Die Ansprüche an die Qualität sind unverändert hoch

Rund 2000 Geförderte seit Bestehen des Heisenberg-Programms

Es muss wohl am Namen gelegen haben, dass sich 1978 an der ersten Ausschreibungsrunde für die Heisenberg-Stipendien überproportional viele Physiker beteiligt haben. Inzwischen steht „Heisenberg“ für Qualität in jedem wissenschaftlichen Bereich, und der Grund für die Namensgebung gerät mitunter in Vergessenheit. „Für mich verkörpert Werner Heisenberg all jenes, was wir von unseren Stipendiaten erwarten“, sagt Dr. Robert Paul Königs, Leiter der Abteilung Fachliche Angelegenheiten der Forschungsförderung bei der DFG. „Heisenberg war jung, er war ein herausragender Forscher und er war mobil.“

1927 hatte Werner Heisenberg im Alter von nur 26 Jahren eine der fundamentalen Aussagen der Quantenmechanik formuliert: die Heisenbergsche Unschärferelation. Im selben Jahr wurde er als Professor nach Leipzig berufen, war drei Jahre zuvor bereits Assistent von Max Born und arbeitete bei Niels Bohr in Kopenhagen. Den Nobelpreis erhielt er 1932. Als einer von sehr wenigen Wissenschaftlern schaffte er sogar den Weg in die Populärkultur: „Heisenberg-Kompensatoren“ sind eine Erfindung des 24. Jahrhunderts, ersonnen in einem berühmten Raumschiff. Doch zurück ins 20. Jahrhundert.

Wohin mit dem Nachwuchs?

In den sechziger und siebziger Jahren erlebte die Bundesrepublik eine Phase außerordentlich rascher Expansion der Hochschulen. In dieser Zeit wurden Universitäten ausgebaut und zahlreiche neue gegründet. Es entstanden so viele Dauerstellen, dass eine Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses etwa durch Sonderprogramme nicht notwendig erschien. Doch als der Boom vorbei war, sanken die Chancen für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dauerhaft in Forschung und Lehre arbeiten zu können, erheblich. Auf den Stellen, die in der Expansionsphase geschaffen worden waren, saßen bereits junge Wissenschaftler – der Stellenmarkt war auf lange Sicht dicht. Wohin mit dem hoch begabten Nachwuchs?

Am 4. November 1977 beschlossen die Regierungschefs des Bundes und der Länder auf Empfehlung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung eine wirksame Gegenmaßnahme. Für ihre Umsetzung war die DFG verantwortlich. Die Politiker wollten verhindern, „dass auch diejenigen unter den besonders qualifizierten Nachwuchskräften, deren besondere Neigung und Begabung bei Forschung und Lehre liegen, Chancen im außerwissenschaftlichen Bereich wahrnehmen und so der Wissenschaft verloren gehen“, heißt es im DFG-Jahresbericht 1978.

Das Heisenberg-Programm sollte jungen qualifizierten Forscherinnen und Forschern ermöglichen, „sich frei von anderen Verpflichtungen der Forschung zu widmen, um sie so der Wissenschaft zu erhalten.“ Es ging nicht nur darum, dem Verlust kluger Köpfe vorzubeugen, bis wieder Stellen frei würden; die Erfinder des Heisenberg-Programms wollten auch Fortschritte in der Forschung insgesamt anregen und so die Innovationskraft Deutschlands erhalten und steigern. Inzwischen wird genau aus diesem Grund eine Menge für junge Forschertalente getan, vor allem bei der DFG. „Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist uns eine Herzensangelegenheit und ein ganz zentraler Punkt unserer Arbeit“, betont Robert Paul Königs. Zwar ist in der DFG-Satzung von 1951 davon noch keine Rede, doch 1959 wurde die „Förderung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses“ als Ziel in die Satzung aufgenommen, und heute ist allen klar, dass die Investition in Köpfe das beste Potenzial des Landes hervorbringt.

