17. GAIN-Jahrestagung

Fokus auf wissenschaftspolitischen Veränderungen in Deutschland / Positive Sicht auf Deutschland: Rückkehrwille groß / Zweites Stipendiatentreffen der DFG

Die Talent Fair auf der GAIN-Jahrestagung
Die Talent Fair auf der GAIN-Jahrestagung ist die größte Messe für wissenschaftliche Karrieren in Deutschland außerhalb Europas. An über 60 Ständen präsentieren sich Hochschulen, Firmen, Förder- und Forschungseinrichtungen
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Bei der 17. Jahrestagung des German Academic International Network (GAIN) vom 25. bis 27. August 2017 in San Francisco haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem die Veränderungen im deutschen Wissenschaftssystem in den Blick genommen. Die schwierigen und zunehmend populistisch geprägten internationalen politischen Rahmenbedingungen fanden beim diesjährigen Zusammentreffen des internationalen Netzwerks zwar ihren Niederschlag in vielen Grußworten und Gesprächen, im Gegensatz zum Vorjahr dominierten sie die Veranstaltung jedoch nicht. Die erste Aufregung über den Brexit, die politische Lage in der Türkei oder auch die Wahl Donald Trumps, um nur einige Beispiele zu nennen, hat sich gelegt – diese Ereignisse und ihre Auswirkungen auf die Wissenschaft sind, leider, zum Alltag geworden. So hob die Präsidentin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Prof. Dr. Margret Wintermantel, in ihrem Grußwort die Bedeutung der Wissenschaft als verbindendes Element der internationalen Beziehungen hervor und betonte, dass das GAIN-Jahrestreffen Ausdruck der Weltoffenheit des deutschen Wissenschaftssystems sei.

DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider unterstrich vor den rund 300 angereisten, in den USA und Kanada tätigen deutschen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern sowie zahlreichen Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Forschung: „Zu verantwortlicher Wissenschaft gehört mindestens zweierlei: äußerst sorgfältiger Erkenntnisgewinn und seriöse Leistungsversprechen gegenüber der Gesellschaft.“ Unerfüllte oder gar unerfüllbare Verheißungen erzeugten Glaubwürdigkeitslücken, die populistischen Anti-Intellektualismus und autokratische Wissenschaftsfeindschaft beförderten. Prof. Dr. Helmut Schwarz, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), berichtete vom Umgang der Stiftung mit verfolgten Forscherinnen und Forschern: „Das zeigt, wie dramatisch und wie schnell sich die Situation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ändern kann.“ Es sei daher bei Treffen wie der GAIN-Jahrestagung wichtig, aufeinander zuzugehen.

Podiumsdiskussion „Make Facts Great Again: How Can We Talk to Sceptics about Science?“

Teilnehmer der Podiumsdiskussion
v.l. Jan-Martin Wiarda (Moderation), Prof. Dr. Jule Specht (Humboldt-Universität Berlin, Junge Akademie), Prof. Dr. Steven Beckwith (Alumnus der AvH, University of California), Prof. Dr. Margret Wintermantel (DAAD), Prof. Dr. Arun Majumdar (Stanford University), Prof. Dr. Peter Strohschneider (DFG)
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Bei der zentralen Podiumsdiskussion, deren Titel auf Trumps Wahlkampf-Slogan „Make America Great Again“ anspielte, diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft. Prof. Dr. Arun Majumdar, Direktor des Precourt Institute for Energy der Stanford University und Berater von Barack Obama während dessen Präsidentschaft, sagte, dass gesellschaftliche Skepsis gegenüber Wissenschaft nicht neu sei, jedoch eine neue Qualität erlangt habe, indem sie beispielsweise vom gegenwärtigen US-Präsidenten und seinem Verwaltungsapparat vertreten werde. Dem fügte Strohschneider hinzu: „Methodische Skepsis ist sehr wichtig für die Wissenschaft, sie schließt aber gesellschaftliches Vertrauen in Wissenschaft gerade nicht aus, sondern befördert es.“ Auf die Frage, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu einem größeren Vertrauen der Gesellschaft in die Wissenschaft beitragen könnten, empfahl Majumdar: „Never waste a crisis!“ Diese böten, weil sie für eine hohe Aufmerksamkeit sorgten, nach seiner Erfahrung eine gute Möglichkeit, die eigene Arbeit zu erklären und dafür zu werben.

