Mit früher Selbstständigkeit schnell auf der Zielgeraden

Es locken großer Freiraum und exzellente Ausstattung

Junge Forscherinnen und Forscher im Emmy Noether-Programm haben etwas, wovon viele ihrer Kollegen in Deutschland träumen und was manchem Hochschullehrer noch fremd erscheint: Emmy Noether-Geförderte sind wissenschaftlich selbstständig. Sie leiten ihre Nachwuchsgruppe mit von ihnen ausgesuchten Mitarbeitern, betreuen eigene Doktoranden, sie lehren, erledigen Managementaufgaben und verwalten ihr Budget – und das alles an der Hochschule ihrer Wahl. „Schon frühzeitig sollen junge Wissenschaftler aus dem Schatten der Professoren treten und ein eigenes wissenschaftliches Profil entwickeln können“, sagt Dr. Beate Scholz, Programmdirektorin für den Bereich Wissenschaftlicher Nachwuchs bei der DFG.

Als diese Förderung 1999 ins Leben gerufen wurde, betrat die DFG in Sachen Nachwuchsförderung Neuland und läutete somit einen Systemwandel ein. Die Freiheiten des amerikanischen „assistant professor“ waren unter anderem Vorbild bei der Gestaltung des Programms. Es wollte zur wissenschaftlichen Assistenz einen alternativen  Qualifizierungsweg eröffnen. „Das Meister-Lehrlings-Modell sollte durchbrochen werden“, betont Beate Scholz. Dazu hatten zuvor bereits internationale Experten dringend geraten, die das deutsche Wissenschaftssystem im Rahmen einer internationalen Systemevaluation unter die Lupe genommen hatten. Sie stellten fest: Die langjährigen Abhängigkeitsverhältnisse schwächen nicht nur den Nachwuchs, sondern auch die Hochschulen und das Land im globalen Wettbewerb um Innovation und wissenschaftliche Spitzenkräfte.

„Turboprogramm für Jungforscher“

Genau hier setzt das Emmy Noether-Programm an. Die Geförderten durchlaufen die Qualifikationsphase bis zur Professur deutlich schneller als ihre Kollegen auf wissenschaftlichen Assistentenstellen. Manche Medien sprechen gar von einem „Turboprogramm für Jungforscher“. In fünf – spätestens sechs – Jahren sollte ein „Emmy“ es geschafft haben: Die hohe Berufungsquote belegt, dass der Weg in dieser Zeitspanne erfolgreich zu bewältigen ist. Mittlerweile sind mehr als hundert Rufe an Geförderte und Ehemalige im Emmy Noether-Programm ergangen. Fast 300 Emmy Noether-Nachwuchsgruppen sind seit 1999 gefördert worden, knapp ein Viertel von ihnen leiten Forscherinnen. Jedes Jahr werden im Schnitt 50 neue Nachwuchsgruppen bewilligt.

Das Emmy Noether-Programm steht allen ausgewiesenen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern offen, die sich in Deutschland für den Beruf des Hochschullehrers qualifizieren wollen. Eine deutliche Mehrheit unter den Geförderten bilden die Natur- und Lebenswissenschaftler, Geistes- und Sozialwissenschaftler hingegen sind rar. „Noch“, betont Beate Scholz. Sie beobachtet „einen nachholenden Effekt“ und generell einen Umbruch in den Geisteswissenschaften. Diese formierten sich, was die Nachwuchsförderung angehe, neu – eine Tendenz, die das Emmy Noether- Programm unterstützen will. Da Geisteswissenschaftler bisher seltener als Naturwissenschaftler in Teams arbeiten, können sie als Projektleiter auch ohne Nachwuchsgruppe gefördert werden.

Den Wettbewerb anheizen

Knapp neun Prozent der jungen Forscher stammen aus dem Ausland. „Eine gezielte Brain Gain-Strategie steht nicht dahinter, dennoch will das Programm die Besten, unabhängig von ihrem gegenwärtigen Forschungsstandort, gewinnen“, erläutert Beate Scholz. Insbesondere sollen herausragende Deutsche angesprochen werden, die aus dem Ausland zurückkehren wollen. Für sie ist die Exzellenzförderung oft die erhoffte Möglichkeit, in Deutschland unter genauso attraktiven Bedingungen wissenschaftlich arbeiten zu können wie in ihrer Wahlheimat. Vor allem locken der große Freiraum und die exzellente Ausstattung der eigenen Forschungsgruppe.Das spricht sich in der „scientific community“ herum. „Die jungen Leute gehen dorthin, wo sie die besten Bedingungen vorfinden. Das Programm will diese Bewegung vorantreiben und so in Deutschland den Wettbewerb unter den Forschungsstandorten anheizen“, sagt die DFG-Expertin.

Mentalitätswandel notwendig

„Manchen Hochschulen fehlt allerdings noch das hinreichende Bewusstsein für das Pfund, mit dem sie wuchern können“, stellt Beate Scholz fest. Das „Pfund“ ist ein in einem harten internationalen Wettbewerb ausgewählter Forscher. Er trägt mit seiner Arbeit dazu bei, das Profil der Universität zu schärfen und verbessert mit seinem Geld nicht zuletzt die Drittmittelstatistik der Hochschule. Anstatt jedoch Emmy Noether-Kandidaten gezielt zu rekrutieren, sperren sich manche Fakultäten und Verwaltungen und verweisen etwa auf fehlende Räume. Auch bei der Integration hapert es: Anders als Juniorprofessoren erhalten Geförderte im Emmy Noether-Programm oft nicht das Recht zu lehren und Promotionen vom Anfang bis zum Ende zu betreuen. „Hier ist noch viel Mentalitätsbildung notwendig“, so Beate Scholz. Dass der Systemwandel aber bereits in vollem Gange ist, verdeutlichen solche Hochschulen, die sich darum bemühen, „ihren Emmys“ langfristige Zukunftsperspektiven zu eröffnen und dies auch schaffen.

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