Anfangs Physiker stark vertreten

Das Heisenberg-Programm war das erste neue Programm der DFG seit dem Start der Sonderforschungsbereiche 1967. In der ersten Förderrunde von 1978 bis 1982 wurden Mittel für insgesamt 750 Stipendien eingeplant. Am 15. Dezember 1978, dem Stichtag für die Bewerbung zum ersten Durchgang, lagen in Bonn 344 Bewerbungen vor. Mit 44 Anträgen aus der Physik war die Disziplin des Namensgebers als Einzelfach am stärksten vertreten, gefolgt von 19 Bewerbungen aus der Mathematik. Häufungen gab es auch in theoretischer Medizin und Biologie; aus geisteswissenschaftlichen Fächern kamen 55 Bewerbungen. Auffällig schwach vertreten waren Ingenieurwissenschaften und „praktische Medizin“. Robert Paul Königs hat eine Erklärung: „Dort führen andere Karrierewege zur Professur, zum Beispiel über ein Unternehmen beziehungsweise in einer Klinik.“ Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, nur wenige Ingenieure sind dazugekommen. Geändert hat sich aber vieles andere: Nachdem die DFG feststellte, dass allzu starre Regelungen kre-ative Köpfe abschrecken, kappte sie wie bei ihren anderen Programmen die Altersgrenze von 33 Jahren. Heutige Heisenberg-Stipendiaten sind im Schnitt etwas älter als frühere. Die größte Gruppe der Geförderten ist zwischen 35 und 40 Jahre alt.

Waren in der ersten Runde 1978 Wissenschaftlerinnen noch stark unterrepräsentiert – sie stellten gerade einmal fünf Prozent der Geförderten bei insgesamt sieben Prozent Bewerberinnen –, stieg ihr Anteil bis zum Jahr 2006 auf 22 Prozent. „Es muss aber nicht nur ein gutes Zeichen sein, dass mehr Frauen unter den Stipendiaten sind“, warnt Robert Paul Königs vor zu viel Optimismus. „Nach wie vor zeigt sich, dass vor allem Männer die festen Stellen bekommen, während Frauen sich mit Stipendien durchhangeln müssen.“

Ein Markenzeichen

Eines hat sich in 30 Jahren Heisenberg-Programm nicht geändert: Die wissenschaftlichen Qualitätsmaßstäbe, die für die Vergabe eines Stipendiums gelten, sind enorm anspruchsvoll. Immerhin ist Berufungsfähigkeit ein wichtiges Kriterium, wenn auch nicht mehr wie früher die Habilitation Voraussetzung für die Förderung ist. Die Ablehnungsquote ist nach wie vor hoch, und so hat das Programm eine erstaunliche Karriere aufzuweisen. „Durch die strengen Kriterien ist das Stipendium zu einem Markennamen geworden und hat einen außerordentlichen Nimbus gewonnen“, sagt Robert Paul Königs.

Ein Heisenberg-Stipendium ist mehr als eine Zier für den wissenschaftlichen Lebenslauf, und manch ein Forscher bewirbt sich nur aus diesem Grund, selbst wenn er weiß, dass er die Mittel gar nicht in Anspruch nehmen muss. So ist nur noch schwer vorstellbar, dass das Programm anfangs unter Bewerbermangel litt. Der damalige DFG-Präsident Eugen Seibold (1980 bis 1985) vermutete seinerzeit, dass die Attraktivität der Förderung wegen der schlechten Aussicht auf Dauerstellen so gering sei. Tatsächlich waren erst 1990 alle anfangs geplanten 750 Stipendien vergeben. Dennoch kam nie Zweifel an dem Sinn des Programms auf, weil weiterhin ein künftiger Mangel an habilitierten Wissenschaftlern befürchtet wurde. So entstand im Zuge des Hochschulsonderprogramms II eine Nachfolgeregelung für „Heisenberg“ für die Jahre von 1991 bis 2000.