In diesem Kontext bemängelte Prof. Dr. Jule Specht, Persönlichkeitspsychologin an der Humboldt-Universität zu Berlin und Sprecherin der Jungen Akademie, dass Wissenschaftskommunikation nicht belohnt würde, obwohl sie zeitaufwendig und gesellschaftlich wichtig sei: „Dabei macht es sogar Spaß und hilft auch auf dem Weg zur Professur, anderen zu erklären, woran man forscht.“ Strohschneider gab jedoch zu bedenken, dass das Vertrauen in die Wissenschaft nicht einfach durch mehr Wissenschaftskommunikation, wie sie derzeit überwiegend betrieben werde, zurückgewonnen werden könne: „Ein bloßes ‚Mehr davon‘ wird nicht helfen. Wir müssen die Unsicherheiten und Ambivalenzen unseres Wissens transparent machen, um glaubwürdig zu sein.“

Karrierewege – von der Wissenschaft, über das Wissenschaftsmanagement bis zur Wirtschaft

Prof. Dr. Zhengrong Liu, Personalvorstand der Beiersdorf AG
Prof. Dr. Zhengrong Liu, Personalvorstand der Beiersdorf AG, hielt die Keynote
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Das vom DAAD, der AvH und DFG veranstaltete größte Treffen für deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerhalb Europas widmete sich auch den beruflichen Perspektiven und Möglichkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im Angebot waren Workshops, Arbeitsgruppen und Gesprächsrunden zu den verschiedenen Disziplinen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei beschränkte sich die Auswahl nicht auf den engeren akademischen Bereich, sondern zeigte auch Wege zu erfolgreichen Karrieren in der außeruniversitären Forschung, im Wissenschaftsmanagement oder auch in Ausgründungen. In diesem Zusammenhang stand die Keynote Speech „The People Factors behind Global Business Today – Perspectives from the Practice“ von Zhengrong Liu, Personalvorstand der Beiersdorf AG. Der gebürtige Chinese machte den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit seinem eigenen Lebensweg Mut: Nicht alles in der Karriere sei planbar, allerdings müsse man sich bietende Chancen ergreifen. Deutschland und Europa riet er, sich im weltweiten Wettbewerb besser zu positionieren, um nicht gegen die USA, China und andere Wirtschaftsgroßmächte ins Hintertreffen zu geraten.

Führungspersonen aus Deutschland im Austausch mit deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Nordamerika
Führungspersonen aus Deutschland im Austausch mit deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Nordamerika: v.l. Prof. Dr. Oliver Günther (Universität Potsdam), Dorothee Dzwonnek (DFG), Prof. Dr.-Ing. Wolfram Ressel (Universität Stuttgart), Moderator Dr. Robin Mishra (Deutsche Botschaft Washington), Prof. Dr. Michael Hoch (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), Prof. Dr. Martin Krönke (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung); Prof. Dr. Birgitta Wolff (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Klaus Zeppenfeld (Hochschule Hamm-Lippstadt)
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Für die rund hundert von der DFG geförderten Stipendiatinnen und Stipendiaten, die mehr als ein Drittel der anwesenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ausmachten, bot die DFG zum zweiten Mal einen Stipendiatenabend an. In ihrer Begrüßungsrede betonte DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek, dass die frühe wissenschaftliche Selbstständigkeit eine Maxime der DFG bei der Förderung jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sei. „Auch die Universitäten erkennen diesen Wert zunehmend und setzen ihn um“, fügte sie hinzu. Dzwonnek berichtete zudem über die kürzlich erfolgten Programmänderungen im Emmy Noether- und Heisenberg-Programm der DFG, die auf eine noch bessere Passgenauigkeit von individueller Karrierelage und Förderung abzielten wie auch auf die bessere Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie. Dzwonnek ermunterte die Stipendiatinnen und Stipendiaten abschließend, der DFG Hinweise zu geben, was sie noch weiter verbessern könne, und schloss mit dem Wunsch: „Mögen Sie ohne Schranken denken, wo auch immer Ihre Karriere Sie hinführt.“

Bilanz: Rückkehrwille nach Deutschland ist groß

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der GAIN-Jahrestagung
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der GAIN-Jahrestagung kommen aus allen Fachgebieten und arbeiten an den führenden Universitäten und Forschungseinrichtungen in den USA und Kanada
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Ein positives Gesamtbild ergab die Abschlussdiskussion der Tagung. Die Veränderungen im deutschen Wissenschaftssystem nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer positiv auf. Viele Stipendiatinnen und Stipendiaten äußerten großes Interesse an einer Rückkehr nach Deutschland. Denn nicht zuletzt Maßnahmen wie der Hochschulpakt, die Exzellenzstrategie oder der Nachwuchspakt machten Deutschland auch im europäischen Vergleich zu einem attraktiven Wissenschaftsstandort. Als Vorteil wurden auch das gesellschaftlich-kulturelle Umfeld in Deutschland und der gerechtere Zugang zu Bildung genannt. Zugleich sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Abschlussrunde im Vergleich zu Nordamerika auch Verbesserungsbedarf im deutschen Wissenschaftssystem. Stichworte waren hier die Verlässlichkeit von Karrieren und der Ausbau des Tenure-Track-Systems, damit verbunden die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern wie auch die Gleichstellung von Mann und Frau.

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