Was das Heisenberg-Programm auszeichnet

Werner Heisenberg hatte 1927 im Alter von nur 26 Jahren eine der fundamentalen Aussagen der Quantenmechanik formuliert: die Heisenbergsche Unschärferelation. Im selben Jahr wurde er als Professor nach Leipzig berufen, war drei Jahre zuvor bereits Assistent von Max Born und arbeitete bei Niels Bohr in Kopenhagen. Den Nobelpreis erhielt Werner Heisenberg 1932. Es muss wohl an diesem Namen gelegen haben, dass sich 1978 an der ersten Ausschreibungsrunde für die Heisenberg-Stipendien überproportional viele Physiker beteiligt haben. Inzwischen steht „Heisenberg“ für Qualität in jedem wissenschaftlichen Bereich.

Heisenberg bot sich als Namensgeber für ein Förderinstrument für hoch qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich für eine Berufung weiter qualifizieren möchten, an. Denn Antragstellerinnen und Antragsteller sollten „jung für ihre Leistungen“ sein, wie es der damalige DFG-Präsident Heinz Maier-Leibnitz definierte. Für die Einrichtung des Programms 1978 gab es zwei Beweggründe, die auch heute noch wichtig sind. Das Förderinstrument sollte die Lücke bis zur Professur für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schließen, die bereits ausreichend qualifiziert waren aber noch keine Dauerstelle an einer deutschen Universität hatten. Damit sollte die Förderung besonders begabte Nachwuchskräfte im deutschen Wissenschaftssystem halten. Zugleich ging es um die wissenschaftliche Unabhängigkeit: Das Heisenberg-Stipendium ermöglichte eigene Forschung: frei von Vorgesetzten, Institutionen oder vorgegebenen Projekten.

Die 1970er Jahre – das bundesdeutsche Wissenschaftssystem im Umbruch

Das Heisenberg-Stipendium entstand als Antwort auf die Entwicklungen der deutschen Wissenschaftslandschaft in den 1970er Jahren. Es wurde nötig, weil die rasche Expansion der deutschen Universitäten und viele Neugründungen in den 1960er und 1970er Jahren eine große Menge an Dauerstellen geschaffen hatten, die mit recht jungen Forscherinnen und Forschern besetzt wurden. Nachdem der Boom vorbei war, verhinderte das eine gesunde Fluktuation und senkte die Chancen auf eine dauerhafte Arbeit in Forschung und Lehre erheblich.

Daher beschlossen am 4. November 1977 die Regierungschefs des Bundes und der Länder auf Empfehlung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (der Vorgängerorganisation der heutigen Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz, GWK) das Heisenberg-Stipendium als Gegenmaßnahme, die sie der DFG übertrugen. Die Politik wollte verhindern, „dass auch diejenigen unter den besonders qualifizierten Nachwuchskräften, deren besondere Neigung und Begabung bei Forschung und Lehre liegen, Chancen im außerwissenschaftlichen Bereich wahrnehmen und so der Wissenschaft verloren gehen“, heißt es im DFG-Jahresbericht 1978. Das Heisenberg-Programm war das erste neue Programm der DFG seit dem Start der Sonderforschungsbereiche 1967.

Ein Erfolgsmodell – verstetigt und erweitert

Zu Beginn war das Programm auf fünf Jahre und eine Gesamtzahl von 750 Stipendien angelegt. Es sollte die Zeit überbrücken, bis sich die kritische Stellensituation der 1970er Jahre entspannt hatte. Die Tatsache, dass die große Mehrzahl der Stipendiatinnen und Stipendiaten der ersten Jahrgänge bald berufen wurde, und die hervorragende Reputation der Geförderten führten jedoch dazu, diese Art der Förderung beizubehalten – mit dem Ergebnis, dass es 1991 ins Programmportfolio der DFG aufgenommen wurde. Im Jahr 2005 erweiterte die DFG das Heisenberg-Programm um die schon zuvor immer wieder angeregten Heisenberg-Professuren. Eine solche finanziert die DFG für fünf Jahre an, nach erfolgreicher Zwischenbegutachtung wird sie in eine reguläre Universitätsprofessur überführt. Die Heisenberg-Professur ist also „gleichsam der Einstieg in ein Tenure Track-System mit gesicherten Karriereperspektiven und damit ein großer Fortschritt für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland“, wie der ehemalige DFG-Präsident Matthias Kleiner es anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Programms formulierte.

Zur Förderstatistik

Für die erste Förderrunde von 1978 bis 1982 gingen zum Stichtag, dem 15. Dezember 1978, 344 Bewerbungen ein. Mit 44 Anträgen aus der Physik war die Disziplin des Namensgebers als Einzelfach am stärksten vertreten, gefolgt von 19 Bewerbungen aus der Mathematik. Häufungen gab es auch in theoretischer Medizin und Biologie; aus geisteswissenschaftlichen Fächern kamen 55 Bewerbungen. Auffällig schwach vertreten waren Ingenieurwissenschaften und „praktische Medizin“. In der ersten Runde waren Wissenschaftlerinnen mit gerade einmal fünf Prozent der geförderten noch stark unterrepräsentiert. Im Jahr 2014 waren fast ein Viertel aller Geförderten Frauen.

Ein Blick auf den weiteren Werdegang der Heisenberg-Stipendiaten und -Stipendiatinnen bringt eine hervorragende Karriere-Bilanz zutage. Nicht weniger als 48 von ihnen wurden mit dem höchstdotierten und wichtigsten deutschen Wissenschaftspreis, dem Leibniz-Preis, ausgezeichnet. Darüber hinaus sind zahlreiche „Ehemalige“ in den höchsten Gremien der DFG vertreten. Und mit Klaus von Klitzing, Stipendiat der ersten Runde, ist sogar ein Nobelpreisträger – wie der Namensgeber selbst – unter den Alumni zu finden.

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