DFG setzt „Heisenberg“ fort

Die dritte Phase des Heisenberg-Programms leitete die DFG selbst ein. Nach Auslaufen der Sondermittel hätten neu bewilligte Stipendien nicht mehr über die volle Laufzeit finanziert werden können. „Die DFG entschloss sich daher relativ rasch, sowohl das Heisenberg-Programm als herausragendes Exzellenzprogramm für den Hochschullehrer-Nachwuchs als auch ein reduziertes Programm von Habilitandenstipendien aus ihren eigenen regulären Mitteln ab 2001 fortzuführen“, sagte im Jahr 2000 der damalige DFG-Generalsekretär Dr. Reinhard Grunwald.

Die Physiker sind weniger geworden. Selbst am Heisenberg-Programm geht der viel zitierte Übergang vom Jahrhundert der Physik ins Jahrhundert der Biologie nicht vorbei. Die Anträge aus den Lebenswissenschaften mit Biologie und Medizin haben die naturwissenschaftlichen Anträge überholt; dort sind die Physiker sogar schon in der Minderheit. Und die Geistes- und Sozialwissenschaftler haben sich keineswegs von dem Namensgeber aus der Physik abschrecken lassen: Sie stellten in den vergangenen 30 Jahren rund ein Drittel der Anträge im Heisenberg-Programm.

Hervorragende Karriere-Bilanz

Ein Blick auf den weiteren Werdegang der Heisenberg-Stipendiaten und -Stipendiatinnen bringt eine hervorragende Karriere-Bilanz zutage. Nicht weniger als 28 von ihnen wurden mit dem höchstdotierten und wichtigsten deutschen Wissenschaftspreis, dem Leibniz-Preis, ausgezeichnet. Darüber hinaus sind zahlreiche „Ehemalige“ in den höchsten Gremien der DFG vertreten. Und mit Klaus von Klitzing, Stipendiat der ersten Runde, ist sogar ein Nobelpreisträger – wie der Namensgeber selbst – unter den Alumni zu finden.

Für Klaus von Klitzing war das Heisenberg-Stipendium eine wesentliche Voraussetzung, um den Physik-Nobelpreis 1985 zu erlangen. Rund 2000 Stipendien wurden bis heute vergeben – über Bewerbermangel kann sich die DFG schon lange nicht mehr beklagen. Was damals als Überbrückung für einen Stellen-Engpass gedacht war, hat sich zu einem der wichtigsten Instrumente der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung entwickelt, das zudem in seiner Art einzigartig geblieben ist. In der Regel ist die Nachwuchsförderung, wie beispielsweise bei der Max-Planck-Gesellschaft oder der Helmholtz-Gemeinschaft, an eine Institution gebunden. „Typisch für die DFG ist aber“, so betont Robert Paul Königs, „dass es kein Strukturprogramm, sondern eine personenbezogene Förderung ist, mit der sich junge Leute frei von institutionellen und strukturellen Zwängen in ihre Forschung vertiefen können.“ Und er hebt noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hervor: Während man heute gern die Multi-Tasking-Fähigkeit junger Forscher fördere, weise das Heisenberg-Programm in eine klare Richtung. „Ein Heisenberg-Stipendiat hat sich für die Wissenschaft entschieden.“

Heisenberg-Professur

Um noch planbarere Perspektiven zu schaffen, hat die DFG das Heisenberg-Programm erweitert. Mit Beginn des Jahres 2006 führte sie die Heisenberg-Professur ein, die exzellenten und berufbaren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nicht nur eine fünf Jahre lang von der DFG finanzierte Stelle, sondern bei entsprechenden landesrechtlichen Voraussetzungen im Anschluss auch die Aussicht auf eine unbefristete Weiterbeschäftigung bietet. Unabdingbare Voraussetzung für eine solche Anschlussperspektive ist, dass die Geförderten eine Zwischenevaluation, die internationale Qualitätsstandards anlegt, positiv bestehen. Bis zum Jahr 2009 konnten über 70 Heisenberg-Professuren eingerichtet werden.

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