er, dass er sich an ein breites Publikum wendet. Denn anders als Wissenschaftler, die stets Kollegen adressieren, versteht er sich als „Schmuggler“, der – durchaus mit pädagogischem Anspruch – Gedanken versteckt transportiert.  Zunächst präsentierte er seine Autobiografien, die – anders als eine Biografie – für ihn stets Fiktion sind und oft nur Bruchstücke der Wahrheit wiedergeben. Auch in seinen Romanen steckten oft Splitter seiner Person, und niemand habe den „Stein von Rosetta“, um alle autobiografischen Details erkennen zu können.

Im Plauderton erklärte Djerassi, der heute in San Francisco, London und Wien lebt, seinem Publikum, wie er als diskreter, Masken tragender Autobiograf in seinen Romanen „Cantors Dilemma“, „Das Bourbaki Gambit“, „Menachems Same“, „NO“ (für die Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff und nicht das englische Nein) und weiteren Werken das beschreibt, was in der akademischen Welt tatsächlich geschieht. Dabei spielen oft reale Personen mit, die sehr unterschiedlich auf Djerassis „Wechsel der Welten“ reagierten: Viele Chemiker interessierten sich gar nicht für Literatur, andere seien eifersüchtig aber etlichen gefielen die Werke. Der passionierte Theaterbesucher, der in seinen Stücken oft das Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau thematisiert, bezog sich außerdem auf den Lehr-Wert seiner Arbeiten, die mit modernen Hip-Hop-Songs aufgepeppt auch im Schulunterricht und an Universitäten behandelt werden.

Während der Diskussion
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Während der Diskussion

Während der Diskussion
© DFG/Fotograf: Peter Himsel

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© DFG/Fotograf: Peter Himsel

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Nach den Werken, die sich um Wissenschaft drehten, wandte er sich auch anderen Themen zu.  Seine liebste Rezension erhielt er für das Manuskript des Romans EGO, der mittlerweile zusammen mit dem später erschienenen gleichnamigen Theaterstück in einem Band veröffentlicht wurde, von seiner Frau Diane Middlebrook. Nachdem sie ihm zunächst abriet, über etwas zu schreiben, von dem er nichts verstehe, sagte sie nach dem Lesen des Manuskripts nur: „Chemist, this is good“.

Zum Schreiben kam er nach eigenem Bekunden „aus Rache“. In einem ersten, unveröffentlichten Buch verarbeitete er die Trennung von einer Frau, die später seine Frau wurde – unter der Bedingung, dass das Buch nicht veröffentlicht wird.  „Aber über Kannibalisieren haben wir nicht gesprochen“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu. Generell ist für ihn „die Schreiberei“ immer auch Auto-Psychoanalyse und er ist froh, mit der Literatur eine weitere Begabung für sich entdeckt zu haben, die ihn unabhängig von anderen macht, über sein Leben in der Wissenschaft sowie auch Privates nachdenken lässt und ihm die Möglichkeit bietet, seiner Neugierde und seinen Neigungen nachzugehen.

Nach der abschließenden Gesprächsrunde gab Djerassi  den Anwesenden mit auf den Weg: „Wenn Sie einsam sind, dann schreiben Sie und dann lesen Sie es Menschen vor.“

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© 2010-12 DFG Aktualisierungsdatum: 27.09.2010Sitemap  |  Impressum  |  Kontakt  |  RSS Feeds

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